Wien (OTS) – Im Anschluss an die Fragestunde wurde die Aktuelle
Stunde debattiert.
Das Thema hatte die SPÖ-Fraktion eingebracht und lautete: „Die Wiener
Tourismusstrategie wird erfolgreich durch das Land Wien umgesetzt:
Die Wertschöpfung durch Investitionen in Beschäftigung und Wachstum
für die Region zeigt sich auch im weltweiten ICCA-Kongress-Ranking,
wo Wien 2024 auf Platz 1 steht.“
Erstrednerin LAbg. Katharina Weninger, BA (SPÖ) eröffnete die
Aktuelle Stunde. Wien sei 2024 die Nummer eins im weltweiten
Kongressranking geworden; das zeige, dass Wien eine gute Location mit
schönen Kongresszentren sei, in die die wichtigsten Branchenvertreter
*innen anziehe. Von 154 internationalen Kongressen mit 132 Millionen
Euro Wertschöpfung würden viele Arbeitnehmer*innen wie Kellner*innen
oder Hoteliers in Wien profitieren: 23.500 Ganzjahres-Arbeitsplätze
seien ebenfalls ein eigenständiges Wiener Phänomen, meinte Weninger.
18,9 Millionen Nächtigungen im Jahr 2024 seien ein Plus von 7 Prozent
gegenüber dem Vor-Corona-Niveau von 2019. Mit den 1,38 Milliarden
Euro Netto-Umsatz bei Nächtigungen trage Wien die Hälfte des
österreichweiten Umsatzes in dieser Branche bei. Dieser Erfolg
bedeute aber nicht, „die Stadt, um jeden Preis zu verkaufen“.
Umfragen würden zeigen, dass nicht nur 9 von 10 Gästen Wien positiv
gegenüberstehen, sondern auch 9 von 10 Wiener*innen zufrieden mit dem
Tourismus in der Stadt seien. Wien wolle nicht jeden Gast, sondern
die „richtigen“ Gäste – das seien eben in erster Linie die
Kongresstourist*innen. Der Wissenschaftstourismus bringe auch
„Innovation und Zukunft“ nach Wien, wie etwa beim Lungenfachärzt*
innen-Kongress mit kostenlosen Lungenscreenings. Die Stadt würden den
Kongresstourismus mit Förderungen unterstützen, etwa für Green
Meetings oder in schwächeren Kongressmonaten. Der Eurovision Song
Contest im nächsten Jahr sei in ihren Augen wichtig, da dieser die
Gelegenheit biete, Wien als weltoffene, moderne Stadt zu
präsentieren. Diese Erfolge seien kein Zufall, „sondern das Ergebnis
harter Arbeit und kluger Strategie“, meinte Weninger, die sich
abschließend bei allen Mitarbeiter*innen bedankte, die zu diesen
Erfolgen beitragen würden.
StRin Dr. Katarzyna Greco, MIEM (ÖVP) meinte, dass Wien ohne
Zweifel eine internationale Top-Destination sei. Doch auch ein
starker Standort könne geschwächt werden, etwa durch die „massive
Erhöhung“ der Ortstaxe. Hier sei eine Erhöhung von mehr als 165
Prozent geplant, rechnete Greco vor – „damit zeigt sich Wien nicht
als Spitzenreiter beim Tourismus, sondern bei den Abgaben“. Nicht nur
die Höhe, sondern auch die Art des Modells sei höher. Die
Zimmerpreise würde durch die Erhöhung steigen, dadurch würde nicht
die Hotellerie profitieren, sondern internationale
Vermittlungsplattformen. Statt die Hotellerie zu unterstützen, würde
die Marge für die Betriebe sinken. Auch Kongressunternehmen würden
„ganz genau kalkulieren und eventuell abwandern“, vermutete Greco.
Deswegen müsse die Branche und damit auch der ganze Standort Wien
gestärkt werden.
LAbg. Markus Ornig, MBA (NEOS) widersprach seiner direkten
Vorrednerin dahingehend, dass das Problem der Provisionen der
Hotellerie an internationale Vermittlungsplattformen auf Bundesebene
gelöst werde – „da sind wir bereits im Endspurt“. Ornig erwähnte ein
Ranking, das zeige, dass Wien mit Platz 15 erstmals unter den Top 20
in Europa bei Hotel-Investitionen gelistet wurde. Das sei in Ornigs
Augen ein großer Erfolg, denn es zeige das Vertrauen der
internationalen Investments in den Standort Wien. Wichtig sei ihm
nicht nur, dass 9 von 10 Gäste Wien positiv bewerten und
weiterempfehlen würden, sondern auch 9 von 10 Wiener*innen zufrieden
mit dem Tourismus in der Stadt seien.
