Salzburg (OTS) – Der Winter ist in Salzburg angekommen. Im
Messezentrum ist davon
nichts zu spüren: Maschinen laufen, Druckluft zischt, ein Hammer
schlägt metallisch auf. Bei den Staatsmeisterschaften der Berufe wird
auf 21.000 Quadratmetern in 46 Berufen geschweißt, gehämmert,
lackiert, montiert, gemessen und programmiert. Mehr als 500 junge
Fachkräfte arbeiten an Tag zwei der AustrianSkills akribisch an ihrem
Ziel: dem Staatsmeistertitel und damit die Qualifikation für
WorldSkills in Shanghai 2026 bzw. EuroSkills in Düsseldorf 2027.
Vizeweltmeisterin malt sich EM-Teilnahme aus
Eine, die diese Bühne bestens kennt, ist die Niederösterreicherin
Lena Prinz : Die Vizeweltmeisterin von WorldSkills Lyon 2024 kämpft
erneut im Bewerb der Malerinnen und Maler. „Ich will mit einer
Topleistung das Ticket für EuroSkills in Düsseldorf lösen“, lässt die
Enzesfelderin keinen Zweifel aufkommen. Die Flächen hat die Fachkraft
vom Meisterbetrieb Sandro Prinz an Tag eins sauber abgeklebt, die
Farbtöne exakt angerührt. Ihr Arbeitsplatz wirkt strukturiert und
geordnet. „Der erste Tag ist gut gelaufen. Tapete, Farbmischen – ich
bin in der Zeit. Ich hoffe, dass ich dieses Tempo über die nächsten
Stunden halten kann“, sagt die Mitfavoritin. Am Nachmittag folgt das
anspruchsvollste Modul: „Beim Speedbewerb bekommen wir alle
gleichzeitig den Plan und starten zur selben Zeit. Es zählt, wer das
Design am schnellsten sauber auf die Wand bringt. Das ist purer
Druck, aber genau das mag ich“, erklärt Prinz.
FOTO (© SkillsAustria/Wieser/Slovencik) Malerin Lena Prinz ist an
Tag 2 im Speedmodul gefordert ( hier zum Foto )
O-TON von Lena Prinz (hier zum Download)
Oberösterreichischer Europameister unter Druck
Ein paar Hallen weiter bleibt ein weiterer Favorit cool –
persönlich wie inhaltlich. In der Kälte- und Klimatechnik führt an
Jonas Danninger kein Weg vorbei: Der Herzogsdorfer ist amtierender
Europameister und zählt mit 21 Jahren bereits zu den Routiniers im
Starterfeld. Die Staatsmeisterschaften sollen ihm den Weg zur WM 2026
nach Shanghai eröffnen. „Mir ist es bislang gut gegangen. Die
Konkurrenz schläft aber nicht. Jeder gibt alles. Ich muss mehr als
100 Prozent abliefern. Mein Ziel ist klar: Ich will gewinnen“, sagt
Jonas.
Dazu muss er eine Kälteanlage aufbauen, Leitungen anpassen,
Verbindungen herstellen, sauber löten und auf Dichtheit prüfen.
Rohrabschneider, Biegezange, Flaschen mit Reinigungsmittel und
Messwerkzeuge liegen vor ihm. An der Wand: sauber verlaufende
Kupferleitungen, exakt im gleichen Abstand fixiert, alles für die
Juroren bewertbar. Ein Knick im Rohr, eine unsaubere Lötstelle, ein
falscher Winkel – und der WM-Traum würde platzen.
Obwohl der Druck hoch ist, bleibt Danninger ruhig. Gleich neben
ihm sehen 70 Lehrlinge seines Arbeitgebers Hauser zu und drücken die
Daumen. „Obwohl mich das sehr freut, muss man es ausblenden“, sagt
Danninger.
