Wien (OTS) – Die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) und das
Österreichische Institut
für Wirtschaftsforschung (WIFO) begrüßten am 25. November 2025 im
Haus des Sports zahlreiche hochkarätige Expertinnen und Experten aus
Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung bei ihrer dritten gemeinsamen
Fachtagung zu den Themen Wettbewerb, Fairness und Wandel. Die
ausgebuchte Veranstaltung wurde durch Bundesminister Wolfgang
Hattmannsdorfer, Bundesministerium für Wirtschaft, Energie und
Tourismus, eröffnet.
Im Fokus des Tages standen aktuelle Wirtschafts- und
Wettbewerbsthemen. Natalie Harsdorf (BWB), Gabriel Felbermayr (WIFO),
Helene Schuberth (ÖGB), Tobias Schweitzer (AK), Claudia Huber (WKÖ)
und Justus Haucap (DICE – Düsseldorf Institute for Competition
Economics) erörterten im ersten Block die „Industriestrategie
Österreich“ und wie es gelingt „zukunftsfit zwischen Industriepolitik
und Ordnungspolitik“ zu agieren. Moderatorin Andrea Hodoschek (Kurier
) brachte die zentralen Herausforderungen der aktuellen
wirtschaftspolitischen Debatte in die Runde ein. Hohe Inflation und
der steigende Druck entlang der gesamten Wertschöpfungskette prägten
die Diskussion. Ein gemeinsames Anliegen war es, die
Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken. Entsprechend spannten die
Beiträge den Bogen von konkreten wirtschaftspolitischen
Weichenstellungen bis hin zu grundlegenden Fragen, etwa den
Unterschieden zwischen Standort- und Industriepolitik. Deutlich wurde
dabei, dass der Wettbewerb durchgehend als tragende Säule der
Wirtschaftsordnung verstanden und konsequent in alle Überlegungen
einbezogen wurde.
Der spätere Vormittag unterteilte sich in zwei Break Out Sessions.
Zum einen wurde das Thema „Fairness in der Wertschöpfungskette:
Anspruch und Wunschdenken“ mit einem kritischen Impulsvortrag von
Elisabeth Werner, Generaldirektorin für Landwirtschaft und ländliche
Entwicklung der Europäischen Kommission (DG AGRI), beleuchtet. Dabei
lag der Fokus auf den aktuellen, von Österreich dem EuGH vorgelegten
Vorabentscheidungsverfahren im Bereich Landwirtschaft und
Einzelhandel. Das zur selben Zeit stattfindende Panel „Wettbewerb
sportlich gedacht“ wurde durch einen Impuls von Matthias Sutter vom
Max-Planck-Institut eingeleitet und warf die interessante These auf,
dass Wettbewerb im (Spitzen-)Sport als wesentliches Element
funktioniert, aber Leistung in vielen anderen Bereichen unserer
Gesellschaft in Frage gestellt wird. Beide Themen wurden durch eine
Diskussionsrunde mit Expertinnen und Experten aus diversen Branchen
vertieft.
Der Nachmittag startete mit einem Impulsvortrag von Bernhard
Kasberger (WIFO) zum Thema „Energiewirtschaft neu gedacht“.
Anschließend sorgten unterschiedliche Perspektiven unter anderem von
Susanna Zapreva (Verbund), Wolfgang Urbantschitsch (E-Control),
Martin Janda (BWB) und Franz Schellhorn (Agenda Austria) für eine
lebhafte Diskussion zu diesem hochaktuellen Thema, moderiert durch
Agnes Kügler (WIFO).
Der finale Teil der Veranstaltung zum Thema „Merger Control in
Transition: The Dawn of a New Era?“ wurde durch eine Keynote von
Guillaume Loriot, Stv. Generaldirektor zuständig für Fusionskontrolle
in der Generaldirektion für Wettbewerb (DG COMP) eingeläutet. Gefolgt
wurde die Keynote von einer Diskussionsrunde mit Vertreterinnen und
Vertretern der DG COMP, des Bundeskartellamts, der Studienvereinigung
Kartellrecht sowie der Universität Wien. Das Panel wurde moderiert
von Nora Schindler (BWB). Im Mittelpunkt stand die laufende
Konsultation der EU-Kommission zu den Leitlinien der
Fusionskontrolle, der digitale Wandel und der Einfluss auf die
Fusionskontrolle. “ Our task is to distinguish scale that supports
the Single Market from scale that harms competition, and to assess
both in a way that is grounded in market realities and evidence ”, so
Loriot.
„ Im Jahr 2025 steht Österreich vielen Herausforderungen gegenüber,
für deren Bewältigung eine effektive Wettbewerbspolitik und ein
funktionierender Wettbewerbsvollzug einen Beitrag leisten kann.
Wettbewerb ist kein Selbstzweck, sondern eine wichtige Grundlage für
Innovation, Vielfalt und Wohlstand. Gerade Österreich, mit einem KMU-
Anteil von über 90 %, hat ein starkes Interesse an funktionierendem
und auch fairem Wettbewerb, sowohl europäisch als auch global “, so
Natalie Harsdorf, Generaldirektorin der BWB.
„ Wir brauchen ein Comeback von Leistung und Wettbewerb. Es kann
nicht unser Anspruch sein, dass Österreich beim Wachstum am
Tabellenende steht. Wenn wir unseren Wohlstand und unseren
Sozialstaat sichern wollen, müssen wir wieder für echten Aufschwung
sorgen. Dazu gehört auch, dass wir weiter dafür sorgen, dass der
Wettbewerb gut funktioniert – dass klare Regeln gelten, Marktmacht
nicht missbraucht wird und mehr Angebot zu niedrigeren Preisen führt.
Mein Dank gilt allen, die daran arbeiten – insbesondere den
Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Bundeswettbewerbsbehörde ,“ so
Wirtschaftsminister Wolfgang Hattmannsdorfer.
„ Um die heimische Industrie wieder auf Wachstumskurs zu bringen,
sind eine glaubwürdige Strategie zur Absenkung der Energie-,
Bürokratie- und Lohnnebenkosten, offene Absatz- und
Beschaffungsmärkte, leistungsfähige Infrastruktur sowie stabile
Rahmenbedingungen, und zwar auf europäischer wie auf österreichischer
Ebene, erforderlich. Einschränkungen des internationalen Wettbewerbs
oder die Diskriminierung ausländischer Anbieter sind nicht zu
empfehlen, weil sie zu höheren Preisen, niedriger Qualität und
weniger Produktivitätswachstum führen. Zur Herstellung eines
unverzerrten Wettbewerbs ist die konsequente Anwendung von
zweckmäßigen Grenzausgleichsmechanismen sowie die konsequente
Anwendung von WTO-Recht notwendig “, so Gabriel Felbermayr, Direktor
des WIFO.