Mehr als zwei Millionen Österreicher:innen von psychiatrischen Erkrankungen betroffen – dringender Handlungsbedarf in der Versorgung

Wien (OTS) – Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO leben weltweit
mehr als 1
Milliarde Menschen mit psychischen Erkrankungen. Angststörungen und
Depressionen sind in allen Ländern und Gemeinschaften hochprävalent.
Sie betreffen Menschen aller Altersgruppen und Einkommensschichten,
wirken sich auf Männer, jedoch insbesondere auf Frauen aus, und
verursachen erhebliche wirtschaftliche Verluste im globalen Maßstab.
Allein Depressionen und Angststörungen verursachen jedes Jahr
geschätzte Kosten von rund 1 Billion US-Dollar für die
Weltwirtschaft. Die durchschnittlichen staatlichen Ausgaben für
psychische Gesundheit belaufen sich weiterhin auf lediglich 2 % der
gesamten Gesundheitsbudgets – unverändert seit 2017 und ein Ausdruck
einer beispiellosen Stagnation.

Laut neuen wissenschaftlichen Erhebungen leidet beinahe ein
Viertel der österreichischen Bevölkerung an einer psychiatrischen
Erkrankung. Prof. Johannes Wancata, Experte für psychiatrische
Epidemiologie der Medizinischen Universität Wien und im Vorstand der
Österreichischen Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und
Psychosomatik – ÖGPP: “Aktuelle wissenschaftliche Analysen zeigen,
dass 22,7% der österreichischen Bevölkerung von einer psychiatrischen
Erkrankung betroffen sind. Der Prozentsatz liegt bei Frauen sogar
nochmals höher, hier rechnen wir sogar mit einem Anteil von 25%!“ Die
Untersuchungen zeigen weiters, dass etwa 10% der Bevölkerung an
Depressionen leiden, oder beispielsweise 6,8% an Angststörungen und
3,5% an Alkoholmissbrauch bzw. Abhängigkeit.

Parallel zu diesen Entwicklungen steht Österreich vor einer
massiven demographischen Veränderung. Mit der Alterung der
Bevölkerung ist in den kommenden Jahrzehnten mit einem deutlichen
Anstieg von Demenzerkrankungen zu rechnen. Laut wissenschaftlichen
Prognosen wird sich die Anzahl der Menschen mit einer
Demenzerkrankung bis zum Jahr 2050 nahezu verdoppeln, Expert:innen
rechnen mit 290.500 betroffenen Österreicher:innen.

Forderung nach Verbesserung der psychiatrischen Versorgung

„Diese Zahlen zeigen deutlich, dass wir die psychiatrische
Versorgung in Österreich dringend ausbauen müssen – sowohl in den
Spitälern als auch im niedergelassenen Bereich“, erklärt Prim. Dr.
Christian Korbel, Präsident der ÖGPP. Derzeit herrscht in Österreich
ein Psychiater:innemangel, für Patient:innen heisst das, oft
monatelang auf einen Termin im niedergelassenen Bereich zu warten.
„Wir benötigen mehr multiprofessionelle Teams, spezialisierte
Versorgungsangebote und eine Stärkung der Prävention, um Menschen in
Krisen rechtzeitig zu erreichen.“

Die psychische Gesundheit muss angesichts der hohen Prävalenzen
psychiatrischer Erkrankungen als zentrale gesundheitspolitische
Priorität anerkannt werden. Um den steigenden Versorgungsbedarf
langfristig abzusichern, ist eine Ausbildungsoffensive im
psychiatrischen Bereich dringend erforderlich, der unter anderem auch
durch den Abbau bestehender bürokratischer Hürden ermöglicht werden
muss. Darüber hinaus ist die Politik gefordert, nachhaltige
strukturelle Maßnahmen umzusetzen, um die psychiatrische Versorgung
zu modernisieren, an die Herausforderungen der Zukunft anzupassen und
die Qualität der Gesundheitsversorgung in Österreich dauerhaft
sicherzustellen.