FOTO (© SkillsAustria/Wieser/Slovencik) Kälte- und Klimatechniker
Jonas Danninger ist amtierender Europameister und kämpft ums WM-
Ticket ( hier zum Foto )
O-TON von Jonas Danninger (hier zum Download)
Ein Quartett kämpft um europäisches Gold
Während Prinz, Danninger und alle anderen um das Ticket für die
internationalen Bewerbe kämpfen, ist ein österreichisches Quartett
schon mittendrin. Bei den parallel stattfindenden Independent Skills
Championships Europe (ISCE) treten Spengler Jakob Gratl aus Tirol,
Digital-Construction-Spezialist Tobias Weißengruber aus
Niederösterreich, Steinmetzin Juliana Hain aus Hofkirchen (OÖ) und
Glasbautechniker Marcel Resch aus der Steiermark an. Aus
organisatorischen Gründen wurden ihre Berufe nicht bei EuroSkills in
Dänemark ausgetragen – sie kämpfen in Salzburg um europäisches
Edelmetall.
Tiroler Spengler will aufs Podium
Für Spengler Gratl ist das Heimspiel von Vorteil: „Vor so vielen
Menschen hier in Österreich Vollgas geben zu können, ist einfach
mega.“ Der Aufbau, den Gratl in Salzburg zeigt, ist ein dreiseitiges
Bauteil, getrennt durch einen Grat und einen eingearbeiteten Kamin,
dahinter der Wandanschluss. „Man braucht am ersten Tag die Zeit
schon, um für den zweiten Tag herzurichten. Ich glaube, es ist sonst
fast unmöglich, das alles fertigzubekommen“, sagt er. „Am Ende zählt,
ob du gegen die Uhr bestehen kannst. Und trotzdem darfst du nicht
schlampig werden, weil jeder Fehler doppelt Zeit kostet.“ Sein Ziel
ist das Podium: „Platz drei würde mir schon reichen“, sagt die
Fachkraft aus Schmirn.
FOTO (© SkillsAustria/Wieser/Slovencik) Spengler Jakob Gratl will
im europäischen Bewerb den Sprung aufs Podium schaffen. ( hier zum
Foto , hier zum Foto )
O-TON von Jakob Gratl (hier zum Download)
Steirischer Glasbautechniker will fehlerlos bleiben
Mit Zeitdruck kämpft auch Glasbautechniker Marcel Resch aus der
Steiermark. Seine Aufgabe: millimetergenaue Glasanpassungen, sauber
gesetzte Kanten, passgenaue Beschläge – alles in einer Abfolge, die
keine Improvisation zulässt. „Zeitdruck ist für uns Glasbautechniker
immer ein Thema. Aber die eigentliche Herausforderung ist das
Material selbst. Glas verzeiht keinen Fehler. Ein falscher Winkel,
ein Hauch zu viel Druck – und das Werkstück ist verloren. Präzision
und Tempo gleichzeitig abzurufen, das ist der wahre Härtetest hier.
Da werden Kratzer mit der Taschenlampe gesucht“ sagt die Fachkraft
aus St. Andrä im Sausal, die für Hütinger Glas in Kaindorf tätig ist.
FOTO (© SkillsAustria/Wieser/Slovencik) Steirer in Salzburg:
Glasbautechniker Marcel Resch will den Titel holen ( hier zum Foto )
Oberösterreichische Steinmetzin lässt sich nicht ablenken
Mit einem nicht weniger komplexen Werkstoff hat es EM-Starterin
Juliana Hain zu tun: Die Steinmetzin aus Hofkirchen steht mit
Gehörschutz, Maske und sauber sortiertem Werkzeug am Werkstück, einem
hellen Steinblock, aus dem sie die geforderten Konturen
herausschlägt. Jeder Schlag muss sitzen, kein Ausbruch, keine zu tief
gesetzte Linie. „Das Entscheidende ist, gleich von Anfang an die
richtige Tiefe zu treffen, sonst holst du das später nicht mehr auf“,
sagt sie. Der feine Staub, der bei jedem Schlag aufwirbelt, zeigt,
wie konstant sie arbeitet. Hinter ihr hängt eine große rot-weiß-rote
Fahne, unterschrieben von Kolleginnen und Kollegen. „Das gibt
Rückhalt, wenn man weiß, dass so viele mitfiebern“, sagt Hain. Ihre
Bewegungen bleiben trotzdem präzise, kein unnötiger Blick zur Seite,
kein Zeitverlust. „Für mich geht es darum, sauber durchzukommen. Wenn
die Linie stimmt, kommt der Rest von selbst.“
FOTO (© SkillsAustria/Wieser/Slovencik) Ein Wettbewerb, der
keinen Fehler verzeiht: Steinmetzin Juliana Hain ( hier zum Foto )
Digitale Herausforderungen für niederösterreichischen
Spezialisten
Bei Tobias Weißengruber wirkt der Bewerb wie ein Gegenpol zu den
handwerklichen Berufen. Der Niederösterreicher steht nicht zwischen
Maschinenlärm und Funkenflug, sondern vor mehreren Screens, Modellen
und Linien, die sich nur digital bewegen. „Digital Construction“ geht
eher still über die Bühne – aber nicht mit weniger Druck.
