Wien (PK) – Mit dem Stand der österreichischen Forschungstätigkeit
und
Innovationskraft befasste sich der Wissenschaftsausschuss heute
anhand des Forschungs- und Technologieberichts 2025. Der Bericht
zeigt auf, dass Österreich seine Stellung in internationalen
Innovationsrankings als „Strong Innovator“ halten konnte und sich
bestimmte Kennzahlen positiv entwickelt haben, wie die Zahl des im
Bereich Forschung und Entwicklung (F&E) beschäftigten Personals. Der
Bericht wurde einstimmig zur Kenntnis genommen.
Die Tätigkeitsberichte der Agentur für Qualitätssicherung und
Akkreditierung Austria (AQ Austria) für die Jahre 2023 und 2024
zeigen die Herausforderungen für die Qualitätssicherung des
österreichischen Hochschulsystems. Auch diese Berichte wurden
einstimmig zur Kenntnis genommen.
Österreichs Forschungsquote 2024 bei 3,35 %
Der Lagebericht 2025 über die aus Bundesmitteln geförderte
Forschung, Technologie und Innovation (FTI) in Österreich und über
die Ausgaben für Forschung und Entwicklung (F&E) insgesamt, also auch
des privaten Sektors, wird ressortübergreifend in Auftrag gegeben (
III-177 d.B. ). Das Bundesministerium für Frauen, Wissenschaft und
Forschung (BMFWF), das Bundesministerium für Innovation, Mobilität
und Infrastruktur (BMIMI) sowie das Bundesministerium für Wirtschaft,
Energie und Tourismus (BMWET) teilen sich die Aufgabe der
Unterstützung der Forschungsanstrengungen und der Stärkung der
Innovationskraft in Österreich. Wissenschaftsministerin Eva-Maria
Holzleitner, Innovationsminister Peter Hanke und Staatssekretärin
Elisabeth Zehetner aus dem Wirtschaftsministerium nahmen heute auch
an der Debatte im Ausschuss teil.
Dem Wissenschaftsausschuss standen zudem Klaus Schuch vom Zentrum
für soziale Innovation (ZSI) und Brigitte Ecker von der WPZ Research
GmbH als Auskunftspersonen zur Verfügung. Der aktuelle Bericht zeigt,
dass Österreich seine Stellung in internationalen Innovationsrankings
als „Strong Innovator“ halten konnte, führte Ecker aus. Unter anderem
habe sich die Zahl des im Bereich beschäftigten Personals positiv
entwickelt. Auch lasse sich ein deutlicher Aufwärtstrend bei einigen
wichtigen FTI-Indikatoren erkennen.
Als wichtige Kennzahl für die Einschätzung der Innovationskraft
wird jährlich die Forschungsquote ermittelt, der Anteil der Mittel
für Forschung und Entwicklung (F&E) am Bruttoinlandsprodukt (BIP).
2024 hatten die F&E-Ausgaben in Österreich insgesamt 16,13 Mrd. Ꞓ
betragen, berichtete Ecker. Das sei deutlich mehr als 2023 (15,58
Mrd. Ꞓ bzw. 3,26 % des BIP). Der Betrag entsprach 3,35 % des BIP und
stelle damit die bislang höchste Forschungsquote dar. Dafür, dass die
Quote sogar etwas über der ursprünglichen Schätzung von 3,34 % zu
liegen kam, sei allerdings auch der BIP-Rückgang des Jahres 2024
verantwortlich gewesen, merkte die Expertin an.
Die Finanzierung dieser Forschungsausgaben erfolge zu 41,87 %
durch die heimischen Unternehmen. 28,64 % würden auf den Bund
entfallen. 16,20 % der Finanzierung seien aus dem Ausland gekommen,
und zwar größtenteils von ausländischen Unternehmen, aber auch von
der EU und ausländischen Organisationen. Die Forschungsprämie habe
7,21 % beigetragen. Auf die Bundesländer seien 1,73 %, auf
„Sonstige“, was auch den Hochschulsektor und den privaten
gemeinnützigen Sektor umfasse, 4,35 % der Mittel entfallen.
Unternehmen seien für rund zwei Drittel der F&E-Ausgaben
verantwortlich, der Rest entfalle auf die öffentliche Hand,
insbesondere den Bund.
Der Bericht enthalte auch die Evaluierung der Wirkung des
Forschungsfinanzierungsgesetzes (FoFinaG), hielt Ecker fest. Diese
zeige, dass es gelungen sei, mehr Mittel in die angewandte sowie die
Grundlagenforschung zu bringen.
Zunehmende Bedeutung von Schlüsseltechnologien
Schlüsseltechnologien hätten eine zentrale Bedeutung für
Wettbewerbsfähigkeit, Produktivität und die Bewältigung
gesellschaftlicher Herausforderungen, hielt Klaus Schuch fest. Von
strategischen Schlüsseltechnologien würden wichtige
Innovationsimpulse ausgehen. Zu nennen seien in erster Linie
künstliche Intelligenz (KI), Big Data, Quantentechnologien,
fortschrittliche Mikroelektronik/Halbleiter, nachhaltige Technologien
und fortschrittliche Materialien. Österreich weise sektorale Stärken
insbesondere in den Bereichen Produktionstechnologien, Materialien,
Life Sciences und Umwelttechnologien auf. Auch die Quantenforschung
sei eine der ausgewiesenen Stärken Österreichs in der Wissenschaft.
