Offener Brief des Vereins für Proteinvielfalt in Österreich und weiterer Organisationen an Bundesminister Norbert Totschnig

Wien (OTS) – Sehr geehrter Herr Bundesminister Totschnig,

im Namen des Vereins für Proteinvielfalt in Österreich (VPO), zu
dessen Mitgliedern namhafte heimische Unternehmen wie BILLA, Lidl
Österreich, HOFER, SPAR, Berger Schinken, VeggieMeat, Mona, Kern Tec
und Revo Foods zählen, wenden wir uns gemeinsam mit weiteren
Organisationen – darunter der Handelsverband , der Verband der
Ernährungswissenschaften Österreichs und der Fachverband des
Lebensmittelhandels der WKÖ – mit großer Sorge an Sie. Das EU-
Parlament hat Anfang Oktober für ein Verbot von Bezeichnungen wie
„Veggie-Burger“, „pflanzliches Schnitzel“ oder „Tofu-Wurst“ gestimmt.
Bereits am 24. November 2025 findet in Brüssel eine Sitzung des
Sonderausschusses Landwirtschaft statt, in der die Position der EU-
Mitgliedstaaten zum Verbotsvorschlag festgelegt werden soll.

Mit Blick auf die bevorstehende Entscheidung auf EU-Ebene fordern
wir Sie eindringlich auf, für Österreich im EU-Ministerrat gegen das
sogenannte „Veggie-Burger-Verbot“ zu stimmen und sich damit klar
gegen eine Maßnahme zu stellen, die Verbraucher:innen die
Orientierung erschwert, unnötige Bürokratie schafft und Chancen für
die heimische Landwirtschaft sowie Innovation blockiert. Auch Ihr
deutscher Amtskollege, Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer (
CSU), hat sich öffentlich gegen das Verbot ausgesprochen und betont,
dass Verbraucher:innen sehr gut zwischen pflanzlichen und tierischen
Produkten unterscheiden können. Ein Verbot wäre daher unnötig und
bürokratisch.

Der Vorschlag des Europäischen Parlaments stößt auch abseits der
Politik auf breite Ablehnung, wie das offene Schreiben auf
NoConfusion.org zeigt, das bereits von über 600 Organisationen und
Unternehmen in der gesamten EU unterstützt wird, darunter führende
Lebensmittelhersteller, Konsumentenschutz-Organisationen und
Umweltorganisationen.

Zwtl.: Die Argumente gegen das „Veggie-Burger-Verbot” sind zahlreich
und eindeutig:

Verbraucher:innen wissen, was sie kaufen. Begriffe wie „veganer
Burger“ oder „100% pflanzliches Filet Huhn-Art“ sind längst etabliert
und bieten Verbraucher:innen eine klare Orientierung, was sie von
einer pflanzlichen Alternative hinsichtlich Geschmack, Textur und
Zubereitung erwarten können. Ein Verbot dieser Begriffe würde die
Informationen an Verbraucher:innen verschlechtern.

Pflanzliche Alternativen sind bereits heute klar gekennzeichnet.
Die geltenden EU-Vorgaben verlangen eine eindeutige Kennzeichnung als
„pflanzlich“ oder „vegan“. Eine Verwechslung ist somit praktisch
ausgeschlossen.

Ein Verbot widerspricht den Präferenzen der Mehrheit der EU-
Bürger:innen , die laut Erhebungen die Verwendung vertrauter Begriffe
für pflanzliche Produkte ausdrücklich befürworten – vorausgesetzt,
diese sind klar und transparent als vegetarisch oder pflanzlich
gekennzeichnet, was dem derzeitigen Gesetzesstand und Marktstandard
entspricht.

Gesetzliche Beschränkungen untergraben zentrale EU-Ziele in den
Bereichen Umwelt- und Klimaschutz, Gesundheit und
Ernährungssicherheit , zu denen pflanzliche Alternativen einen
konkreten Beitrag leisten können.

Zwtl.: Pflanzliche Alternativen bieten Chancen für die regionale,
heimische Landwirtschaft:

Kein realer Wettbewerbseffekt: Der Marktanteil pflanzlicher
Fleischalternativen liegt in Österreich bei ca. 1 % und stellt somit
keine Bedrohung für die tierische Produktion dar.

