Keine Bühne für mutmaßliche Täter – Banner und Kreideaktion vor Lindemann-Konzert in Wien

Wien (OTS) – Der umstrittene Rammstein-Frontmann Till Lindemann soll
am 29.11.2025
in der Wiener Stadthalle auftreten, obwohl sämtliche Vorwürfe zu
sexualisierter Gewalt und Missbrauch gegen ihn nicht ausgeräumt
werden konnten. Mehr als 6.200 Menschen haben einen #aufstehn-Appell
unterzeichnet und fordern die Absage des Konzerts. Bei einer Aktion
in Wien enthüllt die gemeinnützige Organisation nun ein Banner mit
der Aufschrift “#KeineBühne” – und klärt gemeinsam mit Expertinnen
auf, warum ein Auftritt Lindemanns unverantwortlich ist. Der Verein
Catcalls of Vienna macht zudem mit Kreidebotschaften auf den
vermeintlichen Machtmissbrauch des Sängers aufmerksam.

Honorarfreies Bild- und Videomaterial

Zwtl.: Stadthalle wälzt Verantwortung ab

“Dem Sänger trotz ungeklärter Vorwürfe eine Bühne zu bieten, und
das auch noch während den 16 Tagen gegen Gewalt an Frauen, ist
unverantwortlich. Wir glauben den Betroffenen”, erklärt Fatima Jost
von #aufstehn. Die gemeinnützige Organisation kritisiert, dass die
Veranstalter die Verantwortung abwälzen. Die Wiener Stadthalle wirbt
zwar auf ihrer Webseite damit, einen sicheren Ort für Besucher_innen
schaffen zu wollen. Auf die Anfrage, warum sie dennoch einem
mutmaßlichen Täter die Bühne bietet, verweist die Eventlocation auf
den externen Veranstalter (Racoon Live Entertainment GmbH). Die
Prüfung strafrechtlicher Vorwürfe falle nicht in ihre Zuständigkeit.

Zwtl.: Vorwürfe gegen Rammstein-Frontsänger nicht ausgeräumt

Die Verfahren gegen Lindemann wurden zwar eingestellt, allerdings
nur weil die Betroffenen anonym bleiben wollten. Dafür kann es viele
Gründe geben – etwa die Angst vor Hassnachrichten oder mangelnde
Ressourcen für einen jahrelangen Prozess. “Im Rechtsstaat gilt die
Unschuldsvermutung, nicht Verantwortungslosigkeit. Wenn die
öffentliche Hand Till Lindemann eine Bühne bietet, dann sendet das
ein falsches Signal an Betroffene sexualisierter Gehalt”, so
Rechtsanwältin und Expertin für Opferschutz Yara Hofbauer.

Zwtl.: Kunst nicht von Künstler zu trennen

In seinen Songtexten verherrlicht Lindemann Gewalt an Frauen –
was häufig mit dem Verweis auf Kunstfreiheit abgetan wird. Ein
Scheinargument, wie Unternehmerin und Künstlerin Sophie Tschannett
von Muschikraft erklärt: “Kunst hat den Auftrag zu enttabuisieren, zu
provozieren und zu berühren – angenehm und auch unangenehm. Kunst
darf aber nie von der kunstschaffenden Person getrennt werden. Das
Verhalten in den unterschiedlichen Rollen bedingt sich und muss als
eins gesehen und sanktioniert werden.”

Zwtl.: Gesellschaft normalisiert Gewalt an Frauen

“Die öffentliche Debatte rund um Till Lindemann zeigt, wie tief
verankert Machtgefälle und Sexismus in unserer Gesellschaft immer
noch sind”, so Luca von der Initiative Catcalls of Vienna, die im
Rahmen der #aufstehn-Aktion mit Kreidebotschaften auf den Gehwegen
nahe der Konzertlocation auf den mutmaßlichen Machtmissbrauch
Lindemanns aufmerksam macht. “Wir holen uns den öffentlichen Raum
zurück, indem wir schreiben, was sonst überhört oder ignoriert wird.
Jede Kreidebotschaft ist eine Erinnerung daran, dass Machtmissbrauch
– ob auf großer Bühne oder im Vorbeigehen auf der Straße – nicht
hingenommen werden darf.”