AIT-Forschung zu „Making“: Zugang für alle schaffen

Wien (OTS) – Wer ist eigentlich alles ein „Maker“ und wer nicht?
„Making“, das
kreative Selber-Machen mit neuen Technologien und unterschiedlichen
Methoden und Materialien, hat viele Vorteile und sollte eigentlich
alle Menschen adressieren. Es bietet somit auch Platz für neue
Technologie-Erfahrungen – daher könnten alle Menschen „Maker“ sein.
Wie das realistisch erreichbar ist, haben Forscherinnen des AIT
Center for Technology Experience gemeinsam mit der Universität
Salzburg, dem Happylab (größtes Makerlab Österreichs in Wien-
Leopoldstadt) und Mz* Baltazar‘s Laboratory im FFG-Projekt All*Makers
* untersucht.

„Making“ bietet viele Vorteile: Es bietet ein haptisches
Lernerlebnis mit sichtbarem Erfolgs-Ergebnis, die Kreativität wird
gefördert und die Technologie- und Problemlösungskompetenz steigt und
Dinge werden im Sinne der Nachhaltigkeit repariert oder neu verwertet
– lauter Faktoren, die von der Wirtschaft dringlich eingefordert
werden – insbesondere die kreative kritische Problemlösungskompetenz
ist hier sehr gefragt.

Making ist ein breites Feld, das von Elektronik, 3D Druck,
Holzbearbeitung und Robotik bis hin zum Einsatz von Mini-Computern
wie dem Raspberry Pi oder dem micro:bit reicht. Vielfach haben sich
„Maker-Faires“ in vielen Städten etabliert, die auch die Maker-
Community zusammenführen. Doch das Publikum der Maker-Faires ist
vielfach männlich dominiert und klassisch wird technologisches Machen
wie auch der „Do-it-yourself“ Markt mit Männern assoziiert. Frauen
verstehen sich selbst vielfach nicht als „Maker“, haben die
Forscher:innen festgestellt, obwohl viele von ihnen durchaus gerne
technologienah basteln. Woran das liegt und wie sich das ändern
lässt, an dieser Frage haben die Forscher:innen gearbeitet.

Dabei setzt die Forschungsgruppe auf einen innovativen Ansatz.
Katrin Kober von der Universität Salzburg dazu: „Wir ändern die
Perspektive und untersuchen die Frage des Zugangs zu Technologien
ausgehend von den Dingen selbst. Wie prägen Tools die Interaktion
zwischen Mensch und Maschine und in weiterer Folge auch zwischen den
verschiedenen Nutzer:innen? Und wie gelingt es, dadurch Menschen zu
erreichen, die sich noch nicht als „Maker“ fühlen?“

Zwtl.: Making ist vielfältig und hat viel positives Potenzial

Anhand von „Maker“ Profilen zeigten die Forscher:innen, wie
vielfältig „Making“ tatsächlich gelebt wird – vom Hightech Profi bis
hin zum Reparatur-Fan. Nicht die die Wahl der Technologie ist
entscheidend, sondern die Qualität der Beziehung und der Kontext
spielen eine Rolle: die angebotene Maschinen, die räumliche
Gestaltung, der Kommunikationsstil von Tutor:innen und nicht zuletzt
das Verhalten anderer „Maker“ bestimmen maßgeblich mit, ob sich
Menschen auf eine Lern- und Schaffensreise mit digitalen Technologien
begeben.

Einige frühere Studien haben bereits nachgewiesen, dass nicht nur
Frauen, sondern auch Personen mit Migrationshintergrund oder
bildungsbenachteiligten Lebenshintergrund beim „Making“ deutlich
unterrepräsentiert sind und sich nicht als „Maker“ sehen. Das sollte
sich dringend ändern, so die klare Empfehlung des Forschungsteams.
Die Botschaft der Forscher:innen lautet: Making ist für alle da und
Makerspaces können sehr positive Orte sein wo Ideen wachsen,
Kreativität viel Raum erfährt, wo die Grenzen zwischen angreifbarem
und digitalem Arbeiten durchlässig werden und neue Gemeinschaften
entstehen – wenn Offenheit und Achtsamkeit den Umgang miteinander
prägen.

