Energiewende in der Warteschleife

Kufstein (OTS) – Klare rechtliche Rahmenbedingungen sind die Basis
für den Umbau
unseres Energiesystems. Doch auf diese wartet die Branche seit
Jahren. Während der Entwurf für das Erneuerbaren-Ausbau-
Beschleunigungsgesetz (EABG) noch in Begutachtung ist, steht das
Elektrizitätswirtschaftsgesetz (ElWG) nach Jahren nun vor dem
Beschluss im Nationalrat. Bei einer Pressekonferenz des OVE
Österreichischer Verband für Elektrotechnik in Kufstein forderten
Expert:innen heute von der Politik rasche Entscheidungen.

Der Erfolg der Energiewende ist nur möglich, wenn das gesamte
System betrachtet wird: Der massive Erneuerbaren-Ausbau macht auch
einen koordinierten Netzausbau mit einer umfassenden Digitalisierung,
große Energiespeicher und innovatives Flexibilitätsmanagement
erforderlich. Unklare Rahmenbedingungen, lange Genehmigungsverfahren
und fehlende Personalressourcen bei den zuständigen Behörden
erschweren allerdings die Umsetzung dieser Projekte und verzögern
damit den Umbau unseres Energiesystems. Die Energiebranche fordert
daher rasche Entscheidungen für eine vorausschauende und nachhaltige
Systemplanung.

Zwtl.: Steiniger Weg zu Tirols Energieautonomie

Als Landesenergieversorger ist die TIWAG ein entscheidender
Akteur auf dem Weg zur Energieautonomie Tirols bis 2050. Dieser Weg
sei allerdings nur mit klaren, verlässlichen und vor allem rasch
beschlossenen politischen Rahmenbedingungen zu schaffen, betonte
Vorstandsdirektor Alexander Speckle im Rahmen des Pressegesprächs.
Die TIWAG sei bereit, Projekte wie etwa das Pumpspeicherkraftwerk
Versetz umzusetzen, aktuell würden ineffiziente Verfahren allerdings
oft zu jahrelangen Verzögerungen führen. „ Es ist an der Zeit, Taten
statt Worte sprechen zu lassen und durch Verfahrenseffizienz,
Transparenz und eine Konzentration auf das Wesentliche die
notwendigen Projekte endlich voranzutreiben, um die Energiewende zu
einem wirtschaftlichen Erfolg für Österreich zu machen “, so Speckle.

Zwtl.: Analysetools unterstützen energiepolitische Entscheidungen

Wichtige Grundlagen für energiepolitische Entscheidungen liefert
Sonja Wogrin, Leiterin des Instituts für Elektrizitätswirtschaft und
Energieinnovation an der TU Graz, mit ihrer Forschung. Mithilfe
innovativer Analysetools und Berechnungsmethoden entwickelt sie
digitale Zwillinge von Energiesystemen, die als Basis für eine
vorausschauende, nachhaltige und resiliente Systementwicklung dienen.
Ihre Forschung ermöglicht es, die komplexen Wechselwirkungen
innerhalb von Energiesystemen präzise abzubilden, verschiedene
Szenarien realitätsnah zu simulieren und somit wissenschaftlich
fundierte Entscheidungsgrundlagen zu schaffen. „ Wer die
Energiezukunft gestalten will, muss sie heute modellieren “, zeigte
sich Wogrin überzeugt. Die Energiebranche müsse abgestimmt und
strategisch vorgehen, von der Politik seien die passenden
Rahmenbedingungen gefordert.

Zwtl.: Gesetze sollen Klarheit schaffen

Vor allem das seit Jahren angekündigte Erneuerbaren-Ausbau-
Beschleunigungsgesetz (EABG) sowie das Elektrizitätswirtschaftsgesetz
(ElWG) seien wichtige Bausteine, um Behördenverfahren zu
beschleunigen und wichtige Energiewende-Projekte voranzutreiben,
betonten die Experten. Gleichzeitig kam aber auch Kritik an Details –
von TIWAG-Vorstandsdirektor Speckle etwa am Netznutzungsentgelt für
Erzeuger: Dieses bedeute eine Benachteiligung der heimischen
Erzeugung und Speicherung und erschwere Investitionen in wichtige
Projekte wie Pumpspeicher. OVE-Präsident Gerhard Fida,
Geschäftsführer der Wiener Netze, hingegen forderte eine gerechte
Aufteilung der Netztarife, um den zügigen Ausbau der
Netzinfrastruktur zu sichern. „ Bis 2040 müssen rund 44 Milliarden
Euro in die Netze investiert werden, damit diese die Anforderungen
der Energiewende meistern und unsere Versorgungssicherheit
gewährleisten können. Das ElWG muss hier Klarheit in Sachen
Finanzierung schaffen “, so Fida. Die Kosten müssten fair auf alle
Beteiligten aufgeteilt werden.

Zwtl.: Energiewende als Wirtschaftsimpuls

Mit den richtigen Rahmenbedingungen könne die Energiewende zu
einem wirtschaftlichen Erfolg für Österreich und Europa werden,
zeigten sich die Expert:innen überzeugt. Um im globalen Wettbewerb zu
bestehen, benötige die heimische Industrie vor allem ausreichend
qualifizierte Fachkräfte sowie eine resiliente, regional aufgebaute
Lieferkette, betonte Aleš Prešern, Geschäftsführer von Siemens Energy
Austria mit über 2.500 Mitarbeitenden: „ Wir betreiben in Österreich
mehrere Werke zum Bau von Weltklasse-Transformatoren, einer der
Hauptkomponenten der globalen Energiewende. Für unsere hohen
Qualitätsanforderungen ist die Verfügbarkeit von Fachkräften von
zentraler Bedeutung. Ganz wesentlich ist hier die gegenseitige
Unterstützung von Politik, Behörden und Bildungseinrichtungen. “
Neben dem Ausbildungssystem und den hochqualifizierten Arbeitskräften
punkte Österreich als Standort auch durch seine geographische Lage
und die hohe Versorgungssicherheit.

Zwtl.: Dringend Fachkräfte gesucht

Um auch weiterhin qualifizierte Arbeitskräfte zur Verfügung zu
haben, fordern die Expert:innen eine Stärkung von technischen
Ausbildungen. Denn trotz Konjunkturschwäche bleibt der
Fachkräftemangel in der Elektro- und Informationstechnik eine reale
Herausforderung. Laut einer aktuellen Studie des
Industriewissenschaftlichen Instituts fehlen alleine der Elektro- und
Elektronikindustrie derzeit insgesamt 3.400 HTL-Absolvent:innen. Ein
Umstand, der ein hohes Risiko für den Wirtschaftsstandort birgt, so
OVE-Präsident Fida: „ Qualifizierte Fachkräfte sind eine wesentliche
Voraussetzung für eine erfolgreiche Energiewende, eine nachhaltige
Wirtschaft und einen starken Wirtschaftsstandort. Wir müssen daher in
die Zukunft investieren und technische Ausbildungen weiter stärken. “
Mit zahlreichen Initiativen, etwa LET’S TECH und Girls! TECH UP sowie
der Branchenkampagne „Join the Future“ engagiert sich der OVE für den
Fachkräftenachwuchs.