Wien (OTS) – Die von Zivildienstministerin Claudia Bauer heute
präsentierten
Zahlen zum drohenden Zivildiener-Mangel bestätigen aus Sicht des
Samariterbundes eine Entwicklung, die seit Jahren absehbar ist. Der
demografische Wandel, sinkende Geburtenzahlen und eine alternde
Gesellschaft stellen den Zivildienst schon lange vor strukturelle
Herausforderungen.
„Dass weniger junge Menschen nachkommen und gleichzeitig der
Bedarf in Rettung, Pflege und sozialen Diensten steigt, ist keine
neue Erkenntnis. Darüber sprechen wir als Einsatzorganisation seit
Jahren“, betont Wolfgang Dihanits, stellvertretender Bundessekretär
des Samariterbundes. „Umso wichtiger ist es, jetzt nicht nur Symptome
zu verwalten, sondern endlich eine nachhaltige Reform auf den Weg zu
bringen.“
Zwtl.: Mehr Zeit bringt mehr Qualität – vor allem im Rettungsdienst
Der Samariterbund sieht in der diskutierten Ausweitung des
Zivildienstes auf bis zu zwölf Monate grundsätzlich eine Chance,
insbesondere im Rettungsdienst. Gerade im Rettungsdienst geht ein
wesentlicher Teil der Dienstzeit für die Sanitäterausbildung drauf.
„Wenn mehrere Monate Ausbildung notwendig sind, bleibt bei einer
kürzeren Gesamtdauer schlicht weniger Zeit für den produktiven
Einsatz. Eine Ausweitung verbessert dieses Verhältnis spürbar – das
hilft den Organisationen und vor allem den Menschen, die Hilfe
brauchen“, betont Dihanits.
Zwtl.: Warnung vor isolierten Maßnahmen
Gleichzeitig warnt der Samariterbund davor, die Verlängerung des
Zivildienstes isoliert umzusetzen. „Ein längerer Zivildienst darf
nicht dazu führen, dass er an Attraktivität verliert“, so Dihanits.
„Wenn sich in der Folge weniger junge Männer für den Zivildienst
entscheiden, würde sich der Personalmangel weiter verschärfen – mit
unmittelbaren Auswirkungen auf Rettung, Pflege und soziale Dienste.“
Notwendig seien daher begleitende Maßnahmen, etwa bei der
Anerkennung von Qualifikationen, beim Ausbau von Ausbildungsangeboten
und bei den Rahmenbedingungen während des Dienstes. „Wenn ausgeweitet
wird, dann mit einem Gesamtpaket, das den Zivildienst stärkt und
jungen Menschen echte Perspektiven bietet“, so Dihanits.
Zwtl.: Praxis frühzeitig einbinden
Der Samariterbund plädiert für eine rasche, praxisnahe Einbindung
der Einsatzorganisationen. „Die Herausforderungen sind bekannt, die
Zahlen liegen auf dem Tisch. Jetzt braucht es rasch Klarheit und
Lösungen, die in der Praxis funktionieren“, sagt Dihanits. „Der
Zivildienst ist eine tragende Säule der Daseinsvorsorge – das muss
sich auch in den Reformschritten widerspiegeln.“