Wien (OTS) – Der Gesetzesentwurf über ein europaweites System für die
Überwachung
von Wäldern ist seit seiner Veröffentlichung durch die Kommission im
Herbst 2023 heftig umstritten. Nach einer kritischen Ratsposition
setzen nun der Umwelt- und Agrarausschuss des EU-Parlaments ein noch
deutlicheres Zeichen für die Stärkung der nationalen Kompetenz in
Sachen Wald: Der Gesetzesvorschlag wurde abgelehnt.
Der im November 2023 vorgeschlagene Entwurf des sogenannten
Forest Monitoring Law verspricht wichtige Ziele wie zum Beispiel,
resilientere Wälder, die Bekämpfung des Klimawandels oder die
Förderung der Biodiversität. Erreichen möchte man diese Ziele jedoch
nicht mit Unterstützungen der Mitgliedstaaten oder der
Waldbewirtschafter, sondern mit zusätzlicher Überwachung und
praxisferner Bürokratie. Zudem würden die Kompetenzen der
Mitgliedsstaaten in Forstangelegenheiten, sowie nationale
Monitoringsysteme wie die Österreichische Waldinventur konterkariert
und damit unnötige Parallelstrukturen geschaffen.
„ Österreichs Waldinventur liefert bereits seit Jahrzehnten
hochwertige und verlässliche Informationen darüber, wie es dem
heimischen Wald geht“ , so Konrad Mylius, Präsident der Land&Forst
Betriebe Österreich. „In der Einrichtung eines europäischen
Monitoringsystems, das noch dazu in vielen Punkten fachliche Mängel
aufweist, sehen wir daher keine Notwendigkeit, sondern vielmehr eine
zusätzliche Belastung der nationalen Verwaltungen und Eingriff in die
Kompetenz der Mitgliedstaaten.“
Die verpflichtende Erhebung zusätzlicher, umfassender
Informationen über den Wald ohne ersichtlichen Mehrwert für den Wald
bedeutet einen erheblichen Mehraufwand für die Administration der
Mitgliedstaaten. Zuletzt versprach die Europäische Kommission jedoch
einen Abbau bürokratischer Belastungen – ein Vorhaben, das damit in
starkem Gegensatz zum Forest Monitoring Law steht.
Zudem sind die europäischen Wälder und ihre Bewirtschaftung sehr
heterogen und lassen sich nicht in das enge Korsett von Indikatoren
und Parametern zwängen. Diese regionalen Unterschiede blieben bei dem
Gesetzesvorschlag ebenso auf der Strecke wie der Datenschutz, den die
Land&Forst Betriebe Österreich durch die Art und Weise, wie die
Ergebnisse veröffentlicht werden sollen, stark gefährdet sehen. Die
Argumente wurden auch von den Vertretern der Mitgliedstaaten gesehen
und damit im Rat für eine stark reduzierte Form eines
Monitoringrahmens stimmten. Mit der deutlichen Mehrheit für eine
Ablehnung des Gesetzesvorschlags in den zuständigen
Parlamentsausschüssen ist nun eindrucksvoll bewiesen, dass dieser
überflüssige und praxisferne Gesetzesvorschlag zurückgezogen werden
muss.
„ Mit der Ablehnung des Gesetzesentwurfs haben die Abgeordneten
Vernunft und Naturverstand bewiesen“, betont Präsident Konrad Mylius
erfreut. „ Das Signal für die anstehende Abstimmung im
Parlamentsplenum ist deutlich: Europas Forstwirtschaft braucht keine
Datenfriedhöfe, sondern einen echten Abbau von Bürokratie und
Einschränkungen, um wirtschaftlichen und klimatischen
Herausforderungen begegnen zu können“ , so Konrad Mylius
abschließend.
Die Land&Forst Betriebe Österreich sind die freiwillige
Vereinigung österreichischer Landbewirtschafter, mit der Zielsetzung,
Österreichs Wälder und Felder als betriebliche Grundlage und
gesellschaftlichen Mehrwert zu erhalten und Bewusstsein für die
Anliegen privater land- und forstwirtschaftlicher Betriebe und deren
Tätigkeit zu schaffen. Die Mitgliedsbetriebe der Land&Forst Betriebe
Österreich bewirtschaften zusammen mehr als ein Viertel des
österreichischen Waldes und produzieren jede fünfte Tonne des
österreichischen Getreides.