Nachwuchsförderung im Fokus der Sportpolitik

Wien (PK) – Sport-Staatssekretärin Michaela Schmidt erklärte im
Sportausschuss
des Nationalrats ihr Ziel, dass künftig zwei von drei Kindern in
Sportvereinen aktiv sind. Dabei betonte sie die Bedeutung von
Chancengleichheit, Bewegungsförderung und langfristiger
Planungssicherheit im österreichischen Sport. Die
Diskussionsgrundlage lieferte der aktuelle Sportbericht, der von den
Abgeordneten heute mehrheitlich zur Kenntnis genommen wurde und im
Nationalratsplenum weiter debattiert wird.

Ausbau der täglichen Bewegungseinheit und Nachwuchsförderung

2024 sei international nicht nur in sportlicher Hinsicht ein
großes Sportjahr gewesen, sondern auch eines mit starkem politischen
Signal, da bei den Bewerben der Olympischen Spiele in Paris erstmals
gleich viele Frauen wie Männer vertreten waren, sagte Sport-
Staatssekretärin Michaela Schmidt. Auch ihr sei es ein Anliegen, sich
für die Sichtbarkeit von Frauen im Sport einzusetzen. Außerdem sei
ihr wichtig, dass alle Menschen den Zugang zum Sport haben und Kinder
Bewegung als Basis für ein gesundes Leben erfahren. Trotz des
angespannten Bundeshaushalts wurde die tägliche Bewegungseinheit an
Schulen von den Einsparungen ausgenommen und soll weiter ausgebaut
werden, betonte Schmidt. Laut Regierungsprogramm sei das Ziel, dass
zwei von drei Kindern in Sportvereinen aktiv sind.

Für das laufende Schuljahr seien die Verträge zur täglichen
Bewegungseinheit unterzeichnet worden, für die nächsten Jahre sei man
bereits in den Verhandlungen, um eine längerfristige
Fördermöglichkeit zu schaffen. Die Staatssekretärin berichtete auf
Nachfrage von Christoph Zarits (ÖVP) von guten Gesprächen mit dem
Bildungs- sowie Finanzministerium und gab sich zuversichtlich, mehr
Planungssicherheit herstellen zu können. Durch die Beteiligung der
Verbände werden pro Jahr 2,6 Mio. Ꞓ zweckgewidmet. Ziel sei, dass
sich mindestens 80 % aller Bildungseinrichtungen an der täglichen
Bewegungseinheit beteiligen, sagte sie zu Christoph Pramhofer (NEOS).

Markus Leinfellner (FPÖ) interessierte sich insbesondere für die
Nachwuchsförderung und erfuhr, dass gerade der Genehmigungsprozess
für das Förderprogramm 2026 laufe. Die Staatssekretärin berichtete
von Erfahrungen mit dem zehnjährigen Laufbahnmodell der dualen
Karriere, um Leistungssport und berufliche Ausbildung zu kombinieren.
Es soll weiterentwickelt und ausgebaut werden. Auch den von Henrike
Brandstötter (NEOS) angesprochenen Verein „KADA (Karriere Danach) –
Sport mit Perspektive“ wertete sie in diesem Zusammenhang positiv. Um
die Kinder zu erreichen, sollte die Nachwuchsförderung allerdings in
Schulen und Kindergärten ansetzen und nicht erst in den Vereinen,
meinte Schmidt. Die Verbesserung der Infrastruktur und die Öffnung
der Turnsäle leiste dazu einen wichtigen Beitrag.

Verwaltungsvereinfachungen für Vereine

Die Verhältnis- und Zweckmäßigkeit von ideologischen Projekten
wie „Mamanet“ oder die Förderung von Religionsgemeinschaften wurde
von Martin Graf (FPÖ) hinterfragt. Seine FPÖ-Fraktionskollegin Nicole
Sunitsch wollte wissen, welche Mittel tatsächlich bei den Vereinen
ankommen. Laut der Staatssekretärin würden 15.000 Vereine
Sportförderung bekommen. Aufgrund der Budgetkürzungen werden manche
Förderungen nicht weitergehen. Bernhard Höfler (SPÖ) sprach das
Gender Trainee Programm an. Eine Fortsetzung sei geplant, die
Rahmenbedingungen werden aktuell evaluiert, so Schmidt. Die
Frauenförderung werde ebenso weitergeführt wie das Projekt
„klimafitte Sportstätten“, wofür sich Agnes Sirkka Prammer (Grüne)
interessierte. Ab 2027 soll in der besonderen Sportförderung wieder
das volle Förderniveau erreicht werden, lies Schmidt wissen.