LAbg. Johann Arsenovic (GRÜNE) sagte, dass Wien von vielen
Städten beneidet werde, da nicht mehr Umsatz und Gästezahlen im Fokus
stünden, sondern was der Nutzen des Tourismus für die Menschen in der
Stadt sei. 2024 sei Wien im Ranking vor Barcelona, Singapur oder
Paris „Kongress-Weltmeister“ geworden – ihn freue besonders, dass 9
von 10 Wiener*innen zufrieden mit dem Tourismus seien und damit gut
leben könnten. Das Ziel der Wiener Strategie sei nicht mehr, dass
immer mehr Gäste kommen würden, sondern „Klasse statt Masse“ das
Motto sei. Vieles sei gut, doch nicht alles, meinte Arsenovic: So sei
der CO2-Abdruck bei der Gäste-Anreise „nicht perfekt“, hier müsse
Wien etwa auf bessere Zugverbindungen und Nachtzüge setzen. Eine hohe
Wertschöpfung sei „natürlich“ positiv zu bewerten, „Wien darf aber
nicht zu einer ‚gated community‘ für Luxustourist*innen werden,
sondern muss auch auf Student*innen und Familien mit kleinerem Budget
achten“. Ebenso dürften einzelne Grätzl durch touristischen Druck
oder Wohnraumverknappung nicht mehr leistbar werden. Die Aufgabe der
nächsten Jahre müsse es sein, Vorreiter für eine Klimapolitik zu
sein, die das Klima schützt, sowie Gästen und Bewohner*innen
zugutekommt.
LAbg. Maximilian Krauss, MA (FPÖ) kritisierte, dass sich die SPÖ
bei dieser Aktuelle Stunde für ein „Wohlfühlthema“ entschieden habe,
obwohl es dringendere Probleme in der Stadt gebe. Krauss bemängelte
ebenfalls, dass über die Ortstaxe die Gebühren in der Stadt erhöht
würden und sich „Touristen abschrecken lassen“. Städte wie Salzburg
würden entsprechende Werte verwenden, die viel niedriger seien,
meinte Krauss. Auch im internationalen Vergleich gebe es „kaum
vergleichbare Werte“, rechnete Krauss vor. Diese Städte würden Gäste
und die eigene Hotellerie „deutlich“ geringer belasten als Wien. 2019
habe es 17,6 Millionen Nächtigungen in Wien gegeben, mit den
diesjährigen Dezemberzahlen habe es insgesamt nur eine kleine
Erhöhung gegenüber der Vor-Coronazeit geben, bemängelte Krauss
abschließend.
LAbg. Ing. Judith Edelmann (ÖVP) sprach über das
Sommernachtskonzert der Wiener Philharmoniker in Schönbrunn. Dieses
Event würde das Image als Kulturhauptstadt enorm stärken, durch den
Gratis-Eintritt sei der Besuch für kleine Taschen ermöglicht habe.
Trotzdem hab die Stadt die Förderung dafür gestrichen, die
Philharmoniker sehen dadurch das gesamte Konzert gefährdet. Edelmann
appellierte an die Verantwortlichen der Stadt, das Gespräch mit den
Philharmonikern zu suchen und den Förderungsstopp zu überdenken.
LAbg. Dr. Maria In der Maur-Koenne (NEOS) wiederholte etliche
Zahlen zum bisherigen Kongresstourismus, blickte aber bereits in das
kommende Jahr mit dem Eurovision Song Contest im Mai. Dieser sei
nicht nur ein riesiges TV-Spektakel, sondern auch Tourismusmotor, der
Wien – abermals – ins internationale Rampenlicht rücken werde.
Bereits 2015 habe der ESC in Wien laut einer Studie eine
Bruttowertschöpfung von 27,8 Millionen Euro oder 416
Vollzeitarbeitsplätze in Wien ausgelöst. Zudem seien 16 Millionen an
Steuern und Abgaben ins System geflossen; von diesen Effekten hätte
unter anderem Wiener Gastronomie oder Kultur profitiert. Auch der
Werbewert sei enorm gewesen: Es seien 2015 mehr als 35.000 Online-
Artikel mit Wien-Bezug erschienen. Für 2026 werde mit 88.000
zusätzlichen Gästen gerechnet, eine zusätzliche Wertschöpfung von 52
Millionen Euro. Damit werde jeder von der Stadt investierte Euro
doppelt zurückfließen. „Bei der Gästestrategie der Stadt geht es um
gutes Wachstum und Gäste, die länger bleiben und die Vielfalt der
Stadt genießen und prägen“, sagte In der Maur-Koenne.
LAbg. Dr. Jennifer Kickert (GRÜNE) sprach über ihre Situation als
Stadtbewohnerin. Das Motto des Wien Tourismus sei, ein gutes Wachstum
für Besucher*innen und Bewohner*innen der Stadt. Einer ihrer
persönlichen Kontaktpunkte mit dem Tourismus sei etwa, „dass es
manchmal eine echte Herausforderung ist, sich in der vollen Stadt zu
bewegen“. Etwa beim Rathauspark zur Zeit des Weihnachtsmarktes, wenn
neun Busse gleichzeitig ihre Fahrgäste aussteigen lassen und dadurch
ein Durchkommen nicht möglich wäre. Solche „Nutzungskonflikte im
öffentlichen Raum“ seien mit den vorgeschlagenen Maßnahmen in der
Wiener Tourismusstrategie manchmal schwer zu lösen, meinte Kickert. (
Forts.) nic