Frankfurt (OTS) – Frankfurt (ots)
– Wirtschaftsausblick konstruktiv – Rückenwind durch Staatsausgaben
– Inflation bleibt Schlüsselrisiko – Fed plant zwei weitere
Zinssenkungen
– Historische Analyse zeigt: Dividendentitel und defensive Sektoren
boten bei Dotcom-Blase und Finanzkrise Stabilität
In den vergangenen zwölf Monaten erlebten die Aktienmärkte eine
„Bad-Quality-Rally“: Zyklische Aktien mit geringer Qualität liefen
stark, während qualitativ hochwertige Titel schlechter abschnitten.
„Besonders nach dem April 2025 hat sich dieser Trend verstärkt“,
erklärt Tilmann Galler , Kapitalmarktstratege bei J.P. Morgan Asset
Management, bei der Vorstellung des Guide to the Markets für das
erste Quartal 2026. Doch der Bullenmarkt geht nun ins vierte Jahr,
und die Bewertungen liegen am oberen Ende des historischen Spektrums.
„Wenn der Bullenmarkt ermüdet, steigt das Risiko für Anleger, von
Rückschlägen betroffen zu sein“, warnt Galler.
Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen blieben zwar konstruktiv,
doch Inflationsrisiken würden steigen. Eine breitere Diversifikation
könnte helfen, sich gegen mögliche Rückschläge zu wappnen. Aus seiner
Sicht sollten Anlegeinnen und Anleger verstärkt auf Qualität setzen –
Unternehmen mit stabilen Bilanzen und verlässlichen Ausschüttungen.
Chancen sieht er bei europäischen Aktien, China Tech und Emerging-
Markets-Anleihen. Alternative Anlagen mit Fokus auf Infrastruktur und
Transport dienten zudem gut als Inflationsschutz.
Inflation als Schlüsselrisiko – Geldpolitik bleibt unterstützend
„Inflation ist das Schlüsselrisiko für dieses Jahr“, sagt Tilmann
Galler. Die Kerninflation in den USA lag im November 2025 bei 2,7
Prozent und damit deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel der Fed. Die
angekündigten Zölle der neuen US-Regierung dürften zusätzlichen
Inflationsdruck erzeugen. „Eine der Lehren aus den Jahren 2021 und
2022 lautet: Notenbanken allein können keine Inflation schaffen, aber
Staaten schon“, stellt Tilmann Galler fest. Gerade wenn es viel
staatlich induzierte Nachfrage gebe, wirke dies inflationssteigernd.
In den USA ist mit weiterem fiskalischem Stimulus zu rechnen. Mit
Blick auf die Midterm-Wahlen im November 2026 kündigte US-Präsident
Trump beispielsweise bereits an, Einnahmen aus seiner Zollpolitik als
Schecks an die Bevölkerung zu verteilen. Rund 2.000 Dollar könnten
dabei an jeden Haushalt mit geringerem Einkommen ausgeschüttet werden
– insgesamt ein Volumen von etwa 150 Milliarden Dollar. Der
Arbeitsmarkt zeigt derweil erste Schwächezeichen: Die
Arbeitslosenquote stieg im November auf 4,6 Prozent, und damit den
höchsten Wert seit vier Jahren.
Auch sei von den Märkten eingepreist, dass die Fed 2026 noch zwei
Zinssenkungen vornehme. Die US-Notenbank Federal Reserve bleibt 2026
laut Tilmann Galler weiter im Fokus, auch da einige personelle
Veränderungen anstünden; unter anderem endet im Mai die Amtszeit von
Jerome Powell. So geht der Ökonom davon aus, dass Notenbanken eine
etwas höhere Inflation tolerieren dürften, solange das Lohnwachstum
im Rahmen bliebe.
In Europa lag die Kerninflation im Dezember bei 2,3 Prozent und
zuletzt bei 2,0 Prozent – das Zinsniveau dürfte nach Meinung von
Tilmann Galler in diesem Jahr stabil bleiben.
Fiskalpolitik und Tech-Investitionen stützen Wachstum
Die expansive Fiskalpolitik stützt nach wie vor das Wachstum in
vielen Regionen weltweit: in Deutschland dürfte sich das 800-
Milliarden-Euro-Infrastrukturprogramm bemerkbar machen, viele
europäische Länder profitierten vom EU-Wiederaufbaufonds, und auch in
China ist mit mehr fiskalischem Stimulus zu rechnen. Laut Tilmann
Galler haben die USA bei diesen Investitionsausgaben allerdings ihr
Pulver allmählich verschossen.
Auch werden diese fiskalpolitischen Ausgaben von den gewaltigen
Investitionen in Technologie und KI fast überlagert. „Die jetzigen
Investitionsvorhaben sind ähnlich hoch wie frühere technologische
Revolutionen zusammengenommen“, erklärt Galler. Er sieht 2025 als ein
Wendejahr, weil US-Hyperscaler erstmals auch Fremdkapital aufnahmen,
um Investitionen zu stemmen. „Es wird sich zeigen, ob sich die
gewaltigen Investitionssummen rechnen werden“, so der Stratege.
Was Historie über einbrechende Bullenmärkte lehrt
Mit Blick auf einen möglichen Einbruch beim derzeit laufenden
Bullenmarkt hat J.P. Morgan Asset Management analysiert, welche
Sektoren bei zwei der größten Marktkorrekturen der vergangenen 25
Jahre Stabilität boten: beim Platzen der Dotcom-Blase (2000-2002) und
während der Finanzkrise (2007-2009). Das Ergebnis: Während bei der
Dotcom-Krise Tech-Aktien massiv einbrachen, hielten sich defensive
Sektoren deutlich besser. „Dividendentitel mit hohen
Dividendenrenditen zeigten in beiden Krisen deutlich geringere
Verluste als der Gesamtmarkt“, betont Galler. Auch defensive Sektoren
wie Gesundheit und Basiskonsumgüter zeigten relative Stabilität. „Die
historischen Daten belegen: In Stressphasen bieten Qualität,
Dividenden und defensive Positionierung Schutz“, fasst Galler
zusammen.
