Maßnahmen zur Energiekostenreduktion in Diskussion

Wien (PK) – Einhellig nahm der Wirtschaftsausschuss des Nationalrats
heute den
aktuellen Tätigkeitsbericht der E-Control Austria ( III-256 d.B. )
zur Kenntnis. Das Vorstandsduo der E-Control Alfons Haber und
Wolfgang Urbantschitsch wurde nicht nur nach dem vergangenen
Berichtszeitraum, sondern auch nach ihren Einschätzungen für die
Zukunft gefragt.

Das Jahr 2024 habe den Wettbewerb auf den Energiemärkten
zumindest in Teilen zurückgebracht, so die Bilanz des Berichts.
Günstigere Preise für die Haushalte, eine größere Auswahl an
Angeboten zum Vergleichen sowie ein wieder hohes Einsparpotenzial
beim Lieferantenwechsel hätten die Wettbewerbssituation geprägt.
Eines der wichtigsten Themen sei die Gewährleistung der sicheren
Versorgung aller heimischen Kunden mit Strom und Gas gewesen. Laut
Staatssekretärin Elisabeth Zehetner liege der Fokus der E-Control auf
den richtigen Themen: Transformation, Entwicklung der Netzentgelte
und smarte Energiewende.

Versorgungslage laut Vorstand gesichert

Die Abgeordneten erörterten den Bericht gemeinsam mit dem
Vorstandsduo der E-Control Alfons Haber und Wolfgang Urbantschitsch.
2024 sei ein bedeutsames Jahr gewesen, meinte Haber. Es habe sich
aber vieles verändert, da es seit 2025 kein Gas mehr aus Russland und
somit neue Rahmenbedingungen gebe. Die Versorgungslage sei und bleibe
gesichert, sagte er. Positiv berichtete er vom Ausbau der
erneuerbaren Energien sowie dem EAG-Monitoringbericht, wodurch
Transparenz geschaffen worden sei. Die Netzentgelte sollen laut Haber
perspektivisch weiterentwickelt werden. Vom Ausbau der Smart-Meter
berichtete er, dass diese in Österreich zu 97 % ausgerollt seien. Sie
würden eine wesentliche Grundlage für ursachengerechte Tarife
darstellen. Urbantschitsch ergänzte, dass die Smart-Meter-Daten
benötigt würden, um neue Produkte anbieten und abrechnen zu können.
Die Wettbewerbsbedingungen auf dem Energiemarkt seien unzureichend,
so der Vorstand. Daher seien Stakeholder eingeladen worden,
Stellungnahmen zum „Fairnesskatalog“ für Strom- und Gaslieferanten
abzugeben, den die E-Control gemeinsam mit der
Bundeswettbewerbsbehörde erarbeitet.

Laut Urbantschitsch sei davon auszugehen, dass die Strom-
Netzentgelte nächstes Jahr nur gering ansteigen. Was die Inflation
betrifft, würden die Strompreise wohl eher zur Entlastung beitragen.
Der Experte berichtete außerdem davon, dass die Kundenanfragen an die
E-Control zurückgingen, die Beratungsaktivitäten aber komplexer
würden. Er sprach auch das derzeit verhandelte
Elektrizitätswirtschaftsgesetz an. Aus fachlicher Sicht handle es
sich um ein wichtiges Gesetz, meinte er.

Koordinierter Netzausbau erneuerbarer Energien

Lukas Hammer (Grüne) und Karin Doppelbauer (NEOS) fragten die
Experten nach Maßnahmenvorschlägen, um die Systemkosten bzw. die
Energiepreise mittelfristig zu senken. Es bedarf dem koordinierten
Netzausbau erneuerbarer Energien und gleichzeitig dem Netzrückbau im
Gasbereich, sagte Haber. Außerdem sprach er sich dafür aus, Forschung
und Innovation „zu pushen“ und zugänglich zu machen. Kostensenkend
würden sich sowohl Einkaufsgemeinschaften, Standardisierung und
Digitalisierung auswirken. Die Digitalisierung sei notwendig, um die
Systemkosten zu reduzieren, betonte auch Urbantschitsch. Sie bewirke
auch, dass neue Produkte angeboten werden können.

Grünen-Abgeordneter Hammer konnte außerdem die Information
einholen, dass der Anteil an aus Amerika importiertem verflüssigtem
Erdgas (LNG) in Europa bei über 50 % liege. Gemäß Markterwartung
würden die Preise weiter sinken und sukzessive auf den
Endkundenmärkten ankommen, sagte Vorstand Urbantschitsch. Gegenüber
Alois Schroll (SPÖ) betonte Vorstand Haber, dass die Strompreise
aufgrund des hohen Anteils erneuerbarer Energien in Österreich
günstiger seien als in Deutschland. Grundsätzlich seien die Preise
aber europäisch zu betrachten, meinte er. Tanja Graf (ÖVP) erfuhr von
Haber, dass die EU-Vorgaben zur Gestaltung des Netznutzungsentgelts
die Grundlage für die Tarifierung der Netzbetreiber darstellen.

Von Paul Hammerl (FPÖ) auf aktuelle Herausforderungen
angesprochen, meinte Haber, es wäre wichtig für Österreich, faire
Rahmenbedingungen als Gastransitland zu haben. Hammerl brachte auch
das Benchmarking-System für Netzbetreiber zur Sprache. Um die
Kosteneffizienz zu steigern, müsse man Netzbetreiber vergleichen
können, sagte Haber dazu. Der FPÖ-Mandatar fragte außerdem nach
möglichen Ersparnissen bei Zusammenlegungen von Netzanbietern. Laut
Urbantschitsch wäre wohl von einer Effizienzsteigerung auszugehen,
ein genaues Ausmaß sei aber schwer zu beziffern.

Daten aus dem Bericht 2024: Steigender Stromverbrauch, sinkender
Gasverbrauch

Der Stromverbrauch stieg laut Bericht 2024 um 2,7 % gegenüber
2023 an, blieb aber 2 % unter 2022. Ausschlaggebend für diese
Steigerung sei insbesondere das Kleinkundensegment gewesen, ist dem
Bericht zu entnehmen. Während der Verbrauch ohne Photovoltaik-
Eigenverbrauch um nur 483 GWh stieg, wuchs dieser bei
Berücksichtigung um 1670 GWh. Der Gasverbrauch hingegen ging deutlich
zurück und betrug 2024 etwa 75 TWh. Die gemäßigten Strompreise ab
Jahresbeginn gingen gegen Ende 2024 in einen deutlichen Preisanstieg
über, wobei die Großhandelspreise im Schnitt trotzdem deutlich
niedriger waren als im Vorjahr. Während im Day-ahead-Markt eine
Bandstromlieferung in das österreichische Marktgebiet 2023 noch 102
Ꞓ/MWh kostete, lagen die Kosten 2024 bei 81,5 Ꞓ/MWh. Der Bericht
wurde im Ausschuss enderledigt. (Fortsetzung Wirtschaftsausschuss)
fan