„kulturMontag“: Kulturproteste zu Trumps zweiter Amtszeit, Julian Barnes’ finales Werk, Naked-Lunch-Comeback mit Album und Tour

Wien (OTS) – Der von Peter Schneeberger präsentierte „kulturMontag“
am 19. Jänner
2026 um 22.30 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON widmet sich u. a. dem von
Grenzüberschreitungen und Regelbrüchen geprägten ersten Jahr von
Donald Trumps zweiter Amtszeit sowie den Protesten, die sich in der
US-amerikanischen Kunst- und Kulturszene dagegen formieren. Weiters
befasst sich die Sendung mit dem neuen und voraussichtlich letzten
Buch des britischen Bestsellerautors Julian Barnes, der im Gespräch
mit ORF-Literaturexpertin Katja Gasser literarische wie persönliche
Bilanz zieht. Thema ist u. a. auch das Comeback der Kärntner Indiepop
-Band Naked Lunch, die nach zwölf Jahren Pause wieder ein Album
herausgebracht hat und damit auf Tournee geht. Anschließend an das
Kulturmagazin steht die Dokumentation „Petro-Melancholie – Das
Erdölzeitalter im Spiegel der Kunst“ (23.15 Uhr) auf dem Programm.

Ein Jahr voller Grenzüberschreitungen – Donald Trumps zweite
Amtszeit

Erst ein Jahr ist es her, dass Donald Trump wieder Präsident in
den USA und damit mächtigster Mann der Welt wurde. Venezuela,
Grönland, die Ukraine, der Iran sind ihm internationale Spielwiese;
Grenzüberschreitungen in Politik und Justiz, in Kultur, Bildung und
Medien sind Alltag in den USA. So werden Elite-Universitäten
finanziell unter Druck gesetzt, Medien mit Slapp-Klagen bedroht,
Institutionen wie das John F. Kennedy-Center in Washington in Trump-
Kennedy-Center umbenannt – der Name soll wohl Programm sein. Die
Washington Opera will nun aus dem Haus ausziehen. Die Sorge, dass die
USA sich in eine Autokratie verwandeln, wächst. Amerikanische
Intellektuelle haben sich längst gegen den selbsternannten König
Trump in Stellung gebracht, auch Hollywood-Stars und Kulturschaffende
gehören zu den lautesten Gegenstimmen. Im „kulturMontag“ meldet sich
die amerikanische Schriftstellerin Siri Hustvedt über den Widerstand
gegen Trump zu Wort. Und die gefragte deutsch-amerikanische
Transatlantik-Expertin Cathryn Clüver-Ashbrook analysiert das System
Trump und was Europa aus diesem Jahr lernen sollte. Denn, wie sie in
ihrem Buch „Der amerikanische Weckruf“ schreibt: „Was viele als Chaos
oder Einzelfälle abtaten, war in Wahrheit Teil einer langfristigen
Strategie – und genau das haben wir übersehen.“

Lebensbilanz eines Literaturgiganten – Das letzte Buch von Julian
Barnes

„Man sollte immer nur Bücher lesen, die sich gut auf dem
Nachttisch machen, falls man plötzlich und unerwartet stirbt“ – ein
Ratschlag des britischen Romanciers Julian Barnes, wie er leibt und
lebt: britischer Humor gepaart mit höchstpersönlicher, feiner Ironie
und philosophischem Unterton. Bücher von Barnes selbst wären
sicherlich passend für jeden Nachttisch, in jeder Lebensphase: Romane
wie „Flauberts Papagei“, „Eine Geschichte der Welt in zehneinhalb
Kapiteln“ oder „Vom Ende einer Geschichte“ machten ihn zum
Bestsellerautor und Booker-Prize-Träger. Mit seinem neuen Roman, der
just an seinem 80. Geburtstag international erscheint, feiert Barnes
zugleich auch Abschied. Denn es soll sein letztes Werk sein.
„Abschied(e)“ ist auch der Titel dieser Mischung aus Fiktion, Essay
und Autobiografie. Barnes lässt darin einen gefeierten Schriftsteller
nach einer möglicherweise todverheißenden Krebsdiagnose auf sein
Leben zurückblicken. Katja Gasser hat den Literaten in seinem Haus in
London zum Exklusiv-Interview getroffen – im Gespräch zieht er eine
literarische wie persönliche Bilanz. Denn er ist überzeugt, „dass
Literatur die beste Form ist, über das Leben nachzudenken, im Sinne
von: Wie leben wir, wie lieben wir, wie leiden wir, wie sterben wir.“

