Wien (OTS) – „Trotz massiv steigender Ausgaben verschlechterten sich
zentrale
Versorgungskennzahlen, während Pflegebedürftige, Menschen mit
Behinderungen und chronisch Kranke besonders unter den strukturellen
Defiziten leiden“, betonte FPÖ-Pflege- und Behindertensprecher NAbg.
Mag. Christian Ragger. Österreich hatte im EU-Vergleich die
zweithöchsten Gesundheitsausgaben pro Kopf, gleichzeitig entwickelten
sich Lebenserwartung und vermeidbare Sterblichkeit schlechter als im
EU-Schnitt. Die Zahl chronischer Beschwerden stieg deutlich stärker
als in vergleichbaren Staaten – bereits 2019 kamen rechnerisch rund
140 chronische Beschwerden auf 100 Einwohner, ein Plus von 7,2
Prozent seit 2014. „Diese Entwicklung bedeutet mehr
Behandlungsbedarf, mehr Pflegeaufwand und mehr Belastung für ein
System, das schon jetzt nicht mehr funktioniert“, so Ragger.
Besonders dramatisch ist laut Rechnungshof der Rückgang der
ärztlichen Versorgung im niedergelassenen Bereich. Die
Planstellendichte sank zwischen 2019 und 2023 in der Allgemeinmedizin
um 5,1 Prozent, während die Zahl der e-card-Konsultationen
gleichzeitig um 12,3 Prozent anstieg. „Weniger Kassenärzte müssen
immer mehr Menschen versorgen. Für pflegebedürftige Menschen heißt
das längere Wartezeiten, weniger Kontinuität in der Betreuung und
häufiger unnötige Spitalsaufenthalte – mit fatalen Folgen für
Pflegepersonal und Angehörige“, warnte der freiheitliche
Gesundheitssprecher NAbg. Mag. Gerhard Kaniak.
Der Rechnungshof kritisierte weiter, dass bis heute ein
flächendeckendes Wartezeitenmonitoring fehlt, obwohl sich die
Wartezeiten nachweislich verschlechtert haben. Auch eine wirksame
Steuerung der Patientenwege zwischen niedergelassenem Bereich, Pflege
und Spitalsambulanzen fehlt weiterhin. Der Rechnungshof verweist
zudem auf den stark steigenden Wahlarztanteil. Allein im Jahr 2023
reichten Versicherte 551,45 Millionen Euro an Wahlarzthonoraren ein.
„Der Boom bei Wahlärzten ist kein Luxusproblem, sondern ein
Alarmsignal. Wenn das Kassensystem versagt, werden sozial Schwächere,
Pflegebedürftige und Menschen mit Behinderungen systematisch
benachteiligt“, stellte Ragger klar.
„Zudem zeigte der Rechnungshof auf, dass die ÖGK die
Kostenentwicklung im Vertragsarztbereich in mehreren Bundesländern –
darunter auch Kärnten – nicht ausreichend steuern konnte. Die
Ausgaben stiegen stärker als die Beitragseinnahmen, es kam zu
sachlich kaum nachvollziehbaren Unterschieden bei Abrechnungen,
während wirksame Kontrollmechanismen fehlten“, so Gesundheitssprecher
Kaniak. „Gerade in einem ländlich strukturierten Bundesland wie
Kärnten mit alternder Bevölkerung und hohem Pflegebedarf ist das ein
gefährlicher Befund“, folgerte Ragger.