EU-Jugenddialog zeigt: Junge Menschen fordern mehr Mitbestimmung auf EU-Ebene

Wien (OTS) – Seit 30 Jahren ist Österreich Mitglied der Europäischen
Union. Junge
Menschen sind mit großen Vorteilen durch europäische Grundfreiheiten
und einer gemeinsamen Währung aufgewachsen. Trotz dieser Vorteile
bleibt die EU für viele jedoch schwer greifbar. Die
Bundesjugendvertretung (BJV) hat im Rahmen des EU-Jugenddialogs junge
Menschen in Österreich befragt, wie sie EU-Politik erleben und welche
Maßnahmen umgesetzt werden müssen, damit ihre Anliegen auf EU-Ebene
stärker berücksichtigt werden.

Interessen der Jugend finden weniger Beachtung

Bei der bundesweiten Umfrage, an der mehr als 2.200 junge
Menschen unter 30 Jahren von April bis September 2025 teilgenommen
haben, gab nur ein Viertel an, das Gefühl zu haben, dass ihre
Interessen „sehr“ oder „zum großen Teil“ von der EU-Politik
wahrgenommen werden. Gleichzeitig ist das Vertrauen in EU-
Institutionen aber durchaus hoch: Etwas mehr als die Hälfte (54 %)
der befragten Jugendlichen meint, dass man darauf vertrauen könne,
dass die EU die richtigen politischen Entscheidungen treffe.
„Jugendliche erkennen, dass die EU und ihre Mitgliedsstaaten sich um
Lösungen bemühen. Gleichzeitig bleiben jedoch viele der Themen, die
für die junge Generation besonders wichtig sind, außen vor.
Jugendliche fühlen sich mit ihren Anliegen nicht ausreichend
repräsentiert“, erklärt BJV-Vorsitzende Anna Schwabegger.

Die Befragung zeige außerdem, dass das vor allem für junge
Menschen gelte, die sich in einer finanziell schlechteren Lage
befinden oder für Personen mit Behinderung. „Das zeigt uns, dass die
Politik gezielt Maßnahmen ergreifen sollte, um auch junge Menschen zu
erreichen, die aufgrund verschiedener Barrieren – sei es eine
Behinderung, der sozioökonomische Hintergrund oder der Bildungsgrad –
nur erschwerten Zugang zur Arbeit der EU haben“, so Schwabegger.

Ruf nach politischer Bildung, Beteiligung und jugendgerechten
Informationen

Um das Vertrauen in EU-Institutionen zu stärken, gaben über 1.800
Befragte an, dass es aus ihrer Sicht wichtig wäre, bessere
Möglichkeiten zu haben, Entscheidungen von Politiker*innen
transparent nachvollziehen zu können. Fast ebenso viele Teilnehmende
der Umfrage (1.718 Nennungen) betonten zudem, wie wichtig es ist,
leicht verständliche Informationen über aktuelle EU-Themen sowie über
die Prioritäten der Parteien (1.654 Nennungen) zu erhalten. „Für
junge Menschen ist es oft schwer, die Prioritäten und Abläufe der EU
nachzuvollziehen. Jugendgerechte Informationen können helfen, dass
auch komplexe Themen leicht verständlich werden und junge Menschen
besser mitbestimmen können“, sagt BJV-Vorsitzender Sebastian Stark.

Auch bei der Frage, wie die Anliegen junger Menschen besser
berücksichtigt werden können, hatten die Befragten klare
Vorstellungen: Über 1.800 Teilnehmende betonten die Bedeutung eines
stärkeren Dialogs zwischen jüngeren und älteren Generationen bei
politischen Entscheidungen. Mehr als 1.700 sprachen sich für mehr
junge Politiker*innen auf EU-Ebene aus und für über 1.500 junge
Menschen sind regelmäßige Befragungen zu aktuellen Themen, der
Kontakt zu Entscheidungsträger*innen sowie die Einrichtung von
Jugendbeiräten wichtig.

„Die Ergebnisse zeigen, dass die Politik auf EU-, nationaler und
regionaler Ebene Maßnahmen setzen muss, damit junge Menschen mehr
direkten Austausch zwischen den Generationen und mit der Politik
erleben können. Gleichzeitig braucht es neben jugendgerechten
Informationen auch einen Ausbau politischer Bildung“, so das Fazit
von Stark.

Jugendkonferenz-Ergebnisse stimmen mit Umfrage überein

Dass sich junge Menschen vor allem in der Schule mehr EU-Bildung
wünschen, war auch ein zentrales Ergebnis der Österreichischen
Jugendkonferenz und der Workshops, die die BJV im Rahmen des EU-
Jugenddialogs durchgeführt hat. Insgesamt über 280 junge Menschen
nahmen an diesen Aktivitäten teil und befürworteten auch einen Ausbau
der Medienbildung, damit sie lernen, wie sie politische Informationen
besser einordnen und bewerten können.

„Mehrere Studien zeigen, dass junge Menschen sich vor allem über
Social Media über das politische Geschehen informieren. Wir
appellieren daher an die Regierung, ihre Pläne zum Ausbau der
politischen Bildung und der Medienbildung zügig umzusetzen. Aus
unserer Sicht sollte an allen Schultypen ab der 5. Schulstufe ein
eigenes Unterrichtsfach ‚Politische Bildung‘ eingeführt werden“, so
Stark.

Ergebnisse werden an die Politik weitergegeben

Der EU-Jugenddialog ist ein Beteiligungsprozess für junge
Menschen, der auf EU-Ebene und in allen EU-Mitgliedsstaaten
stattfindet. Ziel ist es, die Einstellungen, Interessen und
Bedürfnisse junger Menschen in der EU zu erheben und in die Politik
einzubringen. In Österreich wird der EU-Jugenddialog seit über 10
Jahren von der BJV koordiniert.

Im Rahmen der 11. Beteiligungsrunde, die sich dem Youth Goal #1
„Die EU mit der Jugend zusammenbringen“ widmet, führte die BJV die
Österreichische Jugendkonferenz, Workshops und die bundesweite
Jugendumfrage „EU & Du“ durch.

Alle Ergebnisse wird die BJV nun an die Regierung und andere
politische Entscheidungsträger*innen auf allen Ebenen herantragen.
„Junge Menschen haben das Recht auf Beteiligung. Wir erwarten, dass
die Politik mit wirksamen Maßnahmen reagiert und die Ergebnisse nicht
in der Schublade verschwinden. Alle politischen Ebenen sind gefragt,
um die EU noch greifbarer zu machen“, so Schwabegger abschließend.

Mehr Informationen zum EU-Jugenddialog: www.jugenddialog.at .