Salzburg/Wien/Brüssel (OTS) – Beim 21. Salzburg Europe Summit,
organisiert vom Institut der
Regionen Europas (IRE), diskutierte ein hochkarätig besetztes Panel
die Herausforderungen des demographischen Wandels in Europa. Die
einhellige Botschaft: Um den steigenden Anforderungen gewachsen zu
sein, müsse das Gesundheitswesen den Fokus stärker von Reparatur- auf
Vorsorgemedizin verlagern. SVS-Obmann Peter Lehner betonte, es
brauche eine bessere Balance bei der Inanspruchnahme von Leistungen.
Über die Hälfte aller chronischen Erkrankungen seien auf den
Lebensstil zurückzuführen. „Eigenverantwortung und Prävention sind
entscheidend. Stabilität in Gesundheits- und Pensionssystemen kann
nur durch Innovation und Zusammenarbeit gesichert werden“, so Lehner.
In ihrer zweiten Keynote betonte Lisa Warth (Leiterin Abteilung
“Bevölkerung“ der Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten
Nationen, UNECE) den demographischen Wandel als größte
Herausforderung weltweit. Zwar wachse die Weltbevölkerung noch, aber
in einigen Regionen schrumpfe sie bereits heute. Die zunehmende
Alterung der Gesellschaft sei eine Folge des kollektiven Erfolgs wie
etwa Gesundheitsvorsorge, aber der Anteil von Kindern und
Jugendlichen schrumpfe. Das habe Folge für Arbeitsmärkte und soziale
Sicherungssysteme. Eine zentrale Herausforderung der Zeit sei, die
Sicherungssysteme sicher und nachhaltig zu gestalten und dabei die
langfristige Finanzierbarkeit sicherzustellen. Daniela Gutschi,
Gesundheitslandesrätin in Salzburg, warnte vor einer
„Reparaturmentalität“ im österreichischen Gesundheitssystem.
Zivilisationskrankheiten wie Adipositas oder Diabetes träten bereits
bei Jugendlichen auf. „Wir müssen über Bundesländergrenzen
hinausdenken und den Vorsorgegedanken viel stärker verankern“,
forderte Gutschi. Pflegewissenschafter Jürgen Osterbrink sprach von
einem „Abgrund, nicht einer Krise“. Schlaganfälle und andere
Erkrankungen nähmen stark zu. „Eine eigenständige Pflegeversicherung
ist längst überfällig. Statt von Überalterung sollten wir von
Unterjüngung sprechen – und Chancen in Prävention und
Bewusstseinsbildung sehen“. Die finnische Europaabgeordnete Sirpa
Pietikäinen erinnerte daran, dass Langlebigkeit ein zivilisatorischer
Erfolg sei: „Es geht nicht darum, dass Menschen älter werden, sondern
wie Gesellschaften damit umgehen.“ Autonomie und selbstbestimmte
Pflege seien entscheidend, das Altersbild müsse an die Realität
angepasst werden. SVS-Generaldirektor Alexander Biach verwies auf die
drastische Veränderung der Bevölkerungspyramide: „Wir laufen auf eine
Pflegefalle zu. Prävention muss schon im Kindergarten beginnen –
gesunde Ernährung, tägliche Bewegung und Stressbewältigung im
Berufsleben sind unverzichtbar.“ Auch bei Vorsorgeuntersuchungen gebe
es erhebliches Verbesserungspotenzial.
Einigkeit herrschte im Panel darüber, dass Investitionen in
Prävention, Pflege und gesundes Altern zu den zentralen
Zukunftsaufgaben gehören – sowohl für die Gesellschaft als auch für
die Finanzierbarkeit der Sozialsysteme.