Pflege braucht Nähe: Gemeinden sind starke Partner für ein gutes Leben im Alter

Wien (OTS) – Österreich wird älter. Damit wächst die Aufgabe, ein
gutes Leben im
Alter so zu organisieren, dass Menschen möglichst lange in ihrer
vertrauten Umgebung bleiben können: selbstbestimmt, sicher und
eingebunden. Die Gemeinden sind dabei ein zentraler Partner – als
erste Anlaufstelle, als Koordinatoren im Alltag und als Ort, an dem
Unterstützung sichtbar und erreichbar wird. Der Österreichische
Gemeindebund hat dazu ein aktuelles Lagebild erhoben: 249
Rückmeldungen aus Gemeinden (16. Dezember 2025 bis 16. Jänner 2026)
zeigen ein klares Stimmungsbild und benennen jene Stellschrauben, die
in der Praxis am meisten bewirken.

„Pflege ist für Gemeinden kein Randthema. Sie entscheidet über
Lebensqualität, Teilhabe und darüber, ob Menschen in ihrer vertrauten
Umgebung, in ihrer Heimat, bleiben können. Wir sind nahe bei den
Menschen – deshalb wissen wir, was sie brauchen und wo Unterstützung
im Alltag ankommen muss. Wir müssen uns fit machen für das, was auf
uns zukommt. Die Umfrage zeigt ein klares Stimmungsbild und liefert
eine solide Grundlage, um die kommunale Pflegestrategie jetzt
gemeinsam weiterzuentwickeln“, betont Gemeindebund-Präsident Hannes
Pressl.

Was Gemeinden als entscheidend sehen

Die Gemeinden reihen als wichtigste Faktoren für ein gutes Leben
im Alter: medizinisch/pflegerische Versorgung an erster Stelle,
gefolgt von sozialer Teilhabe, barrierefreien Wohn- und Lebensräumen,
Unterstützung für Angehörige sowie Mobilität und Erreichbarkeit.
Viele Rückmeldungen verweisen zudem auf bereits vorhandene
Strukturen: Genannt werden u. a. mobile Pflege- und Betreuungsdienste
(88,7 %), Gemeinschafts-/Freizeitangebote (87,1 %) und
Alltagsunterstützung wie Essen auf Rädern (84,7 %).

Übergänge und passende Strukturen

Die größten Lücken sehen die Umfrage-Teilnehmer dort, wo
Übergänge zu einem unterstützten Leben im Alter organisiert und
abgesichert werden müssen: 69,0 % nennen fehlende Kurzzeit-
/Übergangspflege, 56,9 % fehlende alternative Wohnformen. Auch
Mobilitätsangebote sind vielerorts noch nicht ausreichend verankert.

Wo jeder Euro am meisten Wirkung erzielt

Aus den Rückmeldungen lässt sich auch ableiten, wo Investitionen
besonders schnell spürbar werden: Kurzzeit- und Tagespflege wirken
als notwendiger Systempuffer, der Angehörige entlastet und Pflege zu
Hause stabil hält. Wohnformen und Barrierefreiheit oder auch
Tagesbetreuungsstätten sind praktische Pflegeprävention, weil sie den
abrupten „Sturz in den Pflegebedarf“ verhindern. Mobilität ist der
Zugangsschlüssel – ohne Rufbus oder Seniorentaxi bleiben Angebote zu
oft am Papier. Dazu braucht es Orientierung im Pflegesystem: eine
Ansprechstelle, die Betroffene und Angehörige durch eine
nachvollziehbare „Pflege-Kaskade“ führt – von Information und
Beratung bis zur passenden Leistung. Und klar ist auch: Ohne
Planbarkeit in Finanzierung und Förderung lassen sich erfolgreiche
Modelle nicht in die Fläche bringen.

Nach dem Pflege-Dialog am 22. Jänner – Kommunale Pflegestrategie
bis März

Die Ergebnisse der Umfrage fließen in die Diskussion der Tagung
zu Vorsorge und Pflege am Donnerstag, 22. Jänner 2026 von 10-14 Uhr
ein. Dort kommen Wissenschaft und kommunale Praxis zusammen und
diskutieren, was in Gemeinden bereits machbar ist – und was künftig
notwendig wird: von Nachbarschaftshilfe und Mobilität im Alter über
Community Nursing bis zur Tagesbetreuung, auch in überregionalen
Kooperationen. Ziel ist es, aus Beispielen und Erkenntnissen
Handlungsanleitungen abzuleiten, die in ein Positionspapier des
Gemeindebundes zur kommunalen Pflegestrategie einfließen und im März
2026 dem Bundesvorstand vorgelegt werden soll.

Mehr Infos zu den „Pflege-Gesprächen“ des Gemeindebundes:
https://gemeindebund.at/termine/pflege-gesprache-teil-2-am-22-janner-
2026/