Wien – Spannberg (OTS) – Auf der Baustelle des zukünftigen
380/110-kV-Umspannwerks Spannberg (
NÖ) des Stromnetzbetreibers Austrian Power Grid (APG) werden seit
August archäologische Grabungen durchgeführt. Bereits im Vorfeld
wurde die Fläche geophysikalisch untersucht. Die Ergebnisse ließen
die Präsenz einer archäologischen Fundstelle vermuten. Ausgrabungen
des Archäologieunternehmens Novetus haben diese Ergebnisse bestätigt:
Auf einer Fläche von ca. 8000m² wurden Spuren menschlicher
Aktivitäten aus der Urgeschichte und dem frühen Mittelalter gefunden.
Am 3. Oktober informierten sich über 200 Besucher:innen über die
Funde und das geplante Umspannwerk.
Steinzeitliche Siedlungsspuren & mittelalterliche Gräber
Es handelt sich dabei zum einen um mehrere Befunde aus einer
Zeitperiode des Neolithikums (Jungsteinzeit, ca. 4000 v. Chr.), wie
kegelstumpfförmige Speichergruben und Materialentnahmegruben. Diese
lassen auf eine Siedlung im Umfeld der Maßnahmenfläche schließen. Zum
anderen liegt ein frühmittelalterliches Gräberfeld (ca. 800 – 1000 n.
Chr.) aus zwei Reihen einfacher Erdgräber vor. Schlussendlich wurden
auch zwei Grundrisse von Gebäuden freigelegt, deren genaue Datierung
bisher noch offenbleibt.
Anthropologische Erkenntnisse
Das frühmittelalterliche Gräberfeld besteht aus 20 Ost-West
orientierten Gräbern. Es handelt sich dabei um einfache Erdgräber.
Manche Personen wurden auch in einfachen Holzsärgen, von denen aber
nur mehr wenige Spuren im Boden erhalten waren, bestattet. Besonders
auffällig ist der hohe Anteil an verstorbenen Kindern und
Jugendlichen, wobei bis auf zwei Individuen alle Kinder älter als ein
Jahr waren. Für sieben erwachsene Individuen konnte eine vorläufige
Bestimmung des biologischen Geschlechtes vorgenommen werden.
Alltagsgegenstände, Keramik und Schmuck
Im Rahmen geführter Touren bestaunten am 3. Oktober beim „Tag der
offenen Ausgrabung“ über 200 Besucher:innen die zahlreichen
archäologischen Funde, die seit August auf der APG-Baustelle
freigelegt und an diesem Tag für die Öffentlichkeit zugänglich
gemacht wurden:
– Zu den Funden aus der Jungsteinzeit zählen Keramikfragmente sowie
ein Reibstein, mit dem Getreide zu Mehl verarbeitet wurde.
– Den Bestatteten des Gräberfeldes wurden Grabbeigaben mitgegeben.
Dazu gehörten Keramikgefäße, Trachtbestandteile wie Schnallen sowie
Schmuck, wie beispielsweise Glasperlen, und Speisebeigaben. Diese
Beigaben waren typisch für Gräber aus dem Frühmittelalter.
– Ein Topf mit wellenlinienförmiger Verzierung wird dem sogenannten
Donautypus zugeordnet, der in unserer Region ab dem 8. und 9.
Jahrhundert beliebt war. Auch Alltagsgegenstände fanden ihren Platz.
Mit einem Feuerstahl und Feuersteinen ließ sich einfach ein Feuer
entzünden. Ein eiserner Bügel sowie längliche Eisenfragmente zeigen
die Reste eines kleinen Holzeimers. In mehreren Gräbern wurden auch
Bruchstücke von Messern gefunden.
Baustart für die Versorgungssicherheit
Neben den Archäologinnen informierten Expert:innen von APG bei
der Veranstaltung über die Bedeutung des neuen Umspannwerks Spannberg
für die regionale Stromversorgung und die versorgungssichere,
leistbare Energiewende in Österreich. Das Projekt ist Teil des 9
Milliarden Euro schweren Investitionsprogramms zur Verstärkung des
österreichweiten Höchstspannungsnetzes bis 2034, im Rahmen dessen APG
ihre Leitungen und Umspannwerke aus- und umbaut.
„Mit dem neuen Umspannwerk Spannberg schaffen wir eine direkte
Anbindung des Verteilnetzes von Netz Niederösterreich an das
österreichweite Stromnetz der APG. Damit sichern wir die
Stromversorgung in der Region für die kommenden Jahrzehnte. Darüber
hinaus kann überschüssiger Wind- und Sonnenstrom, der vor Ort nicht
verbraucht wird, künftig österreichweit verteilt und genutzt werden,“
informiert Christoph Guldner, der das Projekt für APG leitet. Und er
ergänzt: „Mitte Oktober starten die bauvorbereitenden Maßnahmen wie
Brückenbau und Errichtung der Zufahrtsstraße. Die Inbetriebnahme der
ersten Anlagenteile ist für Ende 2028 geplant, die
Gesamtfertigstellung für Mitte 2029.“
Der verantwortungsvolle Umgang mit Natur- und Kulturgütern ist
Teil aller Netzinfrastrukturprojekte der APG, die bei der
Projektentwicklung u. a. standardmäßig mit dem Bundesdenkmalamt und
archäologischen Fachkräften kooperiert – besonders im Osten
Österreichs, wo erfahrungsgemäß bedeutende historische Spuren
entdeckt werden.
Bis Ende Oktober ist der Abschluss der Ausgrabungen geplant.
Weitere Informationen zum Projekt Spannberg sowie Bilder vom „Tag der
offenen Ausgrabung“ finden Sie unter www.apg.at/spannberg .
Über Austrian Power Grid (APG)
Als unabhängiger Übertragungsnetzbetreiber verantwortet Austrian
Power Grid (APG) die sichere Stromversorgung Österreichs. Mit unserer
leistungsstarken und digitalen Strominfrastruktur, sowie der
Anwendung von State-of-the-art-Technologien integrieren wir die
erneuerbaren Energien und reduzieren somit die Importabhängigkeit,
sind Plattform für den Strommarkt, schaffen Zugang zu preisgünstigem
Strom und bilden so die Basis für einen versorgungssicheren sowie
zukunftsfähigen Wirtschafts- und Lebensstandort. Das APG-Netz
erstreckt sich auf einer Trassenlänge von etwa 3.500 km, welches das
Unternehmen mit einem Team von rund 1.000 Spezialist:innen betreibt,
instand hält und laufend den steigenden Anforderungen der
Elektrifizierung von Gesellschaft, Wirtschaft und Industrie anpasst.
Über die Steuerzentrale in Wien wird ein Großteil der insgesamt 67
Umspannwerke, die in ganz Österreich verteilt sind, remote betrieben.
Auch 2024 lag die Versorgungssicherheit, dank der engagierten
Mitarbeiter:innen, bei 99,99 Prozent und somit im weltweiten
Spitzenfeld. Unsere Investitionen in Höhe von 630 Millionen Euro 2025
(2024: 440 Mio., 2023: 490 Mio. Euro) sind Wirtschaftsmotor und
wesentlicher Baustein für die Erreichung der Energieziele
Österreichs. Insgesamt wird APG bis 2034 rund 9 Milliarden Euro in
den Netzaus- und Umbau investieren.