Wien (OTS) – Heute endete die erste Runde der
Kollektivvertragsverhandlungen für
den Handel ohne Ergebnis. Die Arbeitgeberseite hat bereits in der
ersten Verhandlungsrunde eine maßvolle, realistische und faire KV-
Erhöhung in Aussicht gestellt. Diese würde sich auf der absoluten
Oberkante bewegen.
Heimischer Handel muss fünf Krisenjahre in Folge verkraften
Die Arbeitnehmerseite fordert hingegen eine Erhöhung über der
rollierenden Inflation von 3 Prozent . Aus Sicht der gesamten
Handelsbranche ist dies schlicht unfinanzierbar, ohne tausende
Arbeitsverhältnisse zu gefährden. Warum? Einerseits verzeichnet der
österreichische Handel seit mittlerweile fünf Jahren real rückläufige
bzw. stagnierende Umsätze . Anderseits ist die Kostenbelastung für
die heimischen Händler seit 2022 durch die Decke gegangen.
„Arbeitsplatzsicherung muss im Handel oberste Priorität haben. Es
geht jetzt nicht um Maximalforderungen , sondern um den Schutz und
Erhalt von 450.000 Jobs in allen Regionen Österreichs . Der
Verhandlungsspielraum ist daher sehr eingeschränkt“, sagt Rainer Will
, Geschäftsführer des freien, überparteilichen Handelsverbandes in
einer ersten Einschätzung.
„Wir müssen uns der Realität stellen, dass die Kaufkraftzuwächse
der Vergangenheit vielfach in die Sparquote sowie in handelsferne
Branchen wie Dienstleistungen abgeflossen sind und im Warengeschäft
zu einem großen Teil an Fernosthändler. Die Billigstpreis-Diskussion
bei gleichzeitig hohen Kosten für die Unternehmen tut ihr Übriges
dazu. Ein zu hoher Abschluss wäre ein schwerer Rucksack, der viele
Betriebe und Jobs zu Fall bringen würde, sodass deutlich weniger
Beschäftigte in dieser kühlen wirtschaftlichen Phase davon
profitieren würden“, so Will .
Personalkosten im österreichischen Handel bereits 31% höher als
in Deutschland
Der heimische Handel kämpft nach wie vor mit hohen
Beschaffungspreisen, volatilen Weltmärkten, enormen
Kostensteigerungen bei Energie, Personal, Logistik, Mieten und
Fremdkapital sowie mit der Kaufzurückhaltung der Bevölkerung. „Keine
Branche im Land ist stärker von Insolvenzen betroffen als der Handel.
Keine Branche muss zurzeit mehr Schließungen verkraften als wir, im
Schnitt müssen pro Werktag vier Handelsbetriebe Insolvenz anmelden“,
bestätigt HV-Präsident Stephan Mayer-Heinisch .
Gleichzeitig liegen die durchschnittlichen Personalkosten pro
Kopf im österreichischen Einzelhandel bereits jetzt um 31% höher als
in Deutschland und sogar um 59% über dem EU-Schnitt .
45.000 Arbeitslose im Handel
„Laut jüngsten Daten des AMS war der Handel schon im Oktober 2025
mit mehr als 45.000 Arbeitslosen die Branche mit den höchsten
Arbeitslosenzahlen sowie mit +3.633 Personen im Vergleich zum Vorjahr
auch die Branche mit dem höchsten Zuwachs an arbeitslose Personen.
Das zeigt mehr als deutlich, wie angespannt die Lage in unseren
Betrieben ist“ , erklärt Rainer Will .
Zusätzlich wirkt sich jede weitere Lohnerhöhung natürlich auch
auf die Endkundenpreise im Regal aus. Umso wichtiger wäre es, die
Lohn-Preis-Spirale zu durchbrechen und Reformen anzugehen, wie dies
auch in anderen Branchen bereits erfolgt ist.