Wien (OTS) – Die Medienbranche hat schon bessere Zeiten erlebt: Das
Jahr 2025 war
geprägt von drastischen Sparmaßnahmen, die Qualitätsjournalismus
gefährden. Weltweit agierende Konzerne bedrohen die Existenz der
traditionellen Medien und untergraben die digitale Souveränität
Europas. Autokratische Regierungen attackieren unabhängige Medien und
haben besonders öffentlich-rechtliche Medien als beliebtes Feindbild
auserkoren. Angesichts derartiger Szenarien stellt sich die immer
dringlichere Frage, wie die Politik auf die Dominanz von Big Tech
reagieren soll, wie Medien ihre redaktionelle Unabhängigkeit bewahren
können und welche Alternativen es zu TikTok, Instagram, X und Co
gibt? Darüber diskutiert Klaus Unterberger, Leiter des ORF-Public-
Value-Kompetenzzentrums, im aktuellen ORF-DialogForum mit einer
hochkarätigen Runde, die sich außerdem der Frage widmet, wie
Qualitätsjournalismus angesichts der dramatischen Herausforderungen
in Zukunft überleben kann, und was das Jahr 2026 diesbezüglich
bringen wird. Ein Mitschnitt der Diskussionsveranstaltung ist am
Montag, dem 15. Dezember 2025, um 23.50 Uhr in ORF III zu sehen und
danach auf ORF ON und ORF Sound abrufbar.
Filmproduzentin Gabriela Bacher, die sich für die Stärkung des
Qualitätsjournalismus einsetzt, unterstreicht: „Österreich hat eine
auch im europäischen Vergleich gut ausgestattete Medienförderung.
Entscheidend ist aber die Frage, wie man diese Medienförderung so
gestalten kann, dass sie zukunftsorientierten Journalismus und
digitale Transformation unterstützt.“ Denn es gehe nicht nur um das
Erhalten, sondern vor allem um das Unterstützen des Neuen. „Das
Tablet ist nicht das Ungeheuer, entscheidend ist, wie man damit
umgeht!“, ist Bacher überzeugt. Sie fordert unter anderem die
Pluralität der Medienlandschaft sowie die Existenz des ORF und seine
Finanzierung auf verfassungsrechtlicher Ebene absichern.
Konrad Paul Liessmann hingegen, Philosoph, Autor und bekennender
Social-Media-Verweigerer, der sich in seinem aktuellen Buch „Was nun?
Eine Philosophie der Krise“ intensiv mit dem Thema auseinandergesetzt
hat, sieht die aktuellen Herausforderungen gelassener: „Krisen sind
zeitlich begrenzte Phänomene, die nur anzeigen, dass sich etwas
verändert. Es sind Phasen, in denen sich Dinge entscheiden, und in
denen man einen klareren Blick auf die Welt bekommt.“ Das Jahr 2026
sollten Medien daher auch zur Selbstkritik nutzen: „Der Siegeszug der
großen Plattformen ist vielleicht auch deshalb möglich geworden, weil
traditionelle Medien Fehler gemacht haben, Vertrauen verspielt haben
und es nicht gelungen ist darzustellen, welche Bedeutung sie haben.
Anstatt immer neue Regeln und Verbote zu erfinden, sollten wir darauf
vertrauen, dass sich Qualitätsmedien durchsetzen werden, weil sie der
Wahrheit näher sind!“
Auch Felix Hlatky, Executive Director des Kurznachrichtendienstes
Mastodon, gibt sich mit Blick auf das eigene Plattformangebot
hoffnungsvoll: „Als dezentrales Netzwerk ist Mastodon ein gallisches
Dorf in der sozialen Medienlandschaft, mittlerweile aber auch eine
ernstzunehmende Alternative, die mit mehr als 10 Millionen
Nutzerinnen und Nutzern bereits in Teilen der Bevölkerung angekommen
ist. Hier findet keine algorithmische Verzerrung statt; ich sehe
somit tatsächlich das, was ich sehen möchte, polarisierender Content
wird nicht bevorzugt. Als gemeinwohlorientierte Organisation ist
Mastodon auch nicht auf Werbung angewiesen, sondern ausschließlich
den Userinnen und Usern verpflichtet.“
Judith Elhenicky, die als vierfache Mutter eine wichtige
Alltagsperspektive in die Diskussion einbringt, unterstreicht:
„Medienkompetenz ist auch Elternarbeit. Es ist wichtig, dass Kinder
bereits von zu Hause mitbekommen, wie diese Plattformen funktionieren
und welchen Wert seriöse Medien haben.“ Ein allfälliges Verbot
sozialer Medien für Kinder und Jugendliche, wie es Australien
kürzlich durchgesetzt hat, würde sie auch hierzulande begrüßen. „So
wie wir Kindern keinen Alkohol geben, weil sie vielleicht noch nicht
ausreichend damit umgehen können, sollten wir auch den Zugang zu
sozialen Medien verantwortungsvoll regeln!“
David Steffens von der Medienkompetenz-Organisation Lie Detectors
betont: „Wir wollen zum kritischen Denken anregen und der digitalen
Polarisierung entgegentreten. Dazu geben wir den Schülerinnen und
Schülern praktische Werkzeuge in die Hand, um mit Desinformation
umzugehen. Wir versuchen zu vermitteln, warum faktenbasierter
Journalismus wichtig ist und sehen, dass die Nachfrage nach solchen
Angeboten hoch ist. Letztlich geht es darum, einen ganzheitlichen
Rahmen zu schaffen, in dem man auch Lehrerinnen und Lehrer, sowie
Eltern im kritischen Umgang mit Medien unterstützt.“
Dass dieses Engagement wirkt, kann Philipp Maschl bestätigen, der
sich als Redakteur und Moderator des neuen ORF-Formats „ZIB Magazin
Media“ intensiv mit dem Thema auseinandersetzt und in zahlreichen
Medienkompetenz-Workshops mit Schülerinnen und Schülern ein gutes
Verständnis für die Bedürfnisse junger Menschen entwickelt hat: „Der
ORF gehört allen Bürgerinnen und Bürgern in Österreich und ist für
alle da. Wir versuchen daher, unseren Journalismus an möglichst viele
Menschen zu bringen. Dafür brauchen wir Formate wie etwa die ZIB auf
Instagram und TikTok, die speziell für junges Publikum gemacht
werden, denn die Kinder und Jugendlichen honorieren das. Sie wollen
nicht belogen werden und wissen um den Wert von Fakten.“
Moderiert wird das ORF-DialogForum von Klaus Unterberger, ORF Public
Value.
Das ORF-DialogForum ist eine Initiative des ORF, um das Gespräch mit
seinem Publikum, den österreichischen Institutionen, den
Organisationen und Gruppen der Gesellschaft zu beleben.