Dreharbeiten für „Universum History“-Doku „Vom Paradies in die Hölle“ über Schwarze Menschen im NS-Regime abgeschlossen

Wien (OTS) – „Vom Paradies in die Hölle“ erzählt erstmals die
außergewöhnliche
Überlebensgeschichte des Lionel Romney, eines afro-karibischen
Seemanns, der 1944 ins Konzentrationslager Mauthausen deportiert
wurde. Jahrzehnte nach dem Krieg vertraute er seine Erlebnisse seiner
Tochter Mary an. Ihre Spurensuche – von der Karibik über Italien bis
nach Österreich – spannt den dramaturgischen Bogen einer neuen
„Universum History“-Dokumentation, die derzeit unter der Regie von
Jermain Raffington und Stefanie Daubek als Koproduktion von Dots&
Circles, ORF und BR/ARTE realisiert wird. Heute gehen die
Dreharbeiten zu Ende, geplanter ORF-Sendetermin ist Jänner 2026 im
Rahmen des Programmschwerpunkts zum Internationalen Tag des Gedenkens
an die Opfer des Holocaust.

Lionel Romney, 1912 in Santo Domingo geboren, wächst in Sint
Maarten in der Karibik auf. Als junger Mann heuert er voller
Tatendrang und Abenteuerlust auf einem Frachtschiff an und verlässt
seine Heimat. Doch sein Traum von Freiheit wird für Lionel zur
tragischen Odyssee: Sein Frachter gerät in die Wirren des Zweiten
Weltkriegs, wird im Mittelmeer beschossen und geht unter. Die
Besatzung wird gerettet, Lionel landet in italienischer
Gefangenschaft, wird jahrelang in Lagern interniert und schließlich
ins KZ Mauthausen deportiert, wo er nach elf Monaten Haft die
Befreiung miterlebt.

Lionel Romneys Geschichte steht jedoch nicht isoliert. Sie
verweist in einem historisch komplexen Geflecht auf die Tatsache,
dass Schwarze Menschen im nationalsozialistischen Europa immer wieder
zwischen Instrumentalisierung und Auslöschung standen. Ihre
Lebensrealitäten waren geprägt von den langen Schatten des
Kolonialismus, der Präsentation in Völkerschauen, ihrer Vereinnahmung
für Propaganda und gleichzeitig ihrer Stigmatisierung als „rassisch
minderwertig“. Begleitet von Expertinnen und Experten wird das
bislang kaum aufgearbeitete Kapitel erstmals umfassend beleuchtet.

Archivmaterial, Interviews und künstlerische Reenactments
verweben sich zu einem vielschichtigen Erzählfluss. Die fiktionalen
Szenen entstehen im Salzburger Take2Studio. Reduzierte, symbolhafte
Bühnenbilder, choreografiertes Licht und 2D-Animationen eröffnen eine
visuelle Ebene, die die Vergangenheit neu erfahrbar macht.

Hinter dem Projekt steht ein internationales Team unter der Co-
Regie von Stefanie Daubek und Jermain Raffington. Daubek bringt ihre
langjährige Erfahrung als Produzentin und Regisseurin von
Dokumentationen ein, während Raffington als afro-deutscher Journalist
und Filmemacher seine Expertise in der Aufarbeitung Schwarzer
Lebensrealitäten in Deutschland beiträgt.

Stefanie Daubek, Produzentin und Co-Regisseurin:

„Seit 2018 beschäftige ich mich intensiv mit dieser Geschichte.
In dieser Zeit ist eine enge Verbindung zu Mary Romney entstanden,
deren Vertrauen und Offenheit dieses Projekt erst möglich gemacht
haben. ‚Vom Paradies in die Hölle‘ ist mein absolutes Herzensprojekt
– ein Film, der vergessenen Stimmen Gehör verschafft und unsere
Erinnerungskultur erweitert.“

Jermain Raffington, Co-Regisseur:

„Als Afro-Deutscher ist dieses Projekt für mich persönlich. Es
erzählt nicht nur eine verdrängte Geschichte, sondern macht sichtbar,
dass Schwarze Menschen Teil der deutschen und europäischen
Vergangenheit sind – auch in ihren dunkelsten Kapiteln. Dieser Film
ist Erinnerung, Aufklärung und ein Aufruf zugleich, Rassismus in der
Gegenwart nicht zu ignorieren.“

Caroline Haidacher, Sendungsverantwortliche „Universum History“:

„Die Geschichte Schwarzer Menschen ist auch österreichische
Geschichte. Sie aufzuarbeiten, ist ein wichtiger Teil der
Erinnerungskultur. Mit dieser Produktion trägt ‚Universum History‘
ein weiteres Mal dazu bei, ein bislang kaum erzähltes Kapitel
europäischer Geschichte einem breiten Publikum zugänglich zu machen.“