„Making ist in Maker Labs oder Makerspaces nach wie vor von
männlichen Besuchern geprägt und in Stereotypen verhaftet. Um das zu
ändern und neue Zielgruppen für Making zu motivieren, müssen wir
weiter an der Bewusstseinsbildung arbeiten. Wir haben im Projekt
beispielsweise ein Quiz entwickelt, das eine spielerische Reflexion
mit dem Selbstbild als Maker:in ermöglicht“, stellt AIT-Forscher
Georg Regal fest.

Um weitere Gruppen zu erreichen und Making auch an anderen Orten
zu ermöglichen, wurde vergangenen November das neue FFG-
Forschungsprojekt Pop*Up gestartet. Bei Pop*Up ( P laces O f P
ossibility. U nfolding P otentials of Making for Diversity) sind als
Partner das AIT Austrian Institute of Technology/Center for
Technology Experience (Leitung), die Universität Salzburg/Fachbereich
Artificial Intelligence and Human Interfaces, das Happylab, The Cool
Tool (Spezialist für Maschinen und Produkte für den Bereich
technische Bildung) und Wunderwuzzi Roboter (Anbieter von Roboter-
Selbstbaukursen und Vertrieb von Kursmaterialien) beteiligt. Studien
belegen, dass erste Interessensverluste an Technik und Wissenschaften
bei Kindern, insbesondere bei Mädchen schon frühzeitig im Alter
zwischen 8 und 14 Jahren auftreten.

Zwtl.: Mobile Makerspaces für diversitätssensible MINT-Bildung

„Die Idee ist daher ein ortsungebundener, mobiler und langfristig
angelegter Ansatz: durch einen mobilen Pop*Up Makerspace MINT-
Kompetenzen (MINT: Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften,
Technik) bei Kindern zu fördern“, erklärt Georg Regal. Der mobile
Makerspace soll einen flexiblen Lernraum schaffen – jenseits
klassischer Bildungseinrichtungen. Der mobile Makerspace kann
außerdem gezielt auch in strukturschwachen Regionen und Orten mit
geringer MINT-Infrastruktur eingesetzt werden. „Wir wollen damit
einen nachhaltig und sozial gerechten Raum für MINT-Bildung schaffen,
der flexibel gestaltet ist und Jugendliche dort erreicht, wo sie sich
aufhalten – in Schulen und Jugendzentren“, so Regal.

Neben der Entwicklung und Evaluierung der mobilen Makerspaces ist
im Projekt auch die Entwicklung neuer Vermittlungsformate geplant,
die einen neuen Zugang zu Making für diverse Zielgruppen ermöglichen
sollen. Auch die intersektionale Perspektive (Geschlecht und soziale
Schicht) wird hier berücksichtigt. Aktuell ist das Forschungsteam mit
der Erhebung von Anforderungen gemeinsam mit Jugendlichen und
diversen Stakeholdern (Lehrkräfte, Mitarbeitende aus Makerspaces,
Lehrlings-Ausbildungs-Verantwortliche, Betreuer:innen von
Jugendzentren etc.) und der Konzept-Erstellung beschäftigt. Nach
dieser Analyse erfolgt auch die Auswahl der Werkzeuge, Maschinen und
Technologien, die im mobilen Makerspace zum Einsatz kommen sollen.
Dazu werden auch Materialien und Unterlagen für die
diversitätssensible Vermittlung vom Projekt-Team erarbeitet. Die
Fertigstellung des ersten Prototyps für den mobilen Makerspace ist
für Ende 2026 geplant.

Über das AIT Austrian Institute of Technology

Über das AIT Center for Technology Experience

Über die Abteilung Human-Computer Interaction (HCI) an der
Universität Salzburg