Ein Schwerpunkt des Jahresberichts sei die Performance
Österreichs in den EU-Forschungsrahmenprogrammen seit dem EU-Beitritt
vor 30 Jahren. Hier zeige sich, dass sich diese entgegen anfänglichen
Befürchtungen immer besser entwickelt habe. Unterdessen sei
Österreich von einem Nettozahler zu einem Nettoempfänger von Mitteln
aus den Rahmenprogrammen geworden. Das zeige sich auch beim aktuellen
„Horizon Europe“. Sehr erfolgreich sei man auch weiterhin bei der
Einwerbung von ERC-Grants, hier liege Österreich an 7. Stelle in der
EU.
Abgeordnete drängen auf Strategie zur Förderung von
Schlüsseltechnologien
Die Erkenntnisse des Berichts wurden von den Abgeordneten als
gute Grundlage für die weitere politische Entscheidungsfindung
bewertet. Ein besonderer Fokus des Interesses war der weitere Umgang
mit Schlüsseltechnologien und eine klare Strategie dafür. Dieses
Thema sprachen unter anderem Petra Oberrauner (SPÖ), Rudolf Taschner
und Kira Grünberg (beide ÖVP) und Ines Holzegger (NEOS) an. Taschner
ortete, wie auch Joachim Schnabel (ÖVP) und Sigrid Maurer (Grüne),
Schwächen bei der Umsetzung von Forschungsergebnissen in erfolgreiche
Anwendungen und Produkte.
Gerhard Deimek (FPÖ) sah Probleme von kleineren und mittleren
Unternehmen, in die Forschung und Entwicklung zu investieren. Er
befürchte, dass der Anstieg der Forschungsquote aufgrund einer
negativen BIP-Entwicklung nur ein relativer sein werde. Harald Schuh
(FPÖ) wollte wissen, ob es nicht einer stärkeren Fokussierung der
Forschungsanstrengungen bedürfe. Auch Carmen Jeitler-Cincelli (ÖVP)
hielt eine stärkere Förderung der F&E-Anstrengungen von KMU für
notwendig.
Holzleitner hält realen Anstieg der Forschungsquote für
realistisch
Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner sah durch die
Erfolge in den EU-Rahmenprogrammen bestätigt, dass Österreich über
exzellente Forschungseinrichtungen und Expertise verfügt. Auf diese
wolle man weiter aufbauen. Bei den Verhandlungen zum 10. EU-
Rahmenprogramm sah die Ministerin erste Erfolge. So werde das
Nachfolgeprogramm von Horizon Europe ein eigenständiges Programm
bleiben und die Nationalstaaten würden stärker eingebunden.
Österreich wolle vor allem einen Schwerpunkt auf Friedens-, Konflikt-
und Demokratieforschung legen. Auch Wissenschafts- und
Forschungsfreiheit sei ein wichtiges Thema. Bei der Gewinnung von
Forscher:innen aus den USA habe man erste Erfolge erzielt, teilte die
Ministerin den Abgeordneten mit. 25 ausgewiesene Expert:innen würden
nach Österreich übersiedeln.
Ein Schwerpunkt der Forschungspolitik der nächsten Jahre werde
auf den Schlüsseltechnologien, der Exzellenzförderung und der
Übersetzung von Forschungsergebnissen in Anwendungen liegen. Zur
Frage der Fokussierung meinte sie, dass sie den Mix im
österreichischen Forschungsportfolio für sinnvoll halte. Was die
Forschungsquote betreffe, so sei sie optimistisch, dass diese nicht
nur relativ steigen werde, sondern dass die Rezession vorbei sei und
man einen tatsächlichen Anstieg erwarten dürfe.
Was den kommenden FTI-Pakt betreffe, so gebe es derzeit intensive
Verhandlungen. Der entscheidende Punkt, was tatsächlich finanziert
werden könne, werde die Zusage des Finanzministeriums sein.
Hanke: Zeitfenster für Schlüsseltechnologien nützen
Innovationsminister Hanke betonte, es sei wichtig, das Thema
Innovation ressortübergreifend zu behandeln. Österreich müsse alles
daran setzen, seinen Vorsprung in bestimmten Bereichen zu halten und
auszubauen. Vor allem die Bereiche KI, Chip-Technologie,
Quantentechnologie und Materialtechnik seien von großer Bedeutung.
Hier habe Österreich auch Stärkefelder. Aus seiner Sicht gelte es,
das derzeit noch bestehende Zeitfenster für Schlüsseltechnologien
bestmöglich zu nützen. Hier habe die Bundesregierung eine Initiative
gestartet, um auch KMU einzubeziehen. Die angestrebte Forschungsquote
von 4 % sei aus seiner Sicht durchaus erreichbar.
