Österreichischer Impftag 2026: Verdrängte Erkrankungen kehren zurück

Wien (OTS) – Beim Österreichischen Impftag 2026 steht die erneute
Zunahme von
Infektionskrankheiten im Mittelpunkt, die durch Impfprogramme bereits
stark zurückgedrängt waren. Sinkende Impfakzeptanz in Teilen der
Bevölkerung führt dazu, dass Erkrankungen wie Masern, Keuchhusten
oder Hepatitis A wieder häufiger auftreten. Fachleute betonen daher
die Bedeutung neuer Aufklärungsmethoden für ein besseres Verständnis
für den langfristigen Nutzen von Impfungen. Positive Beispiele, wie
die Pneumokokken-Impfung bei Kindern, zeigen den Mehrwert von
Impfungen, nämlich, dass Erkrankungen nicht nur bei Kindern, sondern
auch älteren Erwachsenen verhindert werden können. Der
Österreichische Impftag findet in Kooperation von MedUni Wien,
Österreichischer Ärztekammer, Österreichischer Apothekerkammer und
der Österreichischen Akademie der Ärzte am 17. Jänner 2026 erneut als
hybride Fachtagung im Austria Center Vienna statt. (Information:
www.impftag.at ).

Unter dem Titel „I’m back – da geht mir das Geimpfte auf!“ werden
am 17. Jänner 2026 unter dem medizinisch-wissenschaftlichen Vorsitz
von Ursula Wiedermann-Schmidt, Leiterin des Zentrums für
Pathophysiologie, Infektiologie und Immunologie der MedUni Wien, von
zahlreichen Top-Expert:innen aktuelle Fragen rund um das Thema Impfen
beleuchtet. Bei einer Pressekonferenz am heutigen Dienstag, 16.
Dezember 2025, sprachen Ursula Wiedermann-Schmidt, Rudolf
Schmitzberger, Leiter des Impfreferates der Österreichischen
Ärztekammer, und Gerhard Kobinger, 2. Vizepräsident der
Österreichischen Apothekerkammer, u.a. über den großen Aufholbedarf
bei Durchimpfungsraten.

Persönliche Identifikation mit Vorteilen des Impfens erhöhen
„Wir beobachten derzeit, dass Krankheiten, die wir durch hohe
Durchimpfungsraten nahezu eliminiert hatten, wieder vermehrt
auftreten“, erklärt Ursula Wiedermann-Schmidt. „Da die Impfakzeptanz
in der Bevölkerung stark gesunken ist, müssen wir bei Aufklärung und
Kommunikation bessere oder neue Wege gehen.“

Im Rahmen des Impftags werden die Beiträge der Vortragenden
insbesondere die Rolle gesellschaftlicher und politischer Faktoren
bei der Rückkehr von Infektionskrankheiten beleuchten. Dabei geht es
auch um neue Wege der Vermittlung. „Wir wissen, dass reine Fakten
nicht immer ausreichen. Wir müssen stärker an der persönlichen
Identifikation mit dem Thema Impfen ansetzen und das
Vertrauensverhältnis zwischen Ärztinnen, Ärzten und Patientinnen und
Patienten in den Mittelpunkt stellen“, betont Wiedermann-Schmidt.

Darüber hinaus hebt sie hervor, dass Impfungen nicht nur vor der
akuten Erkrankung schützen, sondern auch einen Mehrwert gegenüber
anderen Erkrankungen haben können. So kann etwa eine Influenza-
Impfung oder eine RSV-Impfung das Risiko für Herzinfarkt oder
Schlaganfall senken. Ähnliches gilt für die Herpes-Zoster-Impfung,
die nicht nur gegen die Gürtelrose und damit verbundene
Nervenschmerzen schützt, sondern auch signifikant das Risiko für
Demenz reduzieren kann. „Der Nutzen von Impfungen geht also weit über
den unmittelbaren Schutz hinaus. Das ist den meisten nicht bewusst
und wird in der öffentlichen Wahrnehmung deutlich unterschätzt“, so
Wiedermann-Schmidt.

