Internationaler Tag der Gebärdensprachen: Österreichischer Gehörlosenbund fordert gleiche Bildungszugänge durch Gebärdensprache

Wien (OTS) – Am 23. September, dem Internationalen Tag der
Gebärdensprachen, rückt
der Österreichische Gehörlosenbund das Motto
„Gebärden.Sprache.Bildung“ in den Mittelpunkt. Es unterstreicht die
wichtige Rolle der Österreichischen Gebärdensprache (ÖGS) für
Bildung, Identität und gesellschaftliche Teilhabe. Dieses Motto
begleitete auch den internationalen Bildungskongress, den der
Österreichische Gehörlosenbund (ÖGLB) in Kooperation mit den
Gehörlosenverbänden aus Deutschland und der Schweiz am 12./13.09.2025
in Wien veranstaltete und an dem über 300 Personen teilnahmen.

Zwtl.: Gemeinsame Abschlusserklärung und zentrale Forderungen

Am Ende des Kongresses verabschiedeten die drei Präsident:innen
der Gehörlosenverbände, Helene Jarmer (AT), Ralph Raule (DE) und
Marinus Spiller (CH), eine gemeinsame Erklärung, in der sie
Sprachdeprivation – also das Risiko einer sprachlichen
Vernachlässigung – anprangern und die mangelnde Sprachförderung in
den frühen Entwicklungsjahren als schwerwiegende
Menschenrechtsverletzung verurteilen. Sie fordern eine
gesellschaftliche und rechtliche Neuausrichtung, die gehörlose
Menschen als sprachliche und kulturelle Minderheit anerkennt – im
Einklang mit der UN-Behindertenrechtskonvention.

Die drei Präsident:innen forderten weiterhin die „konsequente
gesellschaftliche, politische und rechtliche Umsetzung des
Paradigmenwechsels: weg vom Defizitmodell, hin zur Anerkennung
gehörloser Menschen als sprachliche und kulturelle Minderheit (…)
im Sinne der UN-Behindertenrechtskonvention“ .

Vor diesem Hintergrund wurden u.a. folgende dringliche
Forderungen verabschiedet:

Gesetzliche Anerkennung der Gebärdensprachen als eigenständige,
vollwertige Minderheitssprachen in Österreich, Deutschland und der
Schweiz mit verbindlicher Umsetzung in Bildung, Verwaltung und Alltag

Recht auf Gebärdensprache und barrierefreie Kommunikation ab
Geburt

Förderung der mehrsprachigen, inklusiven Bildung mit
qualifizierten Native Signers (gehörlosen Lehrkräften) sowie
Erhalt/Ausbau spezialisierter Gebärdensprach-Schulen, in denen eine
Peergroup entsteht, weil mehrere Kinder gebärdensprachig sind

Aufbau und institutionelle Verankerung einer neuen Berufsgruppe
gehörloser Gebärdensprachlehrkräfte

Beteiligung gehörloser Menschen und Organisationen als
gleichberechtigte Partner („Nichts über uns ohne uns“)

Bewahrung der Gebärdensprachen und Gehörlosenkulturen als
kulturelles Erbe und Umsetzung internationaler
Menschenrechtsstandards (UN-BRK, Europäische Sprachencharta, WFD-
Deklaration)

Die Abschlusserklärung schließt mit den Worten: „Die Zeit der
Ausgrenzung und Sprachdeprivation muss enden. Die Zeit der
Missachtung der Gebärdensprachen als vollwertige Minderheitensprachen
muss enden. Nur durch die volle Anerkennung und Förderung der
Gebärdensprachen und durch inklusive Bildung können die
Menschenrechte aller gehörlosen und hörbehinderten Menschen in
Österreich, Deutschland und der Schweiz verwirklicht werden. Gleiche
Bildung – Gleiche Rechte!“

Zwtl.: Gebärdensprach – Flashmob am Wiener Hauptbahnhof

Anlässlich des Tages der Gebärdensprache laden wir alle
Interessierten, Journalist:innen und Unterstützer:innen ein, am 23.
September von 10-11 Uhr beim Gebärdensprach-Flashmob am Wiener
Hauptbahnhof dabei zu sein.

„ Es reicht nicht, Rechte lediglich auf dem Papier
festzuschreiben. Erst wenn jedes gehörlose Kind die Chance hat, in
seiner Sprache zu lernen und aufzuwachsen, ist unser Ziel erreicht.
“, so ÖGLB-Präsidentin Helene Jarmer abschließend, „ Gemeinsam setzen
wir ein sichtbares Zeichen für eine offene, mehrsprachige
Gesellschaft und leben unseren Stolz auf Sprache, Kultur und
Vielfalt. “

Gebärdensprach – Flashmob

Seien Sie Teil eines sichtbaren und bewegenden Moments!
Heute ab 10 Uhr laden wir alle Journalist:innen und
Unterstützer:innen herzlich ein, am Flashmob am Wiener Hbf.
teilzunehmen. Gemeinsam setzen wir ein starkes Zeichen für die
Anerkennung und Förderung der Gebärdensprache in Bildung und
Gesellschaft. Ihre Teilnahme macht den Unterschied!

Datum: 23.9.2025, 10:00 – 11:00 Uhr
Ort: Vorplatz Wiener Hauptbahnhof
1100 Wien