Betäubt, gechippt, abgeschoben: Elch Emil im Böhmerwald ausgesetzt

Wien/Vösendorf/Linz (OTS) – Elch Emil ist betäubt, mit einem
GPS-Sender ausgestattet und im
Böhmerwald ausgesetzt worden. Damit endet vorerst ein Kapitel jenes
Tierdramas, das seit Wochen für Schlagzeilen sorgt – und doch ist die
Auseinandersetzung damit nicht vorbei.

Noch am Freitag hatte das Büro von Landesrätin Michaela Langer-
Weninger (ÖVP) erklärt, eine Betäubung des Elches sei „derzeit kein
Thema“. Am Montag in den frühen Morgenstunden kam es dennoch zur
Aktion. Mit einem Schuss aus dem Betäubungsgewehr wurde Emil
gestoppt, anschließend in den Grenzwald transportiert und mit einem
Chip versehen, der seine Wege künftig dokumentieren soll.

Zwtl.: Kritik an Informationspolitik

„Die Informationspolitik der Behörde war uns gegenüber völlig
intransparent, zudem wurden Tierschutzorganisationen aus der
eingesetzten SOKO ausgeschlossen. Der Fall Emil zeigt, wie wichtig es
ist, dass Tierschutzorganisationen in den Vollzug eingebunden
werden“, kritisiert Martin Aschauer, Sprecher von Tierschutz Austria.
“Mitsprache ist ist notwendig und spart Zeit, Geld und Ressourcen.“

Zwtl.: Ruf nach einheitlichen Regeln

Die ungleichen Entscheidungen in Niederösterreich und
Oberösterreich haben die Diskussion um die föderale Gesetzeslage neu
entfacht. „Neun verschiedene Jagdgesetze in neun Bundesländern – das
ist Flickwerk, das am Ende auf Kosten der Tiere geht. Wir brauchen
einheitliche Standards, die Tiere wirksam schützen“, fordert
Aschauer.

Zwtl.: Lehren aus dem Fall Emil

Tierschutz Austria betont, dass es dringend mehr
Wildtierkorridore entlang von Autobahnen und Bahnlinien braucht, um
Konflikte zwischen Mensch und Tier zu verhindern. „Ich hoffe, dass
wir aus dem Fall Emil für die Wildtiere in Österreich lernen. Der
nächste Emil kommt bestimmt“, so Aschauer.

Ob Emil im Böhmerwald nun Ruhe findet, ist ungewiss. Dass sein
Fall eine Debatte über den rechtlichen Umgang mit Wildtieren in
Österreich neu eröffnet, gilt jedoch als sicher.