Wien (OTS) – Im Vorfeld des Weltkrebstages 2026 rückten führende
Expert:innen aus
Medizin, Forschung und Patient:innenvertretung die Zukunft der
Krebsmedizin in Österreich ins Zentrum. Aufbauend auf das
interdisziplinäre Expert:innenforum „ONKOSPHÄRE – Mut & Innovation
für die nächste Dekade“ von AstraZeneca im November 2025, bei dem
zentrale Perspektiven zu Früherkennung und Screening diskutiert
wurden, ist die Debatte nun um eine aktuelle Bevölkerungsbefragung
zum Wissen und Verhalten der Österreicher:innen rund um Krebsvorsorge
erweitert worden. Am Beispiel eines risikobasierten Lungenkrebs-
Screenings wurde deutlich gemacht: Die wissenschaftliche Evidenz zur
Reduktion der Sterblichkeit ist sehr gut, entsprechende Screenings
werden in anderen europäischen Ländern bereits erfolgreich umgesetzt.
In Österreich bleibt dieses Potenzial bislang ungenutzt. Die
Ergebnisse der nunmehrigen Meinungsumfrage zeigen, dass Wissen über
Krebsrisiken und Früherkennungsangebote in der Bevölkerung zwar
vorhanden ist, dieses jedoch noch zu selten in konkretes Handeln
mündet. Die Expert:innen plädierten daher neben der raschen Umsetzung
strukturierter Früherkennungsprogramme – etwa bei Lungenkrebs – vor
allem für gezielte Begleitmaßnahmen. Erst persönliche Ansprache,
klare Einladungsmechanismen, verständliche Information und
niedrigschwellige Zugänge machen Screeningprogramme wirksam und
sorgen für eine nachhaltige Teilnahmequote der Zielgruppen.
Zwtl.: Meinungsumfrage Krebsvorsorge: Wissen vorhanden – Aktivierung
fehlt
Die präsentierten Bevölkerungsdaten (n=800, Erhebungszeitraum
Dez. 2025 – Jan. 2026) zeigen, dass zentrale Krebsrisiken in der
österreichischen Bevölkerung gut eingeschätzt werden. 88 Prozent der
Befragten nannten Rauchen als wichtigsten Krebsrisikofaktor, gefolgt
von genetischen Faktoren mit 72 Prozent sowie einem ungesunden
Lebensstil mit 57 Prozent. Gerade beim Lungenkrebs zeigte sich ein
vergleichsweise differenziertes Risikobewusstsein. Gleichzeitig wurde
sichtbar, dass Früherkennungsangebote vor allem dann genutzt werden,
wenn sie klar empfohlen, persönlich kommuniziert und niederschwellig
organisiert sind. So gaben 67 Prozent der Befragten an, dass sie
durch eine ärztliche Empfehlung in Kombination mit einem
Aufklärungsgespräch zur Vorsorge motiviert werden. Jene Vorsorge-
Checks, die mit wenig Aufwand verbunden sind oder im Zuge von
Arztbesuchen routinemäßig angeboten werden (z.B. PAP-Abstrich oder
Bluttests), erreichen hohe Werte in der Inanspruchnahme. Demgegenüber
werden aufwendigere Vorsorgemaßnahmen, beispielsweise die
Vorsorgekoloskopie (18 Prozent), deutlich weniger genutzt. „Die Daten
zeigen sehr klar: Wissen allein reicht nicht. Menschen brauchen
persönliche Ansprache, klare Strukturen und einfache Zugänge“,
erklärte Matthias Gronau, MA , Senior Researcher bei Spectra.
„Früherkennung scheitert nicht am Bewusstsein, sondern eher am Fehlen
niedrigschwelliger Angebote und kluger Begleitmaßnahmen zur
Aktivierung.“
Zwtl.: Lungenkrebs: Hohe Mortalität ist vor allem ein Diagnoseproblem
Lungenkrebs zählt nach wie vor zu den tödlichsten
Krebserkrankungen in Österreich. Rund 68 Prozent der Diagnosen
erfolgen erst in den Stadien III oder IV, während nur etwa 20 Prozent
in einem frühen, potenziell heilbaren Stadium erkannt werden(1).