Die Folgen sinkender Impfbereitschaft sind bereits sichtbar.
Masern breiten sich weltweit wieder aus, teils innerhalb weniger
Jahre. Österreich liegt bei den Neuinfektionen im europäischen
Spitzenfeld. Gleichzeitig zeigen Beispiele wie das Pneumokokken-
Kinderimpfprogramm, das gut angenommene Impfstrategien nicht nur
Kinder, sondern auch Erwachsene indirekt schützen. Umgekehrt
veranschaulicht der Anstieg der Keuchhustenfälle, wie wichtig
regelmäßige Auffrischungsimpfungen in allen Altersgruppen sind.
Ähnliches gilt für Hepatitis A – wir verzeichnen in diesem Jahr eine
Verdreifachung von Hepatitis-A-Erkrankungen und sogar Ausbrüchen,
weil in der Bevölkerung deutliche Impflücken bestehen. „Die
Entwicklung zeigt, wie schnell wir Erfolge verlieren, wenn die
Durchimpfungsrate sinkt – und wie viel wir gewinnen können, wenn wir
gemeinsam Verantwortung für den Schutz vor Infektionskrankheiten
übernehmen“, fasst Wiedermann-Schmidt zusammen.

Vielschichtige Impf-Möglichkeiten bei Ärztinnen und Ärzten
Impfungen sind eine wichtige Säule in der Gesundheitsprävention,
betont Rudolf Schmitzberger, Leiter des Referats für
Impfangelegenheiten der Österreichischen Ärztekammer. „Wichtig ist,
Impflücken zu vermeiden, daher sollten unter anderem die
Vorsorgeuntersuchungen dazu dienen, den Impfpass zu checken, um die
Auffrischungsimpfungen im Blick zu haben“, sagt er. Zudem verweist er
darauf, dass alle Ärztinnen und Ärzte impfen können: „Begleitpersonen
können sich beispielsweise, wenn sie bereits für eine Eltern-Kind-
Pass-Untersuchung oder Impfung dort sind, gleich beim Kinderarzt mit
impfen lassen“, betont er die vielschichten Möglichkeiten, sich bei
niedergelassenen Ärzt:innen zu impfen.

Kostenfreie HPV-Impfung für Ältere läuft aus
Schmitzberger begrüßt den Ausbau des öffentlichen Impfprogramms, das
nun mit der kostenfreien Impfung gegen Herpes Zoster und Pneumokokken
erweitert wurde. „Sinnvoll wäre es auch, die Impfung gegen Diphtherie
-Tetanus-Pertussis, die im Erwachsenenalter alle fünf Jahre
aufgefrischt werden muss, ins Öffentliche Impfprogramm aufzunehmen“,
sagt er. Die Umsetzung des Öffentlichen Impfprogramm gelinge aber
nicht ganz reibungslos: „Der e-Shop für die Bestellungen ist sehr
instabil, die Bestellung ist fast wie bei einer Lotterie“, sagt er.
Man brauche Glück, um im entsprechenden Bestellshop hineinzukommen,
und wenn das dann geschafft sei, bestehe immer noch eine erhebliche
Chance, dass kein Impfstoff vorhanden ist: „Die Technik- und
Ressourcenprobleme sorgen für viel Frust in der Ärzteschaft“,
resümiert Schmitzberger. Hier gebe es noch Verbesserungsbedarf.

Abschließend verweist Schmitzberger noch auf die letzte Chance
der kostenfreien HPV-Impfung für die 22- bis 29-Jährigen. Während die
HPV-Impfung für die neun- bis 21-Jährigen auch in Zukunft kostenlos
bleibe, läuft die Impfaktion für die 22- bis 29-Jährigen mit 30. Juni
2026 aus: „Wer aber auch die zweite HPV-Impfung kostenfrei bekommen
möchte, muss die erste HPV-Impfung bis spätestens 31. Dezember
erhalten“, sagt er.

