Wien (OTS) – Die Säureattacke im Hanusch-Krankenhaus am Mittwoch, bei
der ein Arzt
und vier Spitalsmitarbeiterinnen und -mitarbeiter von einer Patientin
mit Buttersäure verletzt wurden, hat Ärztinnen und Ärzte wie auch die
Bevölkerung zutiefst schockiert. „Dass ein Kollege und
Krankenhausmitarbeiterinnen und -mitarbeiter an ihrem Arbeitsplatz
angegriffen wurden, ist inakzeptabel und muss uns alle alarmieren“,
sagt Johannes Steinhart, Präsident der Kammer für Ärztinnen und Ärzte
in Wien. „Wir beobachten seit Jahren eine sinkende Hemmschwelle für
aggressives Verhalten. Gewalt hat besonders in medizinischen
Versorgungseinrichtungen keinen Platz. Ein sicherer Arbeitsplatz für
Ärztinnen und Ärzte muss oberste Priorität haben.“ Die verletzten
Personen wurden umgehend versorgt und befinden sich glücklicherweise
auf dem Weg der Besserung.
Eine von der Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien beauftragte
Studie zeigt, dass mehr als die Hälfte der Ärztinnen und Ärzte
bereits Gewalt im Berufsalltag erlebt hat. Als Hauptgründe werden
lange Wartezeiten, überfüllte Praxen und Spitäler sowie der
anhaltende Personalmangel genannt.
„Die zunehmende Aggression ist auch Ausdruck einer wachsenden
Unzufriedenheit mit einem Gesundheitssystem, das für viele
Patientinnen und Patienten nicht mehr die Stabilität bietet, die sie
sich wünschen, wenn es ihnen schlecht geht. Dies erklärt zwar die
angespannte Situation, entschuldigt jedoch in keiner Weise Angriffe
jeglicher Art oder Drohungen gegen das medizinische Personal“, sagt
Naghme Kamaleyan-Schmied, Vizepräsidentin und Obfrau der Kurie
niedergelassene Ärztinnen und Ärzte in Wien. „Es darf nicht sein,
dass Ärztinnen und Ärzte mit einem mulmigen Gefühl zu ihrer Arbeit in
Spitälern oder Ordinationen gehen, aus Angst vor der nächsten
Ausschreitung.“
Gewaltvorfälle hinterlassen nicht nur körperliche, sondern häufig
auch psychische Spuren. „Vor allem Ärztinnen und Ärzte in den
Spitälern berichten von Gewalterfahrungen“, hält Eduardo Maldonado-
González, Vizepräsident und Obmann der Kurie angestellte Ärzte der
Kammer für Ärztinnen und Ärzte in Wien, fest.
„Gesundheitseinrichtungen verdienen einen besonderen Schutz. Dafür
braucht es die Unterstützung der Politik. Wir Ärztinnen und Ärzte
dürfen mit diesem Problem nicht allein gelassen werden.“ Die
Verantwortlichen sind gefordert, Maßnahmen zu erarbeiten, die ein
gewaltfreies Arbeiten sicherstellen und mehr Bewusstsein für das
Thema Gewaltschutz in der Medizin schaffen.
Angesichts der hohen Arbeitsbelastung, steigender Patientenzahlen
und wachsendem bürokratischen Aufwand stoßen viele Ärztinnen und
Ärzte an ihre Grenzen. Umso wichtiger ist es, für ein sicheres
Arbeitsumfeld zu sorgen.
„Wir als Standesvertretung unterstützen Kolleginnen und Kollegen,
die Opfer von Gewalt werden“, betont Präsident Steinhart. „Unsere
Ombudsstelle für Mobbing, Gewalt, Sexismus und Rassismus bietet
konkrete Hilfe an.“