Maximilian Köllner (SPÖ) fragte, welche sportpolitischen Lehren
man von „verpassten Medaillen“ bei den olympischen Spielen ziehen
könne. Es gelte, das Umfeld der Athletinnen und Athleten durch
moderne Sporttechnologie und bestmögliche Trainingsbedingungen
optimal zu gestalten, antwortete die Staatssekretärin. Durch das
Förderprogramm für die Bundesstützpunkte der Sportverbände soll es ab
2026 mehr Planungssicherheit über den olympischen Zyklus hinaus
geben.

Im Bereich der ehrenamtlichen Vereinstätigkeit laute das große
Ziel laut Schmidt Verwaltungsvereinfachung. Das Vorantreiben der
Digitalisierungsprozesse betrifft etwa die digitale Übermittlung von
Belegen oder Verträgen. Ab 2027 soll es eine KI-gestützte
Förderkontrolle geben. Dieses Thema wurde von den Abgeordneten Markus
Leinfellner (FPÖ), Christoph Zarits (ÖVP) und Maximilian Köllner (SPÖ
) angesprochen.

Christoph Zarits (ÖVP) konnte außerdem in Erfahrung bringen, dass
zur geplanten Errichtung des sporttechnologischen Instituts derzeit
eine Evaluierung des Status Quo stattfinde, um zu analysieren, wie
ein effizienter Übergang und eine ehestmögliche Umsetzung geschehen
kann.

Die Kooperationsvereinbarung zur Sportstättendatenbank sei
bereits von allen Bundesländern unterzeichnet worden, sodass der
Datenerhebungsprozess 2026 starten könne, erhielt Christoph Pramhofer
(NEOS) Auskunft.

Als Auskunftsperson stand den Abgeordneten der Geschäftsführer
der Bundes-Sport GmbH Clemens Trimmel zur Verfügung. Auf Frage von
Agnes Sirkka Prammer (Grüne) bestätigte er die Aussage der
Staatssekretärin, dass man sich bezüglich der Erweiterung der „Good
Governance“ Förderkriterien im stetigen Austausch befinde.

Sportbericht gibt Überblick über Einsatz von Fördermitteln

Laut dem Sportbericht 2024 ( III-225 d.B. ) wurden in dem Jahr
Bundesmittel in der Höhe von gesamt 225 Mio. Ꞓ aufgewendet. Sie
teilten sich auf in 98 Mio. Ꞓ für die allgemeine Sportförderung und
Services, 120 Mio. Ꞓ für die besondere Sportförderung sowie knapp 7
Mio. Ꞓ für die Bundessporteinrichtungen. Kosten für Sportgroßprojekte
entstanden im Jahr 2024 keine, allerdings fanden mehrere
Sportgroßveranstaltungen in Österreich statt, darunter die Skiflug-
WM, die Tischtennis-EM oder die Handball-EM der Frauen.

Der Großteil der innerhalb des Berichtzeitraums getätigten
Maßnahmen geht auf die Vorgängerregierung zurück. So lag der Fokus
der Förderprogramme des Bundes im Berichtszeitraum auf den
definierten Schwerpunktsportarten des aktuellen Olympiazyklus bzw.
jenen, die für die Aufnahme ins olympische Programm geplant sind.
Investiert wurde in den Nachwuchs und in Infrastruktur.
Sportwissenschaftliche Projekte wurden ebenso unterstützt wie
Breitensport, Inklusion, Nachhaltigkeitskonzepte,
Integrationsprojekte, Fair-Play-Initiativen sowie
Extremismusprävention.

Ein Ressortschwerpunkt lag und liegt auch weiterhin bei der
Frauenförderung bzw. bei Gleichstellungsprojekten. Die
österreichische Sportlandschaft ist immer noch stark männlich
dominiert. Während bei Spitzenathletinnen in Österreich bereits
deutliche Veränderungen sichtbar sind, besteht im Sportmanagement und
im Trainerwesen noch großer Aufholbedarf. 90 % der Präsidentinnen und
Präsidenten olympischer Verbände in Österreich sind männlich, wie
auch 74 % aller registrierten Trainerinnen und Trainer, ist dem
Sportbericht zu entnehmen. (Fortsetzung Sportausschuss) fan