Impfen kann Leben retten
„Beim Thema Durchimpfungsrate gibt es in Österreich nach wie vor
nichts zu beschönigen. Die offiziellen WHO-Zahlen geben – wie auch
schon in den vergangenen Jahren – ein schlichtweg katastrophales Bild
ab. Während es weltweit bei der dritten Dosis Diphtherie, Tetanus und
Pertussis eine Durchimpfungsrate von 93 Prozent gibt, liegt
Österreich mit 85 Prozent am unteren Ende der Liste. Laut der Agentur
für Gesundheit und Ernährungssicherheit AGES wurden 2024 insgesamt
15.465 Pertussis-, also Keuchhusten-Erkrankungen gemeldet, ein wenige
Wochen altes Baby in der Steiermark ist daran sogar verstorben. Das
entspricht annähernd dem Infektionsgeschehen von 1959, also vor
Einführung des nationalen Impfprogrammes. Und das sollte uns allen zu
denken geben“, fasst Gerhard Kobinger von der Österreichischen
Apothekerkammer die aktuelle Situation zusammen.

Eine ähnlich schlechte Durchimpfungsrate gibt es laut WHO auch
bei Masern (zweite Dosis weltweit 91 Prozent, in Österreich 84
Prozent) oder Polio (dritte Dosis weltweit 93 Prozent, in Österreich
85 Prozent). „Es ist erschreckend, wie leichtfertig Menschen mit
ihrer Gesundheit und ihrem Leben umgehen, denn Impfungen retten
Leben! Und genau diese Botschaft muss weitergetragen werden. Unter
anderem in den 1.470 österreichischen Apotheken. Die mehr als 7.000
Apothekerinnen und Apotheker informieren über Impf-Möglichkeiten und
weisen auch auf Impflücken hin. Deshalb mein Appell: Lassen Sie in
der Apotheke Ihren Impfpass kontrollieren!“ ruft Kobinger auf.

Österreichs Apotheken ermöglichen einen niederschwelligen Zugang
zu fundierten Informationen rund um das Impfen. Es gibt kaum
Wartezeiten und hinter der Tara stehen bestens ausgebildete
Expertinnen und Experten für Fragen bereit. Die professionelle
Impfberatung gehört für sie zur täglichen Routine. Dabei ist es egal,
ob es sich um Erstimpfungen bei Kindern und Jugendlichen oder um
Auffrischungsimpfungen bei Erwachsenen handelt. Auch ein geschulter
Blick in den Impfpass von Kundinnen und Kunden – egal ob analog oder
digital – durch die Apothekerschaft ist Teil dieser Routine.
„Auffrischungsintervalle wie beispielsweise gegen FSME oder
Diphtherie, Tetanus, Pertussis und Polio können sich mit dem Alter
ändern. Doch kaum jemand beschäftigt sich damit. Der entsprechende
Schutz gegen diverse Erkrankungen ist aber nur durch die Auffrischung
in den richtigen Abständen gewährleistet. Deshalb ist ein Impfpass in
jedem Alter wichtig“, so Kobinger abschließend.

Neue Impfstoffe für die Reisemedizin
Auf dem Österreichischen Impftag werden zudem neue Impfstoffe für die
Reisemedizin vorgestellt. Ein Impfstoff gegen Chikungunya ist neu im
Programm sowie ein Vakzin gegen Dengue. Und die neuesten Daten zur
HPV-Impfung und der Rückgang von HPV-assoziierten Krebserkrankungen
durch die Impfung werden präsentiert.

Der Österreichische Impftag bietet eine wertvolle Plattform für
den fachlichen Austausch über Impfthemen und unterstreicht die
Bedeutung eines gesellschaftlich geförderten und aktiven Impfwesens.

Österreichischer Impftag 2026:
Samstag, 17. Jänner 2026. I’m back – da geht mir das Geimpfte auf!,
hybride (online bzw. in Präsenz) Tagung und Fachausstellung von 8:00-
17:15 Uhr im Austria Center Vienna (1220 Wien). Der Österreichische
Impftag ist die größte richtungsweisende Impfveranstaltung für
Ärztinnen und Ärzte, Apothekerinnen und Apotheker sowie Vertreter
anderer Gesundheitsberufe und wird von der Österreichischen Akademie
der Ärzte in Kooperation mit der MedUni Wien, der Österreichischen
Ärztekammer sowie der Österreichischen Apothekerkammer veranstaltet.
Alle Infos, Anmeldung und Programm: www.impftag.at .

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Copyright: MedUni Wien/Richard Tanzer