Erneuerbare präsentieren 10-Punkte-Fahrplan zur Senkung der Netzkosten

Wien (OTS) – Anlässlich der Begutachtung der neuen
Systemnutzungsentgelte-
Verordnung der E-Control und im Lichte der laufenden Verhandlungen
zum Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) warnt der Dachverband
Erneuerbare Energie Österreich (EEÖ) vor politischer Fehlsteuerung im
Stromsystem. Die geplante zusätzliche Belastung von Erzeugungsanlagen
mit noch höheren Netzgebühren wird an der Versorgung mit günstiger
Energie und an tausenden KMUs in Österreich substanziell Schaden
anrichten, so der EEÖ. Er fordert daher einen klaren politischen
Kurswechsel von der Regierung und legt einen 10-Punkte-Fahrplan zur
Senkung der Netzkosten vor.

„ Die Regierung muss weg von der Symptombekämpfung durch
zusätzliche Netzgebühren hin zu echten Reformen in der
Energiewirtschaft, andernfalls werden die Netzkosten nicht sinken “,
betont Martina Prechtl-Grundnig, Geschäftsführerin von Erneuerbare
Energie Österreich .

Zwtl.: Effizienzpotential heben bevor die Kostenkeule zuschlägt

Die unkalkulierbare, zusätzliche Belastung von erneuerbaren
Erzeugungsanlagen, wie sie im aktuellen ElWG-Entwurf der Regierung
vorgesehen ist, ist aus Sicht der Branche ein politischer Fehler mit
fatalen Konsequenzen für die Realwirtschaft. „Das daran geknüpfte
Versprechen, die Strompreise für Haushalte und Unternehmen zu senken,
ist nachweislich nicht haltbar“, warnt Martina Prechtl-Grundnig.
Tatsächlich zeigen ökonomische Analysen, dass die geplanten Maßnahmen
sowohl die Strompreise als auch den Wirtschaftsstandort massiv
finanziell belasten würden.

Unbestritten ist laut EEÖ, dass erhebliche Investitionen in die
Stromnetzinfrastruktur notwendig sind – sowohl zur Modernisierung des
bestehenden Netzes als auch für den Umbau in ein zukunftsfähiges
Energiesystem. Nur so könne es auch den neuen Ansprüchen der
Konsument*innen gerecht werden. Doch die Unterschiede bei den
Schätzungen zum Investitionsbedarf bis 2040 sind enorm und rangieren
zwischen 20 und 54 Milliarden Euro. Das offenbart sowohl das große
Maß an Ungewissheit als auch das enorme Effizienzpotential.

„ Genau hier, bei den tatsächlichen Kosteneinsparpotentialen,
muss die Regierung ansetzen, um unnötige Kosten von Haushalten,
Unternehmen, Industrie und Stromerzeugung abzuwenden “, betont
Martina Prechtl-Grundnig, Geschäftsführerin des EEÖ.

Zwtl.: 10-Punkte-Fahrplan für ein effizientes Stromnetz

Der Entwurf des Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) enthält
bereits Lösungsansätze zur Entlastung der Netzkosten, etwa die
Fernsteuerbarkeit von PV-Anlagen, mehr Transparenz über verfügbare
Einspeisekapazitäten, eine Flexibilitätsplattform sowie längere
Abschreibedauern für Netzinvestitionen. „Dieser Rahmen muss
entschlossen verbessert und umgesetzt werden – die Instrumente müssen
wirken – bevor oberflächliche Maßnahmen zur Symptombekämpfung den
Umbau nachhaltig verteuern, verkomplizieren und unseren Standort
schädigen“, so Prechtl-Grundnig.

Damit der Gesamtsystemumbau effizient, sozial verträglich und
wirtschaftlich tragfähig gelingt, legen die Erneuerbaren folgenden
konkreten 10-Punkte-Fahrplan zur Senkung der Netzkosten vor:

1.

Netzausbaupläne verpflichtend an nationale Klimaziele anpassen
und netzübergreifend koordinieren.

2.

Moderne Netzplanung , die sich an den tatsächlichen Erzeugungs-
und Verbrauchsschwerpunkten orientiert, statt an alten fossilen
Strukturen.

3.

Innovative Finanzierungsmodelle und ein staatlich gestützter
Infrastrukturfonds für kostengünstige Netzinvestitionen.

4.

Bundesweite Glättung der Netzentgelte , um Kosten fair zu
verteilen.

5.

Volle Transparenz über freie Einspeise- und Bezugskapazitäten bis
Netzebene 6, zur optimalen Nutzung bestehender Kapazitäten.

6.

Intelligenz im Netz: Mehr Messpunkte, Steuerungstechnik und
konsequente Nutzung von Smart-Meter-Daten , um Netzstatus und
potenzielle Engpässe in Echtzeit zu erfassen.

7.

Recht auf Abrechnungspunkte (ehemals virtuelle Zählpunkte)
schaffen, um mehrere Erzeuger an einem Anschluss bündeln zu können.

8.

Flexible Netzzugänge ermöglichen, damit auch bei Engpässen ein
begrenzter Netzzugang ermöglicht wird.

9.

Flexible Stromtarife und schnelle Umsetzung der
Flexibilitätsplattform , damit Verbraucher*innen Flexibilität
anbieten können und dafür entlohnt werden.

10.

Variable Netztarife einführen, die sich am Zeitpunkt und an der
Netzlast orientieren.

Nach Berechnungen des EEÖ könnte man allein mit diesem 10-Punkte-
Fahrplan die Netzausbaukosten um bis zu zwanzig Prozent der
Kapitalkosten senken.

Zwtl.: Warnung vor zusätzlichen Belastungen

Schon jetzt liegt die Belastung der erneuerbaren Stromerzeuger im
europäischen Spitzenfeld, zusätzlich leisten sie unentgeltliche
Dienste für die Netzstabilität. Weitere Erhöhungen wären daher ein
Rückschlag. Die jüngsten Anpassungen im ElWG-Entwurf – etwa die
vermeintliche Deckelung der Netznutzungsentgelte oder die massive
Erhöhung der Netzzutrittspauschalen – sind juristischer Fachmeinung
zufolge weder rechtlich gesichert noch bringen sie spürbare
Entlastung für Konsument*innen. Schlimmer noch: viele Erneuerbaren-
Projekte werden damit schlagartig wirtschaftlich unmöglich.

Der EEÖ fordert daher ein Ende der Überregulierung und
stattdessen einen echten Reformkurs. „Dieser Aktionismus an
undifferenzierten Belastungsmaßnahmen für die heimische erneuerbare
Stromerzeugung muss ein Ende haben. Das System muss effizienter
werden – nicht teurer. Und wenn das ElWG in der geplanten Form mehr
Probleme schafft als löst, gilt: Lieber kein Gesetz als ein
schlechtes“, so die Geschäftsführerin des EEÖ.