Montevideo/Wien (OTS) – Die Situation um das Tiertransportschiff
Spiridon II verschärft sich:
Seit fast zwei Tagen sendet das Schiff kein AIS-Signal mehr – alles
deutet darauf hin, dass das Ortungssystem für Schiffe gezielt
abgeschaltet wurde. Das in Uruguay mit rund 3.000 Rindern beladene
Tiertransportschiff lag wochenlang vor der türkischen Küste fest,
nachdem die Einfuhr der Tiere verweigert wurde . Nun verschwand es
auf dem Rückweg nach Uruguay zwischen Italien und Tunesien vom Radar.
Zwtl.: Ortungssignal aus – Verdacht auf illegale Entsorgung
Laut internationalen Expert:innen und NGOs muss es als Notfall
gewertet werden, wenn ein Schiff über so eine lange Zeit nicht
geortet werden kann – erst recht bei einem Schiff, das bereits zuvor
durch Verstöße und schlechte Zustände aufgefallen ist. Das mögliche
Abschalten des Ortungssignals weckt den Verdacht, dass illegale
Entsorgungen stattgefunden haben könnten – etwa von Tierkadavern oder
Gülle – was im Mittelmeer streng verboten ist.
Die Spiridon II fährt unter der Flagge Togos, während die
Eigentümerfirma in Honduras registriert ist und der operative
Betreiber laut Schiffsunterlagen seinen Sitz im Libanon hat. Dieses
Geflecht aus Zuständigkeiten erschwert Kontrolle, Haftung und
Durchsetzung rechtlicher Standards erheblich.
The Marker hat die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (
IMO), die Europäische Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs (
EMSA) sowie die zuständigen Behörden in Togo auf das deaktivierte AIS
-Signal hingewiesen. Das Abschalten des Ortungssystems für längere
Zeit bedeutet ein Sicherheitsrisiko für alle Schiffe auf dem
Mittelmeer und ist laut internationalem Seerecht aus diesem Grund
unzulässig.
Zwtl.: Firmenbanner aus Österreich auf der Spiridon II – Posting nach
Anfrage gelöscht
Am 21. September – dem Tag der Abfahrt der Spiridon II –
veröffentlichte der Geschäftsführer des mutmaßlich beteiligten
österreichischen Unternehmens ein Foto auf Social Media, das das
Schiff beim Verladen der Tiere im Hafen von Uruguay zeigt. Deutlich
zu erkennen: ein großes Banner der Firma an der Reling der Spiridon
II . Der Begleittext lautete: „Loading for Turkey – breeding heifers
in Uruguay“. Kurz nachdem The Marker dem Unternehmen eine Anfrage zu
seiner möglichen Rolle bei dem Transport gestellt hatte, wurde der
Beitrag gelöscht.
Tobias Giesinger von der Recherche-Plattform The Marker : „Ein
Schiff mit tausenden Tieren verschwindet vom Radar – und niemand
scheint sich verantwortlich zu fühlen. Tierschutzorganisationen
befürchten, dass währenddessen Tierkadaver und Gülle illegal ins Meer
entsorgt werden. Und obwohl die Hinweise deutlich sind, weist die
österreichische Firma jede Beteiligung zurück.“
Zwtl.: Chronologie der Ereignisse laut offiziellen Informationen und
Schifftracking-Plattformen
–
19. September 2025: Abfahrt der Spiridon II aus Montevideo (
Uruguay) mit 2.901 trächtigen Rindern an Bord.
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22. Oktober 2025: Ankunft in Bandirma (Türkei). Türkische
Behörden verweigern die Einfuhr wegen schwerer Dokumentationsmängel.
Das Schiff wird festgesetzt.
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31. Oktober 2025: Verlegung vom Hafen an einen Ankerplatz vor der
türkischen Küste.
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8. November 2025: Kurzzeitige Rückkehr in den Hafen zur
Nachladung von Futter – Tiere bleiben an Bord.
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9. November 2025: Rückfahrt zum Ankerplatz – weiterhin keine
Entladung der Tiere.
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14. November 2025: Abfahrt Richtung Uruguay – angegebene
Ankunftszeit ist der 14. Dezember
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18. November 2025, 16:41 UTC: Letztes AIS-Signal der Spiridon II
. Das Schiff ist seither nicht mehr ortbar.