Versorgung nach Brandschaden in Lienz gesichert: APG errichtete Leitungsprovisorium

Wien – Lienz (OTS) – Im Zuge des Großbrands am Gelände der Firma
Roßbacher im vergangenen
August wurden zwei Strommaste im direkten Umfeld des APG-Umspannwerks
Lienz schwer beschädigt. Um die Stromversorgung in Osttirol und
Kärnten weiterhin gewährleisten zu können, errichtete der
Netzbetreiber innerhalb von dreieinhalb Monaten auf einer Länge von
1,2 Kilometern unter Hochdruck eine parallel verlaufende
„Ersatzleitung“ (siehe Infografik).

Die Hochspannungsleitung durch das Drautal ist eine zentrale
Stromverbindung im österreichischen Übertragungsnetz. Nach statischen
Überprüfungen im August 2025 wurde festgestellt, dass beide
beschädigten Maste im kommenden Winter aufgrund der zu erwartenden
Schnee- und Eislasten nicht mehr ordnungsgemäß standfähig sind und
somit die Betriebssicherheit gefährden. David Kolm-Schandl von APG
erinnert sich: „Uns war rasch klar: Hier besteht akuter
Handlungsbedarf. Die Sanierung bzw. ein Provisorium musste bis Ende
des Jahres umgesetzt werden, um den sicheren Betrieb der Leitung zu
gewährleisten – ein echter Wettlauf mit der Zeit.“

Aufwendige Bauarbeiten bei laufendem Betrieb

Der betroffene Mast auf der Südverbindung vom Umspannwerk Lienz
nach Soverzene (Italien) konnte auf einem neuen provisorischen
Mastfuß, direkt neben dem betroffenen Masten, neu aufgebaut werden.

Um den beschädigten Masten auf der Drautalleitung zwischen den
Umspannwerken Lienz und Obersielach bei Völkermarkt (Kärnten) zu
kompensieren, war die Lösung wesentlich aufwendiger: „Es hat sich
herausgestellt, dass wir eine provisorische Leitung auf einer
abgeänderten Trasse errichten müssen, um den Betrieb der
Drautalleitung zu ermöglichen,“ erklärt Kolm-Schandl, und weiter:
„Vier provisorische Masten, die auf Betongewichten stehen und ohne
Fundament rasch montiert werden können, wurden aufgebaut. Die
Arbeiten erfolgten fast ausschließlich unter laufendem Betrieb:
Während der Umlegung der Leiterseile war ein System, also eine Seite
der Leitung, mit Ausnahme weniger Stunden an einem Tag stets unter
Strom, um die Versorgung aufrechtzuerhalten.“

Organisation im Eiltempo

Mit Festlegung der Varianten hieß es nun unter Zeitdruck die
Detailplanungen für den Leitungs- und Werksbereich zu erstellen,
Übereinkommen mit Grundeigentümer:innen zu finden und die rechtlichen
Voraussetzungen durchzuführen. Parallel dazu mussten ausführende
Firmen und entsprechendes Material besorgt werden – in Zeiten von
Ressourcen- und Lieferengpässen eine schwierige Aufgabe.

Baustart im September

Die Bauarbeiten für das Leitungsprovisorium begannen mit
September 2025. Vier provisorische Maststandorte wurden baulich
vorbereitet, um darauf die Mastprovisorien zu errichten und 1,2
Kilometer neue 220-kV-Leitungen zu montieren. Allein die Anlieferung
der provisorischen Maste glich einer logistischen Meisterleistung: 70
Sattelschlepper transportierten 870 Tonnen nach Lienz. Vor Ort wurden
die Maste am Boden vormontiert und anschließend mittels Autokränen
aufgestellt.

Besondere Herausforderungen:

– Kreuzung mit der ÖBB-Bahntrasse : Arbeiten über den Gleisen waren
nur nachts unter strengen Zeitfenstern möglich (kein Zugverkehr).

– Koordination mit kreuzenden Tinetz-Leitungen

– Provisorische Verlegung einer 110-kV-Freileitung als
Baueinsatzkabel

– Umbauten im Umspannwerk Lienz : Um die provisorische Leitung
überhaupt ans Umspannwerk anschließen zu können, wurden auch hier im
laufenden Betrieb der 220-kV-Anlage komplexe Provisorien errichtet.

Schrittweise Inbetriebnahme im Dezember

Die Inbetriebnahme des Provisoriums erfolgte schrittweise: Anfang
Dezember wurde das erste System über die provisorische Trasse
eingebunden, schon Mitte Dezember waren beide Systeme über das
Provisorium in Betrieb. Besonders herausfordernd waren die Demontagen
der Leitungen über der Bahntrasse, welche ausschließlich nachts
durchgeführt werden konnten.

„Die Errichtung des Provisoriums war technisch anspruchsvoll und
zeitkritisch. Dank des Einsatzes unserer Teams und der engen
Abstimmung mit allen Beteiligten konnten wir die
Versorgungssicherheit auch in dieser Ausnahmesituation gewährleisten.
Und die Betriebssicherheit ist nun auch über die Winterzeit wieder
gewährleistet“, betont Kolm-Schandl.

Über Austrian Power Grid (APG)

Als unabhängiger Übertragungsnetzbetreiber verantwortet Austrian
Power Grid (APG) die sichere Stromversorgung Österreichs. Mit unserer
leistungsstarken und digitalen Strominfrastruktur, sowie der
Anwendung von State-of-the-art-Technologien integrieren wir die
erneuerbaren Energien und reduzieren somit die Importabhängigkeit,
sind Plattform für den Strommarkt, schaffen Zugang zu preisgünstigem
Strom und bilden so die Basis für einen versorgungssicheren sowie
zukunftsfähigen Wirtschafts- und Lebensstandort. Das APG-Netz
erstreckt sich auf einer Trassenlänge von etwa 3.500 km, welches das
Unternehmen mit einem Team von rund 1.000 Spezialist:innen betreibt,
instand hält und laufend den steigenden Anforderungen der
Elektrifizierung von Gesellschaft, Wirtschaft und Industrie anpasst.
Über die Steuerzentrale in Wien wird ein Großteil der insgesamt 67
Umspannwerke, die in ganz Österreich verteilt sind, remote betrieben.
Auch 2024 lag die Versorgungssicherheit, dank der engagierten
Mitarbeiter:innen, bei 99,99 Prozent und somit im weltweiten
Spitzenfeld. Unsere Investitionen in Höhe von 630 Millionen Euro 2025
(2024: 440 Mio., 2023: 490 Mio. Euro) sind Wirtschaftsmotor und
wesentlicher Baustein für die Erreichung der Energieziele
Österreichs. Insgesamt wird APG bis 2034 rund 9 Milliarden Euro in
den Netzaus- und Umbau investieren.