Wien (OTS) – Die heute von der Europäischen Kommission vorgeschlagene
Verschiebung
der Anwendung der EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) stößt bei
Österreichs Holzindustrie auf Zustimmung. Dr. Erlfried Taurer, Obmann
des Fachverbands der Holzindustrie Österreichs, erklärt: „ Endlich
setzt sich die Vernunft in Brüssel durch – die Kommission erkennt an,
dass die eigene Verordnung nicht umsetzbar ist. Nach über zwei Jahren
intensiver Arbeit liegt noch immer kein praxistaugliches
Umsetzungsmodell vor. “ Versuche der EU-Kommission, über
Begleitdokumente nachzubessern, funktionieren nicht und schaffen
keine Rechtssicherheit. Der Europäische Rat und das Europäische
Parlament müssen dem Vorschlag der Kommission noch zustimmen.
„ Es ist richtig, die EUDR erneut auszusetzen. Das schafft die
Gelegenheit, die grundlegenden Probleme anzugehen. Die EUDR muss
tiefgreifend vereinfacht oder – noch besser – vollständig aufgehoben
werden “, betont Taurer und fordert: „ Wir erwarten von den EU-
Institutionen einen im unternehmerischen Alltag spürbaren
Bürokratieabbau, um die Wettbewerbsfähigkeit Europas zu stärken. Wir
brauchen mutige Entscheidungen und entschlossenes Handeln, statt
kleinteiliger Kosmetik. “
Die Bundesminister Norbert Totschnig und Wolfgang Hattmannsdorfer
haben sich mehrfach kritisch zur EUDR geäußert. „Vielen Dank an die
Bundesminister Totschnig und Hattmannsdorfer, die sich frühzeitig für
eine bessere Lösung in der EUDR-Frage eingesetzt haben, für ihre
Unterstützung“, hebt Taurer hervor.
Zwtl.: Alternativen gegen Entwaldung
Die Branche unterstützt das Ziel der EUDR, die weltweite
Entwaldung zu bremsen und zu beenden. Um dieses Ziel zu erreichen,
schlägt Obmann Erlfried Taurer konkrete Alternativen vor: „Es ist
unnötig, die gesamte Wirtschaft mit der EUDR zu drangsalieren. Eine
neue Risikokategorie ‚insignificant risk‘ für Länder ohne
Entwaldungsrisiko – wie etwa Österreich – kann viel bewirken.“ In
diesen Ländern reicht eine Dokumentation wie bisher unter der EU-
Holzhandelsverordnung (EUTR). Im Europäischen Parlament fand diese
Idee im Herbst 2024 eine Mehrheit.
Auch risikoorientierte Kontrollen statt pauschaler Überwachung
helfen, Entwaldung gezielt zu bekämpfen. „Entwaldung findet nicht in
Europa statt. Dennoch sollen unsere Unternehmen nachweisen, dass ihre
Lieferketten frei von Entwaldung sind“, fasst Taurer zusammen und
schlägt vor: „Statt Generalverdacht braucht es faktenbasierte
Risikoeinschätzungen und gezielte Kontrollen bestimmter Regionen,
Produkte oder Akteure. EU-Regeln für Holzimporte gibt es bereits –
und unsere Wälder sind durch Forstgesetze sowie zahlreiche
Umweltvorschriften umfassend geschützt.“
Zwtl.: Hintergrund: EUDR – Bürokratie ohne Nutzen
Die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) verpflichtet Unternehmen, bei
jedem Verarbeitungsschritt von Holz und Holzprodukten nachzuweisen,
dass kein Entwaldungsrisiko besteht – vom Rohstoff bis zum fertigen
Produkt. Die EUDR betrifft nicht nur den Import, sondern auch
Herstellung, Handel und Export innerhalb der EU. Unternehmen müssen
sich laufend freibeweisen. In der Praxis führt das zu einem nicht
umsetzbaren Bürokratieaufwand. Durch Vermischungen auf Lagerplätzen
und in der Weiterverarbeitung müssten tausende Referenznummern
verwaltet und weitergegeben werden – bei jedem Bearbeitungsschritt,
jeder Lieferung, jedem Produkt. Die so entstehende Datenflut ist
weder überprüfbar noch zielführend.
Eine Studie aus Finnland beziffert die Kosten für die Einführung
allein dort auf über 200 Millionen Euro sowie auf jährlich 65
Millionen Euro an laufenden Kosten. Eine Umfrage des Hauptverbandes
der Deutschen Holzindustrie (HDH) geht von Kosten in Höhe von 1,8
Milliarden Euro aus, um die EUDR einzuführen, und von weiteren 1,2
Milliarden Euro für den jährlichen Betrieb. Europaweit droht ein
Milliardengrab – ohne erkennbaren Mehrwert.
Zwtl.: ÜBER UNS
Der Fachverband der Holzindustrie Österreichs vertritt die
Interessen von mehr als 1.300 holzverarbeitenden Unternehmen in der
Bauprodukt-, Möbel-, Platten-, Säge- und Skiindustrie sowie in
weiteren holzverarbeitenden Betrieben wie der Palettenherstellung.
Die Unternehmen der Holzindustrie stellen mit rund 25.600
Beschäftigten Produkte im Wert von 9,28 Milliarden Euro her und
erwirtschaften einen Außenhandelsüberschuss von 1,39 Milliarden Euro.
Innerhalb der Wertschöpfungskette Holz ist die Holzindustrie ein
Schlüsselsektor und Ausgangspunkt für viele weitere
Verwendungsmöglichkeiten für Holz. Entlang der Wertschöpfungskette
Forst- und Holzwirtschaft sind mehr als 320.000 Menschen beschäftigt,
besonders in den ländlichen Regionen. Die Holzindustrie ist ein
unverzichtbarer Bestandteil der österreichischen Wirtschaft.
Weitere Informationen zur Holzindustrie Österreichs finden Sie im
aktuellen Branchenbericht .