EU-Parlament macht Weg frei für realistische Umsetzung der EUDR

Wien (OTS) – „ Das Europäische Parlament macht den Weg frei, um die
Entwaldungsverordnung wenigstens ansatzweise praktikabel umsetzen zu
können “, kommentiert Dr. Erlfried Taurer, Obmann des Fachverbands
der Holzindustrie Österreichs, die heutige Abstimmung im Europäischen
Parlament zur EU-Entwaldungsverordnung (EUDR). Die Mehrheit der
Abgeordneten stimmte für eine Änderung der EUDR, wie sie bereits der
Europäische Rat fordert. Dazu erklärt Taurer: „ Rat und Parlament
sprechen sich gemeinsam dafür aus, die Anwendung der EUDR um zwölf
Monate zu verschieben. Zudem fordern Rat und Parlament, auf das
extrem aufwändige Weiterleiten von Referenznummern in der gesamten
Lieferkette zu verzichten. Dies verringert tatsächlich den
bürokratischen Aufwand der EUDR für unsere Mitglieder, ohne das
wichtige Ziel der Bekämpfung der weltweiten Entwaldung zu gefährden.

Zwtl.: Schnell Rechtssicherheit schaffen

Um die EUDR noch pünktlich zu verändern, ist bis Mitte Dezember
ein Kompromiss zwischen der Europäischen Kommission, dem Europäischen
Rat und dem Europäischen Parlament („Trilog“) notwendig. „Trotz der
klaren Positionierung von Rat und Parlament ist die Rechtslage zur
EUDR zum Jahreswechsel unklar“, kritisiert Taurer und fährt fort:
„Diese große Unsicherheit inmitten wirtschaftlich schwerer Zeiten ist
für unsere Mitgliedsunternehmen nicht akzeptabel. Daher appelliere
ich an Rat, Parlament und Kommission, sich schnell zu einigen. Unsere
Unternehmen brauchen Entlastungen, sinnvolle Rahmenbedingungen und
Rechtssicherheit statt politischem Taktieren.“

Zwtl.: EUDR bleibt eine Baustelle

Trotz der möglichen Verbesserungen wird die EUDR zusätzliche
Nachweispflichten für Millionen von Waldbesitzern einführen. Diese
neuen bürokratischen Hürden sind für Länder ohne Entwaldungsrisiko –
wie Österreich – unnötig. Forstwirtschaft und Holzindustrie werden
daher gemeinsam an Lösungen arbeiten, um den wirtschaftlichen Erfolg
der Wertschöpfungskette Holz fortführen zu können. Dazu erklärt
Taurer: „ Forstwirtschaft und Holzindustrie sind in Österreich
traditionell enge Partner. Wir werden jede Möglichkeit nutzen,
gemeinsam gegenüber der Politik auf praxisnahe Anwendung und weitere
Vereinfachungen zu drängen. “

Zwtl.: Hintergrund: EUDR – Bürokratie ohne Nutzen

Die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) verpflichtet Unternehmen, bei
jedem Verarbeitungsschritt von Holz und Holzprodukten nachzuweisen,
dass kein Entwaldungsrisiko besteht – vom Rohstoff bis zum fertigen
Produkt. Die EUDR betrifft nicht nur den Import, sondern auch
Herstellung, Handel und Export innerhalb der EU. Unternehmen müssen
sich laufend freibeweisen. In der Praxis führt das zu einem nicht
umsetzbaren Bürokratieaufwand. Durch Vermischungen auf Lagerplätzen
und in der Weiterverarbeitung müssten tausende Referenznummern
verwaltet und weitergegeben werden – bei jedem Bearbeitungsschritt,
jeder Lieferung, jedem Produkt. Die so entstehende Datenflut ist
weder überprüfbar noch zielführend.

Eine Studie aus Finnland beziffert die Kosten für die Einführung
allein dort auf über 200 Millionen Euro sowie auf jährlich 65
Millionen Euro an laufenden Kosten. Eine Umfrage des Hauptverbandes
der Deutschen Holzindustrie (HDH) geht von Kosten in Höhe von 1,8
Milliarden Euro aus, um die EUDR einzuführen, und von weiteren 1,2
Milliarden Euro für den jährlichen Betrieb. Europaweit droht ein
Milliardengrab – ohne erkennbaren Mehrwert.