Zehetner: Start-Ups als Innovationstreiber fördern
Auch Staatssekretärin Zehetner hielt ein 4 %-Ziel der
Forschungsquote für realistisch. Ein wichtiges Ziel des neu zu
verhandelnden FTI-Pakts werde sein, das Niveau der
Forschungsförderung zu halten. Sie begrüße die von der
Bundesregierung angekündigte Offensive für Schlüsseltechnologien.
Auch die Industriestrategie der Bundesregierung werde einen Fokus auf
Schlüsseltechnologien legen. Ein besonderes Augenmerk wolle das
Wirtschaftsressort den Start-Ups widmen, die starke
Innovationstreiber seien. Ein anhaltendes Problem Österreichs sei der
niedrige Anteil an Venture Capital, diese Lücke solle der geplante
Dachfonds schließen. Die Forschung solle aus ihrer Sicht offen
bleiben, da man aus heutiger Sicht nicht sagen könne, welche
Technologie in fünf Jahren relevant sein werde.
AQ Austria stellt sich neuen Herausforderungen
Die Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung Austria (AQ
Austria) hat den gesetzlichen Auftrag zur externen Qualitätssicherung
von hochschulischen postsekundären Bildungseinrichtungen des
österreichischen Hochschulraumes. Das umfasst die öffentlichen
Universitäten, die Fachhochschulen, die Privathochschulen (
einschließlich der Privatuniversitäten) und die Pädagogischen
Hochschulen. Der Wissenschaftsausschuss debattierte heute über die
Tätigkeitsberichte der AQ Austria für das Jahr 2023 ( III-103 d.B. )
und das Jahr 2024 ( III-204 d.B. ).
Jürgen Petersen, Geschäftsführer der Agentur für
Qualitätssicherung und Akkreditierung Austria, war als
Auskunftsperson in den Ausschuss eingeladen. Die AQ Austria stelle
sicher, dass die österreichischen Hochschulen den internationalen
Anforderungen entsprechen und ihre Qualität laufend weiterentwickeln.
Die Agentur führt in diesem Sinne Zertifizierungen von internen
Qualitätsmanagementsystemen von Hochschulen, die Akkreditierung von
Studienprogrammen und Bildungseinrichtungen sowie Aufsichts- und
Überprüfungsverfahren durch. Die Qualitätssicherungsagentur hat
demnach im vergangenen Jahr 194 Begutachtungsverfahren durchgeführt,
eine deutliche Steigerung gegenüber dem Jahr 2023, in dem 183
Verfahren durchgeführt wurden. Die Zahl dürfte aufgrund gesetzlicher
Änderungen aber wieder leicht zurückgehen.
Die AQ Austria sei 2023 wie nie zuvor mit ihren Entscheidungen in
den Fokus des öffentlichen Interesses geraten. Grund waren negative
Entscheidungen, die getroffen werden mussten, wie der Entzug von
Programmakkreditierungen oder die Nichtgenehmigung der Meldung
ausländischer Studiengänge. Auch Entscheidungen der AQ Austria über
Auflagen im Rahmen von Akkreditierungsverfahren bzw. für
Verlängerungen der institutionellen Akkreditierung seien nicht immer
unumstritten gewesen. Zunehmend würden Entscheidungen der Agentur
immer öfter auch gerichtlich angefochten, was für sie zusätzlichen
Aufwand bedeute, merkte Petersen an.
2023 habe die AQ Austria selbst einen Prozess der externen
Qualitätssicherung begonnen, der von der „European Association for
Quality Assurance in Higher Education“ (ENQA) begleitet wurde. Zudem
habe eine intensive interne Auseinandersetzung mit der eigenen Rolle
bei der Sicherung der Qualität der in Österreich angebotenen Studien
und den Herausforderungen einer strategischen Weiterentwicklung
stattgefunden, sagte der Geschäftsführer. Für 2024 habe man als
Jahresschwerpunkte die Kultur der akademischen und künstlerischen
Integrität und die Bewertung von Microcredentials gewählt. Das Thema
der Integrität werde auch weiterhin ein Schwerpunkt bleiben,
bestätigte Petersen Abgeordneter Martina von Künsberg Sarre (NEOS).
Vor allem der Begriff der künstlerischen Integrität müsse noch
ausgearbeitet werden.
Abgeordneter Rudolf Taschner (ÖVP) erfuhr zum Thema der
Vereinfachungen der Akkreditierung von FH-Programmen, dass die
Agentur bereits zahlreiche Schritte in diesem Sinne gesetzt habe. Auf
die Frage von Abgeordneter Sigrid Maurer (Grüne), wie er das immer
wieder von den Fachhochschulen geforderte Promotionsrecht sehe, sagte
Petersen, dass die Entwicklung aus seiner Sicht ein generelles
Promotionsrecht noch nicht als sinnvoll erscheinen lasse. Die
Fachhochschulen müssten dazu erst ein entsprechendes Forschungsumfeld
haben. Wo dieses vorhanden sei, seien Doktoratsstudien in Kooperation
mit Universitäten durchaus sinnvoll. Diese Sicht vertrat auch
Wissenschaftsministerin Holzleitner. (Fortsetzung
Wissenschaftsausschuss) sox