Viel Licht und a wengerl Tod – Naked Lunch wieder auf Tour

Zwölf Jahre mussten die Fans auf ein neues Album der Indiepop-
Institution Naked Lunch warten: Eben hat die Kärntner Band um Oliver
Welter „Lights (And a Slight Taste of Death)“ herausgebracht – jetzt
geht sie damit auf Tour. Dass Welter die Formation wieder zum Leben
erwecken würde, war für ihn alles andere als klar, vor allem seit
auch Mitstreiter Herwig Zamernik die Gruppe 2019 endgültig verlassen
hatte. Mit neuer Besetzung und neuem Sound besingt die Band nun
wieder die großen Themen, die typisch sind für Naked Lunch: Liebe und
Leidenschaft in allen Lebenslagen – auf dem aktuellen Album mit einer
besonderen Portion Euphorie und Todesnähe. „Es ist dieses ewige Hin
und Her zwischen dem Licht, um es mal ganz theatral und bombastisch
zu formulieren, und der ewigen Dunkelheit“, so Welter im Interview.
Denn der Bandleader behandelt darin auch persönliche psychische und
gesundheitliche Krisen, die er in den vergangenen Jahren durchmachen
musste. Der „kulturMontag“ bringt ein Porträt.

Dokumentation „Petro-Melancholie – Das Erdölzeitalter im Spiegel
der Kunst“ (23.15 Uhr)

Erdöl hat in den vergangenen 150 Jahren nicht nur Maschinen
befeuert, sondern auch menschliche Sehnsüchte. Der Rohstoff war in
der westlichen Gesellschaft ein Katalysator für Wachstum und Konsum –
und damit ein Sinnbild für Freiheit, Moderne und Wohlstand. Heute
neigt sich das Zeitalter fossiler Energieträger dem Ende zu und die
Abhängigkeit moderner Gesellschaften von Erdöl wird uns schmerzlich
bewusst. Im Dialog mit den Kulturwissenschaftern und Erdölexperten
Benjamin Steininger und Alexander Klose begibt sich Regisseur
Matthias Frick in seiner Dokumentation auf eine Reise in die Petro-
Moderne und erzählt anhand unterschiedlicher künstlerischer
Positionen, wie tief und selbstverständlich unser Leben von den
Kreisläufen des Erdöls durchdrungen war und ist. Der Film erzählt von
den Erdölfeldern in Baku, die um 1900 die Hälfte des Weltbedarfs
lieferten, von der Geburtsstunde des „American Way of Life“, als die
massive Steigerung des Konsums als ein Akt des Patriotismus gepredigt
wurde, von der Ölkrise in den 1970ern sowie vom Ölfluch im Niger-
Delta und Venezuela, das über die größten Erdölreserven der Welt
verfügt und aufgrund des militärischen US-Angriffs und der
gewaltsamen Absetzung von Staatschef Nicolás Maduro aktuell in den
Schlagzeilen ist.
Kunstwerke aus verschiedenen Teilen dieser Welt illustrieren, wie das
Erdöl Kunstschaffende zu eindrucksvollen, provokanten und politischen
Arbeiten inspiriert. Es ist ihr besonderer Blick, der das ambivalente
Verhältnis der Menschheit zu diesem Rohstoff schonungslos vor Augen
führt und vielleicht als Beginn eines Diskurses dienen kann, mit dem
diese sich in die Lage versetzt, sich langsam vom Erdöl zu lösen. Es
ist ein schmerzlicher Abschied von den Träumen der Nachkriegsmoderne,
in einem trotzigen Aufbäumen werden noch hemmungslos Flugreisen
gebucht und große Autos gefahren. Verzicht und Veränderung passen
nicht ins Konzept – was bleibt ist „Petro-Melancholie“.