AustrianSkills: Voller Fokus bei den „Finals“ – junge Fachkräfte gehen ans Limit

Salzburg (OTS) – Samstag im Messezentrum: Zwischen Akkuschraubern,
Funkenflug und
konzentrierten Handgriffen liegt Knistern in der Luft. Eltern,
Freunde, Lehrbetriebe: Alle sind da, warten dicht an dicht an den
Absperrungen. Es ist Tag drei und Finaltag der österreichischen
Staatsmeisterschaften. Knapp 500 junge Fachkräfte sind in ihren 46
Berufen und 4 internationalen Bewerben noch einmal voll gefordert.

SkillsAustria-Präsident Josef Herk : „Die Stimmung, wenn die
‚Finals‘ beginnen und rot-weiß-rote Fahnen geschwenkt werden, ist
Leidenschaft und Gänsehautfaktor pur. Gerade in wirtschaftlich
schwierigen Zeiten braucht es diese Motivation und Leidenschaft: Die
Konjunktur beginnt in den Köpfen. Wenn die Jugend mit Freude und
Begeisterung in die Zukunft blickt – und wir sie als
Wirtschaftskammer dabei unterstützen können – dann macht uns das
stolz.“

“Erntedankfest” bei den Betonbauern

Bei den Betonbauern, wo millimetergenau eingeschalt, verdichtet
und kontrolliert wird, spürt man den Druck vor dem erlösenden
Finalgong besonders. Die Aufgaben verlangen Präzision unter
Zeitstress, jede Abweichung kostet Punkte – und am Ende womöglich den
Titel.

Der Niederösterreicher Thomas Prigl , Chefjuror und
Medaillenmacher bei den heimischen Betonbauern, weiß genau, was in
dieser Phase passiert: „Du kämpfst damit, dass dir nicht die Tränen
kommen, atmest bewusst durch. Gleichzeitig fällt eine Last von dir
ab, weil du stolz bist auf das, was die Jungs geleistet haben. Du
lässt die dreijährige Ausbildung Revue passieren – ein kleines
Erntedankfest. Einfach genießen, durchatmen, sich kurz zurücklehnen
und den Applaus des Publikums aufsaugen.“

Fliesenleger sind auf China getrimmt

Ähnlich die Situation bei den Fliesenlegern, beschreibt Chefjuror
Andreas Stiegler aus der Steiermark: „Wenn die Zeit knapp wird und
die Zuschauer vorbeikommen, ist es für uns als Jury immer emotional.
Am Schluss fällt bei allen der Druck ab – vor allem bei den
Teilnehmern, aber auch bei uns. Wenn der Wettbewerb gut gelaufen ist,
stoßen wir darauf an, dass alles sauber über die Bühne gegangen ist.“

Davor aber knien sich die Teilnehmenden nochmals voll rein: Das
Werkstück der Fliesenleger bildet eine komplette Duschsituation ab:
Am Boden ist ein exaktes Gefälle hin zu einem zentralen Abfluss
herzustellen, die Rückwand umfasst eine sauber eingearbeitete Nische,
und als gestalterisches Hauptelement wird die chinesische Flagge samt
stilisiertem Shanghai Tower als Fliesenmotiv umgesetzt. Ein
Vorgeschmack auf WorldSkills 2026, sagt Stiegler: „Wir hoffen, dass
sich wieder ein Spitzenkandidat herauskristallisiert, den wir
nächstes Jahr nach Shanghai zu den WorldSkills schicken können. Der
Staatsmeister qualifiziert sich ja direkt dafür.“

Kfz-Europameisterin legte Spurwechsel hin

Erstmals in neuer Position erlebt Leonie Tieber die „Finals“: Die
amtierende Europameisterin in der Kfz-Technik feiert bei
AustrianSkills ihre Premiere als Jurorin. „Der Unterschied zur
Wettbewerbsseite ist enorm: Man ist nicht nervös, man hat keinen
Druck. Man schaut einfach genau zu, was die Teilnehmer machen, und
muss sich selbst nicht den Kopf zerbrechen, weil man ja weiß, wie die
Aufgaben funktionieren“, ist die Goldmedaillengewinnerin entspannt.

Mit den Wettbewerbern fiebere sie dafür umso mehr mit, betont die
Paldauerin: „Wenn am Nachmittag die Finals starten und die Uhr
runterläuft, entsteht eine unglaubliche Stimmung. Wenn ich an
Dänemark zurückdenke, kommen mir heute noch die Tränen, wenn ich die
Bilder anschaue. Das ist ein Wahnsinn, was da abgeht. Den Teilnehmern
rate ich, fokussiert zu bleiben, alles auszublenden, konzentriert
weiterzuarbeiten und sich nicht ablenken zu lassen – dann
funktioniert es.“

„Besonderer Moment“

Neu auf der Juryposition ist auch Magdalena Rath aus Graz: Die
Bronzemedaillengewinnerin der WorldSkills 2023 (in Digital
Construction) weiß, wie sich der Druck anfühlt. „Das Finish ist ein
besonderer Moment. Es feuern wirklich alle an. ‚I am from Austria‘
wird laut gesungen, es wird gejubelt, die Stimmung ist unglaublich.
Die Teilnehmer versuchen noch, die letzten Handgriffe zu setzen,
während schon alle rundherum feiern. Und wenn der Schlusspfiff kommt,
weiß man: Ich habe jetzt drei Tage Wettbewerb geschafft.“

Strenges Prozedere

Für die Expert:innen beginnt dann aber erst die Arbeit:
Werkstücke, Module und Leistungen jedes Teilnehmenden müssen final
überprüft werden. Dem Bewertungsverfahren liegen strenge und
transparente Kriterien zugrunde. Die Teilnehmenden mit den höchsten
Punktezahlen erobert schließlich den Staatsmeistertitel im jeweiligen
Beruf – und werden im Zuge der Siegerehrung am Sonntagnachmittag (ca.
13 bis 16 Uhr) bekanntgegeben.

Salzburger Berufsbildungstage

Die AustrianSkills sind Teil der Salzburger Berufsbildungstage,
dem größten Bildungsevent Österreichs: Parallel zu den Wettbewerben
finden auf dem Messegelände die Berufsinfo-Messe BIM, BeSt – die
Messe für Beruf, Studium und Weiterbildung – sowie erstmals die
EAKON, die Europäische Ausbildungskonferenz, statt. (PWK484/HSP)

O-TÖNE mp3 zum Download (von Josef Herk, Leonie Tieber, Magdalena
Rath, Thomas Prigl, Andreas Stiegler)

FOTOS (© SkillsAustria/Wieser/Slovencik)

Aktuelle Bilder von Tag 2 der AustrianSkills finden Sie hier ,
die „Final“-Fotos werden hier im Laufe des Nachmittags hochgeladen.

Betonbau-Experte Thomas Prigl aus Niederösterreich formt die
Weltmeister von morgen ( hier zum Foto )

Die amtierende Kfz-Europameisterin Leonie Tieber ist bei den
AustrianSkills erstmals als Jurorin mit von der Partie ( hier zum
Foto )

Chefjuror und Experte im Fliesenlegen Andreas Stiegler fiebert
mit den Teilnehmenden mit ( hier zum Foto )

Magdalena Rath: Die Bronzemedaillengewinnerin ist als Jurorin in
Digital Construction tätig ( hier zum Foto )