Katholische Weiheämter vor dem Aus?

Innsbruck/Linz/Wien (OTS) – Die österreichischen
Kirchenreformbewegungen reagieren fassungslos
auf die vom Vatikan bekanntgegebene Entscheidung, dass Frauen auch
weiterhin nicht zur Diakonatsweihe zugelassen werden können. Immerhin
schränkt die seit 2021 tätige Kommission zum Frauendiakonat ein, dass
es derzeit nicht möglich sei, ein endgültiges Urteil zu fassen . Das
stellt nichts anderes dar als eine beschämende Beschwichtigungs- und
Vertröstungstaktik angesichts einer seit Jahrzehnten immer drängender
werdenden Problematik.

Die von Papst Franziskus einberufene Synode wäre eine großartige
Chance gewesen, die Schieflage, in der sich die Katholische Kirche in
der Geschlechterfrage befindet, immerhin ansatzweise auszutarieren.
Die Versammlungen vor und während der Synode haben gezeigt, dass die
Rolle und die Diskriminierung der Frauen in der Katholischen Kirche
weltweit als drängendes Problem erlebt werden. Dieses Problem wird
sich weiter verschärfen und weltweit werden immer mehr Frauen und mit
ihnen solidarische Männer der Kirche den Rücken kehren.

Anstatt das Problem der Diskriminierung von Frauen zum Wohle der
Kirche und der Gläubigen wenigstens in kleinen Schritten anzugehen,
schafft sich die Katholische Kirche mit ihrem heute veröffentlichten
Dokument nun ein zweites Problem: Indem sie mit einem römischen
Machtwort die Frauen auch weiterhin von allen Weiheämtern fernhält,
manövriert sie diese Weiheämter als solche nämlich selbst ins Aus.
Denn in einer aufgeklärten Gesellschaft wird kein Amt überleben
können, welches in sich geschlechterdiskriminierend ist. Die aktuelle
Verlautbarung aus dem Vatikan bestätigt aber genau diese
Diskriminierung. Sowohl das Diakonen- als auch das Priesteramt in der
derzeitigen Form stehen damit unweigerlich vor dem Aus, auch das der
Männer.

Die Kirche wird dann wohl wieder zu ihren laikalen Ursprüngen
zurückkehren. Die frühe Jesusbewegung war laikal, die heutige Zwei-
Klassen-Gesellschaft der Kirche mit ihrer Trennung zwischen Klerikern
und Lai:innen war ihr fremd; vielleicht stellt die Rückkehr zu diesem
Gleichheitsprinzip, wie es in Gal 3,28 biblisch überliefert ist, den
Ausweg aus der aktuellen Sackgasse und Krise dar: Wenn es generell
keine Weihe gibt, braucht es auch keine Frauenweihe zu geben.

Wir sind Kirche ruft alle Frauen auf, die in unseren Gemeinden
diakonale und priesterliche Dienste anbieten, dies weiterhin zu tun,
auch ohne eigene Weihe, die in Zukunft sowieso obsolet werden wird.

Die Kirche ist „Volk Gottes auf dem Weg“. Die Welt-Synode, die
erstmals in der jüngeren Geschichte auch nichtgeweihten Christinnen
und Christen Stimmrecht gab, war und ist eine großartige Chance, den
Weg der Kirche gemeinsam weiterzuentwickeln. Dazu braucht es aber
Offenheit und Transparenz sowie theologische Diskussionen auf der
Höhe der Zeit. Vatikanische Dokumente wie das heute von Kardinal
Petrocchi vorgelegte werden diesem Anspruch nicht gerecht und
gefährden stattdessen nicht nur den Synodalen Prozess an sich,
sondern auch die Zukunft der Kirche, wie wir sie kennen.

Martha Heizer, Vorsitzende von Wir sind Kirche : Römisch-
katholische Frauen müssen sich fragen und fragen lassen, warum sie in
einer Kirche bleiben, die zwar eine wunderschöne Botschaft verkündet,
aber durch ihre Strukturen vermittelt, dass sie einen
frauenverachtenden Gott vertritt.