Entsprechend hoch ist die Mortalität: 2023 starben 21 Prozent aller
an Krebs verstorbenen Männer und 18 Prozent aller an Krebs
verstorbenen Frauen an Lungenkrebs(2). „Lungenkrebs ist nicht deshalb
so tödlich, weil wir ihn nicht behandeln können, sondern weil er
meist zu spät erkannt wird“ , betont Prim. Priv.-Doz. Dr. Arschang
Valipour, Leiter des Karl Landsteiner Instituts für Lungenforschung
und pneumologische Onkologie sowie Vorstand der Abteilung für Innere
Medizin und Pneumologie an der Klinik Floridsdorf. „Die Zukunft der
Lungenonkologie beginnt daher nicht im Therapieraum, sondern in der
systematischen Früherkennung. Ein konsequenter „Stage Shift“ hin zu
frühen Stadien ist die Grundlage für bessere Überlebenschancen.“
Studien wie die europäische NELSON-Studie(3) zeigen, dass ein
risikobasiertes Niedrigdosis-CT-Screening die
Lungenkrebssterblichkeit signifikant senken kann. Auch aktuelle
Programmdaten aus anderen Ländern belegen eine deutliche Reduktion
der krankheitsspezifischen Mortalität. „Österreich sollte dieses
Potenzial nutzen“, so Valipour abschließend.
Zwtl.: Screening braucht Struktur, Information und Begleitmaßnahmen
Vor diesem Hintergrund wurde ein strukturiertes, risikobasiertes
Lungenkrebsscreening als zentraler Hebel für eine bessere Versorgung
diskutiert. Entscheidend ist dabei eine klare Definition der
Zielgruppen sowie die Integration in bestehende
Versorgungsstrukturen. „Ein Screeningprogramm bringt nur dann den
erwarteten Nutzen, wenn es gut organisiert ist, hohe Teilnahmequoten
erreicht und von verständlicher, zielgruppenspezifischer
Kommunikation begleitet wird“ , erklärt Mag.a Romana Ruda, Managing
Director des Future Health Lab. „Die Erfahrungen aus dem Brustkrebs-
Früherkennungsprogramm, das 2014 als bislang einziges nationales,
strukturiertes Screeningprogramm in Österreich etabliert wurde,
zeigen, wie wichtig klare Kommunikation, Qualitätssicherung und ein
breiter Konsens unter allen Stakeholdern sind.“ Das Brustkrebs-
Früherkennungsprogramm hat seither zu einer deutlichen
Qualitätssteigerung in der Früherkennung beigetragen. Vergleichbare
strukturierte Ansätze fehlen für andere Krebsarten bislang
weitgehend. „Das Future Health Lab engagiert sich daher gemeinsam mit
Partner:innen und relevanten Stakeholdern aus Gesundheit, Forschung,
Versorgung und Industrie für die Entwicklung und Umsetzung weiterer
wirksamer Screeningprogramme – beispielsweise für Lungenkrebs – mit
dem Ziel, gesunde Lebensjahre in Österreich nachhaltig zu erhöhen“,
erklärte Ruda abschließend.
Zwtl.: Früherkennung und Innovationen müssen zusammenspielen
Früherkennung allein reiche jedoch nicht aus, um das volle
Potenzial auszuschöpfen. Entscheidend sei das Zusammenspiel mit
moderner Diagnostik und innovativen Therapien. „ Je früher wir
Lungenkrebs erkennen und je gezielter wir behandeln, desto größer
sind die Chancen auf Heilung und langfristiges Überleben . Wird
Lungenkrebs in Stadium I diagnostiziert, liegt die 3-Jahres-
Überlebensrate bei 84 Prozent, während sie in Stadium IV bei nur 21
Prozent liegt”, erklärt Prim. Priv.-Doz. Dr. Thomas Winder, PhD ,
Leiter der Abteilung für Innere Medizin II – mit Onkologie,
Hämatologie, Gastroenterologie und Infektiologie – am LKH Feldkirch.
