Vertrauen im Kopf, Angst im Bauch

Baden (OTS) – Trotz hoher Lebensqualität und einem international
anerkannten
Sicherheitsniveau zeigt eine aktuelle repräsentative Studie von
Marketagent in Kooperation mit der FH Wiener Neustadt, Campus
Wieselburg, dass das subjektive Sicherheitsempfinden vieler
Österreicherinnen und Österreicher zunehmend ins Wanken gerät.
Während Einsatzorganisationen großes Vertrauen genießen, bröckelt es
im Alltag, in der Politik und im sozialen Miteinander. Das paradoxe
Ergebnis: In einem objektiv sicheren Land fühlen sich viele Menschen
dennoch unsicher.

Zwtl.: Fact Box:

Grundstimmung: 86% halten Österreich für ein sicheres Land.
Gleichzeitig macht sich eine Mehrheit Sorgen über Preissteigerungen,
Migration und Kriege.

Selbstwahrnehmung: Die Österreicher*innen beschreiben sich
überwiegend als handlungsfähig (72%) und gelassen (54%). Die
psychische Gesundheit (68%) wird etwas besser bewertet als die
körperliche (63%). Jüngere zeigen sich besorgter, unsicherer und
berichten eine weniger gute mental health.

Sicherheitsgefühl: Großer Unterschied zwischen Tag und Nacht: 9
von 10 fühlen sich bei Tag in der Wohngegend sicher, nur 70% in der
Nacht. Besonders Frauen, junge Menschen und Bewohner*innen großer
Städte fühlen sich in der Dunkelheit weniger sicher. 45% fühlen sich
heute unsicherer als vor 5 Jahren.

Vermeidungsverhalten: Die Top-Situationen, die aus
Sicherheitsgründen gemieden werden, sind per Anhalter fahren (59%),
Fremden die Tür öffnen (50%), Parks/ Grünanlagen bei Dunkelheit (46%)
, bestimmte Stadtteile (41%), nachts allein unterwegs sein (40%).
Gründe sind v. a.: Angst vor körperlicher Gewalt (52%), bestimmte
Personengruppen (50%) und allgemeines Unwohlsein (50%).

Angst vor Gewalttaten: Etwa jede*r Vierte hat sehr/eher große
Angst, Opfer eines körperlichen Angriffs zu werden. Jede*r Fünfte
fürchtet sich vor Einbruch, Raub oder Betrug (je 19%). Bei
sexualisierter Gewalt große Unterschiede hinsichtlich Geschlecht: 3
von 10 Frauen und sogar fast 6 von 10 jungen Frauen (14-29 Jahre)
haben Angst, Opfer von sexueller Belästigung bzw. Gewalt zu werden.

Vertrauen: 53% vertrauen Menschen immer (1,9%) bzw. normalerweise
(51%), 47% sagen, man kann im Umgang mit anderen Menschen nicht
vorsichtig genug sein. Rund 9 von 10 vertrauen der Feuerwehr (93%)
bzw. Rettung (89%), 71% der Polizei, nur 13% der Politik. Nur knapp
ein Viertel glaubt, dass andere Menschen ihnen in einer
Gefahrensituation helfen würden (23%).

Rolle der Medien: 48% nehmen (fast) täglich Berichte über
Kriminalität wahr. 29% machen diese Medienberichte eher unsicher, nur
9% fühlen sich dadurch sicherer. 74% denken, dass
Kriminalitätsberichte in den letzten Jahren zugenommen haben.

Zwtl.: Österreich gilt als sicher, doch Besorgnis wächst

86 Prozent der Befragten in der Marketagent-Studie halten
Österreich insgesamt für ein sicheres Land. Auch im persönlichen
Selbstbild überwiegen positive Attribute: 72 Prozent fühlen sich
handlungsfähig, 54 Prozent beschreiben sich als gelassen, 52% als
selbstsicher. Jeweils rund zwei Drittel bezeichnen ihren mentalen (68
%) bzw. körperlichen (63%) Gesundheitszustand als sehr oder eher gut.

Doch unter der Oberfläche zeigen sich Brüche: Besonders jüngere
Menschen berichten häufiger von Unsicherheit, Nervosität und Sorgen.
Auch die mentale Gesundheit fällt bei ihnen schlechter aus als bei
älteren Befragtengruppen. Und die großen Krisenthemen der Gegenwart
befeuern Gefühle der Verunsicherung. Steigende Lebenshaltungskosten (
60%), Migration (56%), Kriege (53%), politische (53%) und
wirtschaftliche Entwicklungen (51%) bereiten der Mehrheit der
Menschen in Österreich große Sorgen. Während das Land objektiv stabil
erscheint, spüren viele eine zunehmende Belastung im Alltag. Diese
Kluft zieht sich wie ein roter Faden durch die Ergebnisse.

„ Unsere Daten zeigen sehr deutlich: Österreich ist objektiv ein
sicheres Land, aber das subjektive Gefühl vieler Menschen driftet
davon ab. Was besonders auffällt: Gerade junge Menschen fühlen sich
im Alltag weniger sicher und mental stärker belastet. Sie wachsen in
einer Zeit multipler Krisen auf, was sich unmittelbar in ihrem
Sicherheitsgefühl widerspiegelt “, analysiert Marketagent-Founder
Thomas Schwabl .