Weißengruber modelliert, verschneidet und kontrolliert Bauteile,
während die Jury jeden Schritt mitverfolgt. „Fehler sieht man hier
nicht sofort – sie rächen sich meist erst beim Zusammenführen“, sagt
er.
Seine Aufgabe: ein komplexes Gebäudemodell exakt nach Vorgabe zu
erstellen, Kollisionen zu vermeiden und die Daten so aufzubereiten,
dass sie in der Praxis ohne Nacharbeit funktionieren würden.
Weißengruber arbeitet ruhig und methodisch, überprüft jede Linie
doppelt, bevor er weitergeht. „Es ist ein Mix aus Tempo und
Genauigkeit. Wenn du zu schnell bist, übersiehst du Details – wenn du
zu langsam bist, reicht die Zeit nicht.“ In diesem Beruf ist alles
messbar. Jede Abweichung wird digital gespeichert, jede Ungenauigkeit
bleibt sichtbar. Für Weißengruber ist klar: „Wenn das Modell sauber
steht, ist das halbe Rennen entschieden.“
Wer tatsächlich als Erster durchs Ziel geht, wird von den Fach-
Juroren entschieden – und am Sonntag im Rahmen der Siegerehrung (ab
13 Uhr) bekanntgegeben.
FOTO (© SkillsAustria/Wieser/Slovencik) Tobias Weißengruber ,
Spezialist in Digital Construction, kämpft hochkonzentriert um
europäisches Gold ( hier zum Foto )
Salzburger Berufsbildungstage
Die AustrianSkills sind Teil der Salzburger Berufsbildungstage,
dem größten Bildungsevent Österreichs: Parallel zu den Wettbewerben
finden auf dem Messegelände die Berufsinfo-Messe BIM, BeSt – die
Messe für Beruf, Studium und Weiterbildung – sowie erstmals die
EAKON, die Europäische Ausbildungskonferenz, statt. Die zweitägige
Konferenz, veranstaltet von Talents & Company, richtet sich gezielt
an Ausbilder:innen, HR-Verantwortliche sowie Expert:innen der
beruflichen Bildung. (PWK481/HSP)
AustrianSkills auf einen Blick
–
Wann: Wettbewerbstage 20.–22. November 2025, 9-17 Uhr,
–
Siegerehrung 23. November 2025 um 13 Uhr
–
Wo : Messezentrum Salzburg, Am Messezentrum 1, 5020 Salzburg
–
Highlights : 46 Wettbewerbsdisziplinen sowie vier internationale
Bewerbe (Glasbautechnik, Spengler, Digital Construction, Steinmetz),
„Try a Skill“-Stationen
–
Für wen : Schüler, Eltern, Lehrkräfte, Ausbildungsbetriebe und
alle Interessierten
Weitere Infos:
Weitere Fotos (© SkillsAustria/Wieser/Slovencik):
Hier finden Sie die Bilder von Wettkampftag eins.
Hier werden im Laufe des Tages Bilder von Wettkampftag zwei
ergänzt.