Konsument:innen , die bewusst nach pflanzlichen Alternativen
suchen, greifen nicht plötzlich zu einem Schweinschnitzel, nur weil
das pflanzliche Schnitzel nicht mehr so heißen darf.

Pflanzliche Alternativen eröffnen neue Chancen für die
Landwirtschaft: Namensverbote für pflanzliche Produkte steigern weder
Absatz noch Preis tierischer Produkte und bieten Landwirt:innen
keinen Mehrwert. Gleichzeitig hat Österreich beim Anbau von
hochwertigem Pflanzenprotein, insbesondere Leguminosen, noch großes
Potenzial. Für die Verarbeitung zu Lebensmitteln erzielen
Landwirt:innen deutlich höhere Erzeugerpreise als beim Verkauf
derselben Kulturen als Futtermittel. Das schafft neue
Einkommensquellen und reduziert die Abhängigkeit von Importen.

Tierische und pflanzliche Produktion schließen einander nicht
aus, sondern ergänzen einander. Beide sind Teil einer vielfältigen
Ernährungskultur in Österreich, für die wir uns gemeinsam einsetzen
sollten.

Zwtl.: Weitere negative Folgen eines Verbots:

Hohe Kosten und zusätzliche Bürokratie: Ein Verbot würde
umfangreiche Änderungen bei Kennzeichnungen und Verpackungen
erzwingen und damit erheblichen Aufwand und Kosten für Hersteller
verursachen, ohne Nutzen für den Verbraucherschutz. Auch Ihr
deutscher Amtskollege Alois Rainer betont: „ Ich stehe für
Bürokratieabbau, deshalb unterstütze ich diesen Vorschlag nicht .“

Gefährdung des Innovationsstandorts : Heimische Unternehmen, vom
Start-up bis zum etablierten Betrieb, investieren seit Langem in
pflanzliche Alternativen. Mittlerweile haben sich innovative und
wettbewerbsfähige Wertschöpfungsketten für pflanzliche Lebensmittel
gebildet. Neue Namensverbote würde diese Entwicklung ausbremsen, die
Markenbildung erschweren, Arbeitsplätze gefährden und Österreichs
Chancen als Innovationsstandort in einem globalen Zukunftsmarkt
schwächen.

Sehr geehrter Herr Bundesminister, wir appellieren an Sie, als
Vertreter Österreichs im EU-Ministerrat gegen das Veggie-Burger-
Verbot zu stimmen und für eine vielfältige, nachhaltige
Ernährungskultur, in der sowohl tierische als auch pflanzliche
Produkte ihren Platz haben.

Mit freundlichen Grüßen

Mag. Dagmar Lukanec
Mag. Verena Wiederkehr, B.A., M.E.S.

Vorstand des Vereins für Proteinvielfalt in Österreich
Schottengasse 10, 2. Stock , 1010 Wien

ZVR/Vereinsnummer: 1114976635
www.proteinvielfalt.at | [email protected]

Zum offenen Brief via www.proteinvielfalt.at: PDF-Datei

Über den Verein für Proteinvielfalt in Österreich (VPO)

Der VPO ist eine Plattform für den Dialog zwischen Wirtschaft,
Wissenschaft, Politik und Gesellschaft über vielfältige
Proteinquellen. Zu unseren Mitgliedern zählen namhafte heimische
Unternehmen, vereint durch das Ziel, mehr Österreich in pflanzliche
Produkte zu bringen – darunter aktuell BILLA, Lidl Österreich, HOFER,
SPAR, Berger Schinken, VeggieMeat, Mona, Kern Tec, Revo Foods und
BioCraft.

Weitere Unterstützer:innen des offenen Briefes:

Handelsverband Österreich, Bundesgremium des Lebensmittelhandels
der Wirtschaftskammer Österreich, Verband der
Ernährungswissenschaften Österreichs, BIOGAST, Vegane Gesellschaft
Österreich, Die BiowirtInnen, Raumsauer Bioniere