Wien (OTS) – Neue Zölle sowie spürbare Veränderungen in der US-Außen-
und
Innenpolitik sorgen auch in der österreichischen Wirtschaft für
Unsicherheiten. Anlässlich des ersten Jahrestags der Inauguration des
US-Präsidenten rückt die AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA der
Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) mit dem North America Day die
Auswirkungen auf österreichische Unternehmen, die in die USA, Kanada
und Mexiko exportieren oder vor Ort tätig sind, in den Fokus.
„Die aktuellen geopolitischen und handelspolitischen
Entwicklungen erhöhen die Komplexität für exportorientierte
Unternehmen deutlich. Gerade in einem so fordernden Marktumfeld wie
Nordamerika brauchen Betriebe verlässliche Informationen, fundierte
Marktkenntnis und eine starke Unterstützung vor Ort. Dabei können sie
sich auf das starke Netzwerk der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA verlassen“,
betont WKÖ-Vizepräsidentin Angelika Sery-Froschauer im Vorfeld des
North America Day.
Unbestritten ist die wirtschaftliche Bedeutung: Die drei großen
nordamerikanischen Staaten erwirtschaften zusammen mit mehr als 33
Billionen US-Dollar etwa ein Viertel der globalen
Wirtschaftsleistung. Wie sich die Wachstumsaussichten entwickeln,
hängt davon ab, wie schnell sich Unternehmen und Konsument:innen an
ein Umfeld aus höheren Handelskosten bzw. Unsicherheit, restriktiven
Finanzierungsbedingungen und einer weniger berechenbaren
Industriepolitik anpassen.
Maschinen, Fahrzeuge, Chemieprodukte wichtigste Exportprodukte
In den vergangenen zehn Jahren stiegen die heimischen
Warenausfuhren nach Nordamerika um 108 Prozent auf 19,6 Mrd. Euro (
2024). Mit einem Exportvolumen von 16,2 Mrd. Euro waren die USA
Österreichs zweitwichtigster Exportmarkt.
„Die USA bleiben schon aufgrund ihrer Größe ein wichtiger Markt
für österreichische Unternehmen. Generell muss der riesige Markt
differenziert betrachtet werden, einzelne Bundesstaaten unterscheiden
sich bei den Rahmenbedingungen für Unternehmen erheblich“, erklärt
der WKÖ-Wirtschaftsdelegierte in New York, Peter Hasslacher.
Auch Mexiko und Kanada haben sich als wichtige Destinationen für
„Made in Austria“ entwickelt. Mit einem Exportvolumen von 1,8 bzw.
1,6 Mrd. Euro zählen beide Staaten zu den Top 5-Überseemärkten. Zudem
erwirtschaftet Österreich mit allen drei Ländern
Handelsbilanzüberschüsse. Das unterstreicht Nordamerikas Bedeutung
als Absatzmarkt für hochwertige österreichische Produkte, zugleich
aber auch die potenzielle Exponiertheit bei neuen Handelsbarrieren.
Die wirtschaftliche Unsicherheit spiegelt sich bei den Exporten
wider: In den ersten zehn Monaten 2025 gingen die Ausfuhren in die
USA um mehr als 20 Prozent bzw. rund 2,8 Mrd. Euro zurück.
Gleichzeitig legten die Ausfuhren nach Kanada um sieben Prozent zu,
während jene nach Mexiko leicht um zwei Prozent nachgaben. Als
Erfolgsgeschichte hat sich das CETA-Abkommen der EU mit Kanada
bewährt. Umso wichtiger wäre es, dass das modernisierte EU-Mexiko-
Abkommen rasch ratifiziert wird.
„Das Handelsabkommen mit Kanada hat bisher nur positive Effekte
für Österreich gebracht. Besonders stark profitieren beispielsweise
Lebensmittelprodukte aus Österreich“, sagt WKÖ-Wirtschaftsdelegierter
in Toronto Gregor Postl.
Österreichs wichtigste Exportprodukte in den drei großen
Volkswirtschaften Nordamerikas sind mit Abstand Maschinen und
Fahrzeuge, gefolgt von Chemieprodukten. Gleichzeitig zeigt sich, dass
gerade in diesen Sektoren noch ein erhebliches Exportpotenzial
besteht. Allein bei Maschinen beträgt es etwa 2,7 Mrd. Euro, wovon
rund 2,1 Mrd. Euro nur auf den US-Markt entfallen. Insgesamt beläuft
sich das noch nutzbare Exportpotenzial in den drei Staaten auf 11,9
Mrd. Euro.
„Mexiko entwickelt sich zunehmend zu einem strategischen
Produktions- und Absatzstandort für österreichische Unternehmen.
Besonders in industrie- und technologielastigen Branchen bietet der
Markt attraktive Bedingungen und dient zugleich als Brücke in den
nordamerikanischen Wirtschaftsraum“, erklärt die WKÖ-
Wirtschaftsdelegierte in Mexiko-Stadt, Nella Hengstler.
Austro-Niederlassungen blicken vorsichtig optimistisch auf 2026
Die österreichischen Niederlassungen in den USA, Kanada und
Mexiko starten mit vorsichtigem Optimismus ins Jahr 2026, wie eine
Umfrage der AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA zeigt. Obwohl knapp zwei Drittel
die wirtschaftliche Entwicklung im Jahr 2025 rückblickend negativ
bewerten, blickt die Mehrheit der Unternehmen zuversichtlich auf die
kommenden zwölf Monate und rechnet mit einer stabilen oder besseren
Wirtschaftslage. Rund 89 Prozent erwarten steigende oder zumindest
konstante Umsätze.
Vor dem Hintergrund des unsicheren Umfelds verzeichnet die
AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA eine hohe Nachfrage an ihren Beratungs- und
Serviceleistungen. Im Vorjahr nutzten heimische Betriebe in rund
4.000 individuellen Beratungsgesprächen die Expertise der
AUSSENWIRTSCHAFT AUSTRIA in den AußenwirtschaftsCentern in
Nordamerika. Zudem nahmen rund 5.000 Teilnehmer:innen aus
österreichischen Unternehmen an Informations- und
Vernetzungsangeboten bei Veranstaltungen und Webinaren teil.
Ein wichtiger Bestandteil des North America Day für die
Teilnehmer:innen ist die Beratung mit den WKÖ-Wirtschaftsdelegierten
aus New York, Washington, San Francisco, Toronto und Mexiko-Stadt.
Derzeit sind vor allem Informationen zu Zoll, Steuern, rechtlichen
Rahmenbedingungen und Markteintritt nachgefragt. (PWK024/ST)
Auf der Plattform „Global Insights“ (
www.wko.at/aussenwirtschaft/global-insights ) bietet die WKÖ zudem
kompakte Analysen, anschauliche Grafiken und Kennzahlen zu
geopolitischen Trends, konjunkturellen Entwicklungen und der
Außenwirtschaft. Eine aktuelle Analyse des nordamerikanischen Raums
finden Sie hier: www.wko.at/aussenwirtschaft/global-insights-
nordamerika