Wien (OTS) – Nach drei Jahren Forschung liefert das Branchenprojekt
DekarbPharm
Tools, Leitfäden und Analysen, mit denen pharmazeutische
Produktionsstandorte Dekarbonisierungspfade planen und umsetzen
können.
Ziel des gemeinsamen Forschungsprojekts DekarbPharm von AIT
Austrian Institute of Technology und PHARMIG, dem Verband der
pharmazeutischen Industrie Österreichs, war es, praktikable und
kostenoptimierte Wege zu einer klimaneutralen Energieversorgung in
pharmazeutischen Produktionsumgebungen aufzuzeigen. Nun liegen
anwendungstaugliche Ergebnisse vor: Das technisch weiterentwickelte
DekarbPharm Online-Tool, energie- und prozesstechnische Analysen
sowie konkrete Empfehlungen und praxisnahe Leitfäden für
pharmazeutische Produktionsstandorte.
„Mit dem Abschluss des Projekts steht der pharmazeutischen
Industrie erstmals ein vollständiger Werkzeugkasten zur Verfügung, um
die eigene Dekarbonisierung gezielt, datenbasiert und wirtschaftlich
sinnvoll voranzutreiben“ , sagt Alexander Herzog, Generalsekretär der
PHARMIG. „Unternehmen können unterschiedliche Dekarbonisierungspfade
simulieren, Energieversorgungsoptionen planen und
Investitionsentscheidungen auf Basis einer robusten Datenlage treffen
– ein wichtiger Schritt in Richtung klimafitter
Produktionsstandorte.“
Im dritten Forschungsjahr lag der Schwerpunkt auf der Überführung
der bisherigen Forschungsergebnisse in die praktische Anwendung. Die
entwickelten Modelle zur Analyse von Energiebedarfen, zur Bewertung
von Technologien und zur Ableitung möglicher
Dekarbonisierungsoptionen wurden weiter verfeinert, auf reale
Standortbedingungen angewandt und systematisch überprüft. Ein
besonderer Fokus lag auf den sogenannten HVAC-Systemen – also jenen
Anlagen, die für die Belüftung sowie die Steuerung von Temperatur und
Luftfeuchtigkeit in Reinräumen und pharmazeutischen
Produktionsbereichen verantwortlich sind und gleichzeitig einen
erheblichen Anteil am Gesamtenergieverbrauch haben. Detaillierte
Untersuchungen zeigten, wo effizientere Regelstrategien, technische
Anpassungen und realistisch umsetzbare Maßnahmen möglich sind.
Parallel dazu wurden Lastspitzen in der Energieversorgung
detailliert analysiert – etwa beim gleichzeitigen Betrieb
energieintensiver Produktionsschritte oder bei stark schwankenden
Wärme- und Kältebedarfen. Untersucht wurde, wie thermische und
elektrische Speicher, die Nutzung volatiler Strompreise sowie die
Erzeugung erneuerbarer Energie gezielt eingesetzt werden können, um
Lastspitzen zu reduzieren, Engpässe zu entschärfen und bestehende
Anlagen effizienter zu nutzen.
Das bestehende DekarbPharm Online-Tool wurde technisch ausgebaut
und mit zusätzlichen Daten und Parametern ergänzt, sodass Unternehmen
ihre Energiesysteme realitätsnah abbilden und verschiedene Betriebs-
und Technologieoptionen nachvollziehbar vergleichen können. Die enge
Zusammenarbeit mit den beteiligten pharmazeutischen Unternehmen
erwies sich dabei als zentraler Erfolgsfaktor: Sie ermöglichte es,
die Modelle anhand realer Betriebsdaten zu validieren und die
Werkzeuge konsequent auf die Anforderungen der industriellen Praxis
auszurichten.
Zu den zentralen Ergebnissen des Projekts zählen
Branchenleitfäden, die technische und wirtschaftliche Empfehlungen
bündeln und einen strukturierten Überblick über wirksame
Dekarbonisierungsstrategien geben. Ergänzt werden sie durch
standortspezifische Analysen, die für die teilnehmenden
pharmazeutischen Produktionsstandorte erarbeitet wurden und
individuelle Maßnahmenpakete sowie technologisch fundierte Pfade zur
CO₂-Reduktion aufzeigen. Besonders für kleine und mittlere Betriebe
bieten die Ergebnisse von DekarbPharm damit einen niederschwelligen
Zugang zu strategischer und operativer Dekarbonisierungsplanung.
„Unser Ziel war es, ein Instrument zu entwickeln, das die
komplexen Energiesysteme pharmazeutischer Werke realistisch abbildet
und gleichzeitig einfach bedienbar bleibt“ , erklärt Anton Beck,
Projektleiter am AIT Center for Energy. „DekarbPharm ermöglicht es,
robuste Dekarbonisierungspfade zu entwickeln und ökologische
Nachhaltigkeit mit wirtschaftlicher Machbarkeit zu verbinden.“
Gerwin Drexler-Schmid, Business Manager Net-Zero Industries am
AIT, ergänzt: „Die systematische Reduktion von Energieverbräuchen und
Emissionen entlang des gesamten Produktionsprozesses ist entscheidend
für die langfristige Wettbewerbsfähigkeit. DekarbPharm zeigt, wie
innovative Technologien und eine durchdachte Energiesystemplanung
gemeinsam den Weg zu klimaneutralen Herstellungsumgebungen ebnen
können.“
Weitere Informationen: https://dekarbpharm.ait.ac.at/
Die Finanzierung des Projekts erfolgte über die Österreichische
Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) sowie über Bar- und
Eigenleistungen der Projektpartner Boehringer Ingelheim RCV GmbH & Co
KG, Novartis Pharmaceutical Manufacturing GmbH, Octapharma
Pharmazeutika Produktionsges.m.b.H., Pfizer Manufacturing Austria
GmbH, Sandoz GmbH, Takeda Manufacturing Austria AG und der PHARMIG
als Projektkoordinatorin.
Über die PHARMIG: Die PHARMIG ist die freiwillige
Interessenvertretung der österreichischen Pharmaindustrie. Derzeit
hat der Verband ca. 120 Mitglieder (Stand Februar 2026), die den
Medikamenten-Markt zu gut 95 Prozent abdecken. Die PHARMIG und ihre
Mitgliedsfirmen stehen für eine bestmögliche Versorgungssicherheit
mit Arzneimitteln im Gesundheitswesen und sichern durch Qualität und
Innovation den gesellschaftlichen und medizinischen Fortschritt.
Über AIT Austrian Institute of Technology GmbH: Das AIT Austrian
Institute of Technology ist Österreichs größte Research and
Technology Organisation (RTO) und spielt bei vielen Infrastruktur-
Themen weltweit in der ersten Liga. Mit seinen sieben Centern
beschäftigt sich das AIT mit den zentralen Infrastrukturthemen der
Zukunft und versteht sich als hoch spezialisierter Forschungs- und
Entwicklungspartner für die Industrie. Als nationaler und
internationaler Knotenpunkt an der Schnittstelle zwischen
Wissenschaft und Industrie macht das AIT dank seiner wissenschaftlich
-technologischen Kompetenz, Erfahrung auf den Märkten, der engen
Kundenbindung und einer hervorragenden Forschungsinfrastruktur
Innovationen möglich.
Das Center for Energy orientiert sich in seiner Forschung an drei
zentralen Systemen: Öffentliche Energieversorgungssysteme,
Industrielle Prozesse und Städte & gebaute Umwelt. Weitere
Informationen über die Center: https://www.ait.ac.at/energy