Zwtl.: Zwischen Licht und Schatten

Besonders deutlich tritt die latente Verunsicherung beim Blick
auf das Sicherheitsempfinden im eigenen Wohnumfeld zutage. 9 von 10
Personen fühlen sich dort tagsüber sicher. Nachts sinkt dieser Wert
jedoch auf 70 Prozent, wobei sich nur 30 Prozent bei Dunkelheit „sehr
sicher“ fühlen. Am meisten Unsicherheit zeigen Frauen, junge Menschen
und Bewohnerinnen und Bewohner größerer Städte bzw. von Gegenden mit
überdurchschnittlichem Migrationsanteil. Insgesamt geben 45 Prozent
der Befragten an, sich heute weniger sicher zu fühlen als noch vor
fünf Jahren. Hinzu kommt, dass nur rund ein Drittel überzeugt ist,
sich im Ernstfall selbst gut schützen zu können (37%); Frauen (26%)
deutlich seltener als Männer (48%). Jede*r Dritte hat bereits
Situationen erlebt, in denen konkrete Schutzmaßnahmen notwendig
wurden.

Zwtl.: Vermeidungsverhalten: Wo Vorsicht den Alltag prägt

Viele Menschen ziehen aus ihrem Unsicherheitsgefühl konkrete
Konsequenzen. Gemieden werden vor allem jene Situationen, die als
unkontrollierbar oder potenziell bedrohlich gelten: Per Anhalter
fahren (59%), Fremden die Tür öffnen (51%) Parks/Grünanlagen bei
Dunkelheit (46%), bestimmte Stadtteile (41%) und nachts allein
unterwegs sein (40%).

Die Gründe für die Vermeidung dieser Situationen reichen von
Angst vor körperlicher Gewalt (52%) über Vorsicht gegenüber
bestimmten Personengruppen (50%) bis hin zu einem allgemeinen
Unwohlsein (50%).

Zwtl.: Angst vor Gewalt: 3 von 10 Frauen haben Angst vor sexuellen
Übergriffen

Bei der Frage, welche Formen von Gewalt am meisten Angst machen,
zeigt sich ein breites Spektrum an Sorgen: Rund jede*r Vierte hat
Angst, Opfer eines körperlichen Angriffs zu werden (23%), jeweils 19
Prozent fürchten Einbruch, Raub oder Betrug. Opfer von
Diskriminierung zu werden bereitet hingegen nur 9% Sorgen.

Beim Thema sexualisierte Gewalt treten markante Unterschiede
hervor: Etwa 3 von 10 weiblichen Befragten allgemein und fast 6 von
10 jungen Frauen (14-29 Jahre) im Speziellen berichten von Angst vor
sexueller Belästigung oder sexueller Gewalt. Zum Vergleich: Mit rund
5% teilt nur ein Bruchteil der männlichen Befragten diese Angst.

„ Diese deutliche Differenz unterstreicht, wie stark das
subjektive Sicherheitsgefühl von geschlechtsspezifischen und
generationellen Erfahrungen geprägt ist. Während Männer sexualisierte
Gewalt kaum als Bedrohung wahrnehmen, ist sie für viele Frauen,
insbesondere junge, ein ständiger Begleiter im Hinterkopf. Das
beeinflusst maßgeblich, wie frei und unbeschwert sie sich im
öffentlichen Raum bewegen “, erläutert Andrea Berger , Research &
Communications Manager bei Marketagent.

Zwtl.: Vertrauen: Hoch bei Einsatzorganisationen, niedrig bei Politik
und Mitmenschen

In puncto Vertrauen zeigen die Ergebnisse eine klare Hierarchie:
Einsatzorganisationen wie Feuerwehr (93%) und Rettung (89%) genießen
Spitzenwerte und werden als verlässliche Säulen wahrgenommen. Der
Polizei vertrauen immerhin noch 71 Prozent, der Justiz hingegen nur
jede*r Zweite (51%). Das traurige Schlusslicht des Rankings bildet
die Politik mit nur 13 Prozent Zustimmung.

Auch die Einschätzung der Mitmenschen fällt ambivalent aus:
Während 53 Prozent grundsätzlich Vertrauen in andere haben, sind 47
Prozent überzeugt, man könne „nie vorsichtig genug“ sein. Besonders
alarmierend ist jedoch, dass nur 23 Prozent darauf vertrauen, im
Notfall Hilfe von anderen zu bekommen. Dieses geringe Zutrauen in
Zivilcourage offenbart eine wachsende gesellschaftliche Distanz, die
dazu beiträgt, dass sich viele Menschen heute weniger sicher fühlen.

Zwtl.: Medien machen Menschen eher unsicher

Die Rolle der Medien erweist sich in der Umfrage als Verstärker
von Unsicherheit: 48 Prozent der Befragten nehmen (fast) täglich
Berichte über Kriminalität wahr. Fast 3 von 10 machen diese
Medienberichte eher unsicher, nur 9 Prozent fühlen sich dadurch
sicherer. Drei Viertel glauben, dass die
Kriminalitätsberichterstattung in den letzten Jahren zugenommen hat (
74%). Damit wird klar: Medien haben einen spürbaren Einfluss auf das
subjektive Sicherheitsgefühl und dieser Einfluss geht für viele in
eine negative Richtung.