„Innovative immunonkologische und zielgerichtete Therapien kommen
heute zunehmend auch in frühen Krankheitsstadien zum Einsatz –
neoadjuvant und adjuvant(4) –, dort, wo sie den größten Unterschied
machen.“ Technologische Fortschritte in der molekularen Diagnostik,
digitalen Pathologie und der Nutzung von Künstlicher Intelligenz
ermöglichten zudem eine immer präzisere Charakterisierung von
Tumoren. Damit könnten Patient:innen und ihre Behandler:innen
optimistisch in die Zukunft blicken, so die Expert:innen unisono.
Zwtl.: Patient:innenbeteiligung als Schlüssel moderner
Krebsversorgung – von Prävention bis Therapie
Ein weiterer Schwerpunkt der Diskussion lag auf der Rolle von
Patient:innenbeteiligung entlang des gesamten Versorgungspfads – von
Prävention und Früherkennung bis hin zu Forschung und Therapie.
„Patient:innenzentrierung ist keine Frage guter Absichten, sondern
funktionierender Strukturen“ , betont Claas Röhl , Gründer von NF
Kinder, Vorsitzender von EUPATI Österreich und Mitglied der Allianz
Onkologischer Patient:innenorganisationen. „Gerade bei Prävention und
Früherkennung können Patient:innenorganisationen eine Schlüsselrolle
übernehmen – etwa in der Aufklärung von Risikogruppen und bei der
Motivation zur Teilnahme an Vorsorge- und Screeningprogrammen.
Patient Advocates sollten nicht nur in Therapieentscheidungen,
sondern frühzeitig in klinische Forschung, Studiendesigns und
gesundheitspolitische Prozesse eingebunden werden. Wirksame
Prävention und erfolgreiche Forschung bedeuten immer bessere
Behandlungsmöglichkeiten und frühere Chancen für die Patient:innen
der Zukunft“, so Röhl weiter.
Zwtl.: Gemeinsames Plädoyer: Früher erkennen, gezielter behandeln,
länger leben
Unter den Expert:innen herrschte Einigkeit darüber, dass
Österreich beim Thema Krebsfrüherkennung großes Potenzial ungenutzt
lässt. Strukturierte Screeningprogramme, eine stärkere Einbindung von
Haus- und Fachärzt:innen sowie niedrigschwellige, persönliche
Aktivierung sind entscheidend, um Diagnosen früher zu stellen und
Therapien gezielter einzusetzen. Früherkennung bedeutet mehr als
Statistik: Sie eröffnet die Chance auf Heilung, auf längeres Leben –
und auf mehr Lebensqualität. Wenn Wissen, solide
Früherkennungsprogramme und medizinische Innovation zusammenwirken,
kann Krebs künftig früher erkannt und besser kontrolliert werden. Der
Weg dorthin ist bekannt. Jetzt gilt es, ihn konsequent zu gehen.
Zwtl.: Weiterführende Informationen:
– Karl Landsteiner Institut für Lungenforschung und pneumologische
Onkologie https://www.karl-landsteiner.at/institute-
lungenforschung_pneumologische_onkologie.html
– Future Health Lab: https://www.futurehealthlab.at
– „Onkologie mit Mut“ / „OnkoSphäre“ (eine Initiative von AstraZeneca
Oncology Österreich) www.onkologie-mit-mut.at
– European Patients‘ Academy on Therapeutic Innovation / EUPATI:
https://eupati.eu
1.SEER. Cancer Stat Facts: Lung and Bronchus Cancer. URL:
https://seer.cancer.gov/statfacts/html/lungb.html
2.Statistik Austria (2025): Überlebenschancen nach Krebsdiagnose
steigen weiter. 63 % aller Erkrankten sind fünf Jahre nach der
Diagnose noch am Leben.
https://www.statistik.at/fileadmin/announcement/2025/01/20250123Kreb-
sstatistik.pdf
3.De Koning et al. (2020): Reduced Lung-Cancer Mortality with
Volume CT Screening in a Randomized Trial. URL:
https://www.nejm.org/doi/full/10.1056/NEJMoa1911793
4.Neoadjuvant: Behandlung vor der Haupttherapie/Adjuvant:
Behandlung nach der Haupttherapie.
Weitere Bilder in der APA-Fotogalerie