Wien (OTS) – In der fünften Verhandlungsrunde für die 130.000
Beschäftigten im
privaten Gesundheits-, Sozial- und Pflegebereich (Sozialwirtschaft)
konnten die Gewerkschaften GPA und vida nach 17 Verhandlungsstunden
einen Abschluss erzielen. Die Gehälter und Löhne steigen ab April
2026 um 2,6 Prozent, ab Jänner 2027 um mindestens 2,3 Prozent,
abhängig von der Inflationsrate. Dazu wurde ein umfangreiches
Rahmenrechtspaket vereinbart. ++++
Die für Mittwoch bis Freitag anberaumten österreichweiten Streiks
sind angesichts des Abschlusses abgesagt. Der Abschluss im Detail:
Ab April 2026:
– Die kollektivverträglichen Gehälter und Löhne steigen um 2,6
Prozent, die IST-Gehälter und -Löhne um 2,4 Prozent. Zuschläge,
Zulagen und Lehrlingsentgelte steigen ebenfalls um 2,6 Prozent.
– Rahmenrechtlich wird ein Recht auf Aufstocken bei kontinuierlicher
Mehrarbeit vereinbart. Für Eltern von Kindern mit Behinderung gibt es
eine ausgebaute Pflegefreistellung, Zivildienst und Präsenzdienst
werden als Vordienstzeiten anerkannt und die Altersteilzeit wird den
neuen gesetzlichen Regelungen angepasst.
Ab Jänner 2027
– Die kollektivvertraglichen Gehälter und Löhne steigen abhängig von
der Inflation um mindestens 2,3 Prozent. Steigt die Inflation auf
mehr als 2,3 Prozent, so wird die Differenz zur Hälfte abgegolten.
Die maximale Steigerung der Gehälter und Löhne beträgt 2,5 Prozent.
Die gleiche Regelung wird auf Zuschläge, Zulagen und
Lehrlingsentgelte angewandt. Die IST-Gehälter und -Löhne steigen in
jedem Fall um 2,3 Prozent.
– Für geteilte Dienste muss es künftig eine Betriebsvereinbarung
geben, wenn ein Betriebsrat vorhanden ist. Dadurch können bessere
Regelungen im Betrieb vereinbart werden. Außerdem wird Mehrarbeit
besser entlohnt.
– Der Zusatzkollektivvertrag für die Weiterführung des
Pflegezuschusses wird abgeschlossen.
Zusätzlich wurde eine bessere Einstufung eines Teils der
Behindertenfachkräfte sowie der Kindergartenhelfer:innen vereinbart.
Eva Scherz, Verhandlerin für die Gewerkschaft GPA, sagt: „Dieser
Abschluss bietet gute Fortschritte im Rahmenrecht, ist auf der
Einkommensseite aber ein harter Kompromiss. Ohne die starke
Mobilisierung in zwei Streikrunden wäre kein Abschluss möglich
gewesen. Im kommenden Jahr sichert der Abschluss die Kaufkraft. Die
Verbesserungen besonders für Teilzeitbeschäftigte und bestimmte
Berufsgruppen wirken bereits heuer. Der Zweijahresabschluss deckt die
Zeit der knappen öffentlichen Haushalte ab, danach kommen Abschlüsse
unter der Inflationsrate nicht infrage.“
„Wir bedanken uns bei den tausenden Beschäftigten, die mit ihrem
Engagement in Betriebsversammlungen und Streiks nach fünf
Verhandlungsrunden endlich Bewegung bei den Arbeitgebern erzeugen
konnten. Das gewerkschaftliche Verhandlungsteam erachtete die
Möglichkeiten der Arbeitgeber als ausgeschöpft. Angesichts der
wirtschaftlichen Situation ist dieser Abschluss das Maximum, das
erreicht werden konnte“, sagt Michaela Guglberger, Verhandlerin für
die vida.