Diakonie und Behindertenrat: Trotz des aktuellen Spardrucks haben Menschen ohne Lautsprache ein Recht auf Kommunikation

Wien (OTS) – „Seit mehr als 15 Jahren setzen sich Diakonie und
Verbund gemeinsam
für das Recht auf Kommunikation für Menschen ohne Lautsprache ein.
Angesichts des aktuellen Spardrucks stehen nicht nur Fortschritte
beim Recht auf Kommunikation infrage, es sind Rückschritte zu
befürchten“, erklärt Diakonie Direktorin Maria Katharina Moser im
Vorfeld des Internationalen Tags der Menschen mit Behinderungen am 3.
Dezember.

Rund 63.000 Menschen in Österreich sind in ihrer Lautsprache
eingeschränkt. Sie brauchen technische Hilfsmittel, sogenannte
„Assistierende Technologien“, und Beratung und Begleitung, damit sie
mithilfe der Geräte sprechen können. Die Diakonie fordert einen
Rechtsanspruch auf diese Hilfsmittel.

„Die 2008 von Österreich unterzeichnete UN-
Behindertenrechtskonvention verpflichtet Österreich dazu, die
Verfügbarkeit, die Kenntnis und die Verwendung unterstützender Geräte
und Technologien, die für Menschen mit Behinderungen bestimmt sind,
für die Zwecke der Habilitation und Rehabilitation, zu fördern“,
zeigt Manuela Lanzinger, Vizepräsidentin des Behindertenrates, die
Dringlichkeit deutlich auf.

Zwtl.: Weg zum passenden Hilfsmittel weiterhin kompliziert

Trotz langjähriger Bemühungen bleibt der Weg zum passenden
Hilfsmittel weiterhin kompliziert und die Anschaffung für die
Betroffenen oft sehr teuer. Viele unterschiedliche Ämter und Stellen
auf Landes- und Bundesebene sind involviert. Und die Gesundheitskasse
findet immer wieder Gründe, die Kosten für Kommunikations-Hilfsmittel
nicht oder nur teilweise zu übernehmen.

Ein Beispiel zeigt, was möglich ist: Ein Kind ohne Lautsprache
erhält durch eine gezielte Beratung ein technisches
Kommunikationshilfsmittel – eine Augensteuerung. Die Familie wird
Schritt für Schritt begleitet: von der Auswahl des passenden Geräts
über die Finanzierung bis hin zur praktischen Anwendung im Alltag.
Durch Engagement und Unterstützung gelingt es, dass das Hilfsmittel
und die begleitende Schulung vollständig durch öffentliche Gelder
finanziert werden. „Endlich kann das Kind mit seinem Hilfsmittel
„sprechen“ lernen und am Leben teilhaben – in Schule, Familie und
Freizeit“, erzählt Carina Bloder, Beraterin für Unterstützte
Kommunikation der Diakonie.

Ein anderes Beispiel zeigt jedoch, wo das System an seine Grenzen
stößt: Ein weiteres Kind mit denselben Bedarfen erhält keine
Finanzierung. Die Familie ist unsicher im Umgang mit Behörden,
Anträge werden abgelehnt – das Kind bleibt ohne Hilfsmittel, ohne
Stimme, ohne Teilhabe.

„Deshalb ist es umso wichtiger, dass der Rechtsanspruch auf die
Finanzierung assistierender Technologien für Menschen mit
Behinderungen etabliert wird“, betont Lanzinger. „Dieser
Rechtsanspruch muss neben der Finanzierung des Hilfsmittels selbst
auch zentrale Anlaufstellen in allen Bundesländern, wo die
Beantragung und Genehmigung rasch und unbürokratisch abgewickelt
werden kann, sowie Beratung, damit Betroffene zu dem für sie
passenden Hilfsmittel kommen und es auch anwenden lernen, umfassen.“

Zwtl.: Wichtige Kooperation zwischen Diakonie und VERBUND sichert
Versorgung und Beratung zu Unterstützter Kommunikation

Der Stromversorger VERBUND unterstützt seit mehr als 15 Jahren
mit dem VERBUND-Empowerment Fund der Diakonie die individuelle
Beratung von rund 10.000 Menschen mit Behinderungen zu Möglichkeiten
Unterstützter Kommunikation und Assistierender Technologien und hilft
auch bei Finanzierungslücken in der Anschaffung von Hilfsmitteln.
„Wir sind sehr froh, über diesen langjährigen und essenziellen
Beitrag zur öffentlichen Wahrnehmung für das Recht auf Kommunikation
für Menschen mit Behinderungen in der Lautsprache“, unterstreicht
Maria Katharina Moser.

„Seit mehr als 15 Jahren setzen wir uns bereits gemeinsam mit der
Diakonie dafür ein, und wir werden nicht müde, diese wichtigen
Forderungen immer wieder zu erneuern“, so VERBUND CEO Michael Strugl.
„Gerade Kinder brauchen die Hilfsmittel, um sprechen zu lernen, auch
hier ist der Zeitfaktor essenziell. Jeder Tag, den sie warten müssen,
ist einer zu viel“, so Strugl.

Der Österreichische Behindertenrat fordert Maßnahmen zur
optimalen Versorgung und Finanzierung von Hilfsmitteln. Hier geht‘s
zum Positionspapier:
https://www.behindertenrat.at/stellungnahmen/position-des-
oesterreichischen-behindertenrats-zur-hilfsmittelversorgung/

Katharina (14) ist Testimonial der aktuellen Diakonie Kampagne.
Sie hatte Glück

Kathi Panholzer ist 14 Jahre alt. Sie hatte Glück. Sie lebt in
Oberösterreich, und ihre Familie bekam die nötige Unterstützung und
Kathi die nötigen Kommunikations-Geräte. So kann die junge Frau
zuhause und in der Schule ihre Stimme erheben, wann immer sie will.
Mit ihren Augen steuert sie den Computer, und ihr Sprachausgabe-Gerät
leiht ihr ihre Computerstimme. So ist Kathi, die mit starken Muskel-
Zuckungen (sog. Spasmen) und ohne Lautsprache lebt, nicht weiter
sprachlos.

Kathis Geschichte ist hier im Detail zu lesen:
https://www.diakonie.at/katharina-und-irmgard

Hier hört man Kathi sprechen:

Aktuell sind Kathi und ihre Betreuerin für Unterstützte
Kommunikation, Irmgard Steininger auf Großformat-Plakaten der
Diakonie in ganz Österreich zu sehen.