In den letzten zwölf Monaten erlebte man allerdings eine „Bad-
Quality-Rally“, bei der zyklische Aktien mit geringer Qualität stark
liefen. „Der Bewertungs-Spread zu qualitativ höherwertigen Aktien ist
eng geworden“, sagt Galler. Während Qualitätsaktien vor allem seit
April 2025 deutlich schlechter performt haben, könnten sie sich in
diesem Jahr deutlich chancenreicher entwickeln. Zyklische Aktien hält
Galler dagegen für teuer.
Die Aktienbewertungen liegen laut Galler insgesamt am oberen Ende
des historischen Spektrums. Für globale Aktien liegt das KGV
beispielsweise über 20. „Eine hohe Bewertung ist aber noch kein
Verkaufssignal“, erklärt Tilmann Galler. Solange der Gewinnausblick
konstruktiv sei und Unternehmen ihre Gewinne steigern könnten,
blieben die Aussichten positiv.
Chancen bei europäischen Aktien, China Tech, Small Caps sowie
Emerging-Markets-Anleihen
In Europa sieht Tilmann Galler vor allem Chancen bei
Wachstumswerten, den sogenannten „Granolas“ als Europas Antwort auf
Big-Tech. Auch beim Finanzsektor in Europa sieht Galler weiteres
Aufholpotenzial. Ebenso bestehe bei China Tech Potenzial.
„Chinesische Ressourcen werden massiv im KI-Sektor konzentriert. Es
findet ein enormer Boom beim Aufbau von Rechenzentren statt“, erklärt
Galler. Die Wachstums- und Tech-Werte in China hätten aber noch nicht
das Bewertungsniveau wie in den USA.
Bei Small Caps sieht Galler ebenfalls noch Chancen. „Die Small
Cap-Bewertungen sind relativ günstig und könnten eine gewisse
zyklische Option gegenüber dem teuren Large-Cap-Bereich sein“, so
Galler.
Anleihen sollten aus Sicht des Ökonomen künftig einen wichtigeren
Platz im Portfolio haben. „Der Tech-Bereich ist im Bond-Segment viel
weniger vertreten als bei Aktien“, erklärt Galler. Eine Tech-Krise
könnte sich ähnlich wie die Dotcom-Krise auf dem Bond-Markt äußern.
Damals haben zehnjährige Anleihen eine Performance von 29 Prozent
erzielt und dadurch Rückgänge bei Aktien kompensiert.
Für besonders interessant hält Tilmann Galler Emerging-Markets-
Anleihen. Diese würden von niedrigeren US-Zinsen und hohen lokalen
Realzinsen unterstützt. Emerging-Markets-Anleihen hätten sogar die
Nase etwas vor Emerging-Markets-Aktien, wo der Kurs-Buchwert am
oberen Ende liegt.
Alternative Anlagen: Infrastruktur und Transport als
Inflationsschutz, Gold teuer
Wenn es inflationär werde, wird laut dem Kapitalmarktexperten
eine Diversifikation in Richtung Private Markets für das Portfolio
umso sinnvoller. „Infrastruktur und Transport konnten in früheren
Jahren Schutz vor Inflation bieten“, erklärt Galler. Private Equity
böte zudem die Chance auf Zugang zum Tech-Bereich: „Firmen wie OpenAI
oder Anthropic sind nicht an der Börse notiert, sondern in privater
Hand. Über Private Markets lässt sich also auch Zugang zu den
zukünftigen Gewinnern des KI-Booms erschließen.“ Über European Long-
Term Investment Funds (ELTIFs) besteht nun auch für Privatanleger ein
regulierter Zugang zu den Private Markets.
Gold hält Galler für sehr risikobehaftet. „Gold hatte ein
exzellentes Jahr, aber das Preisschild ist relativ hoch“, sagt
Galler. Die Schmuckindustrie beispielsweise frage inzwischen weniger
nach aufgrund des hohen Preises.
Als Fazit zieht Tilmann Galler: „Wir haben ein konstruktives
Umfeld, aber teilweise sehr hohe Bewertungen. Daher sollten hoch
bewertete Segmente weniger im Fokus stehen.“ Anleihen böten weiterhin
Schutz und könnten eine mögliche Tech-Krise abfedern, alternative
Anlagen könnten vor allem Inflationsschutz bieten. Aktive
Diversifikation bleibt daher unerlässlich.
Die Aufzeichnung der Webkonferenz zum Guide to the Markets für
das 1. Quartal 2026 ist hier zu finden.
Tilmann Galler , Managing Director, CEFA/CFA, arbeitet als
globaler Kapitalmarktstratege für die deutschsprachigen Länder bei
J.P. Morgan Asset Management in Frankfurt. Als Teil des globalen
„Market Insights“-Teams erstellt und analysiert er auf Basis von
umfangreichem Research Informationen rund um die globalen
Finanzmärkte und leitet Implikationen für Investmentstrategien ab. Er
verfügt über mehr als 20 Jahre Berufserfahrung in der Finanzbranche
und war zuvor unter anderem auch als Portfolio Manager tätig.
www.jpmorganassetmanagement.de/deu/marketinsights
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Potenzial der Diversifizierung auszuschöpfen und das
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Anleger über alle Marktzyklen hinweg ihre Anlageziele erreichen.