Wien (OTS) – Es ist ein besonderer Termin für die Ortsbäuerinnen in
Österreich,
wenn alljährlich rund um den Welternährungstag am 16. Oktober ihr
Besuch in den ersten beiden Volksschulklassen ansteht. Zehntausende
erwartungsvolle Schulanfänger warten gespannt darauf, Geschichten vom
Bauernhof, vom Leben und der Arbeit einer Bäuerin und eines Bauern zu
hören, zu erfahren, wie die Milch von der Kuh in den Supermarkt
kommt, wie aus Getreidekörnern Mehl für Brot und Kuchen gemacht wird
und was alles auf den heimischen Feldern wächst. Diese sogenannten
„Aktionstage der Bäuerinnen“ gibt es bereits seit zehn Jahren. Eine
Erfolgsgeschichte, die heuer mit dem neuen Thema “Vom Samenkorn zur
Karotte“ fortgesetzt wird.
„Der fortschreitende Strukturwandel in der Land- und
Forstwirtschaft und die zunehmende Globalisierung haben uns
Handlungsbedarf aufgezeigt. Bei nur 154.593 bäuerlichen Betrieben in
Österreich (Quelle: Grüner Bericht 2024) – um 11% weniger als noch
2010 – ist das Wissen der knapp 9,2 Mio. Österreicher:innen über die
bäuerliche Arbeit und Lebensmittelerzeugung naturgemäß überschaubar“,
erklärt Bundesbäuerin Irene Neumann-Hartberger bei einer gemeinsamen
Pressekonferenz mit Bundesminister Norbert Totschnig ,
Niederösterreichs LH-Stellvertreter Stephan Pernkopf und Andrea
Wagner , Vizepräsidentin der LK NÖ am 19. September in der
Volksschule Neuhofen/Ybbs. Mit den Aktionstagen im Oktober legen die
teilnehmenden Bäuerinnen und Bauern den Grundstein für eine
wertschätzende Verbindung der künftigen Konsument:innen zu den
bäuerlichen Erzeuger:innen. “Die Neugierde der Kinder zu wecken und
sie zu begeistern, ist unser Ziel“, so Neumann-Hartberger weiter.
328.000 Kinder (be)greifen Landwirtschaft mit allen Sinnen
Diesem haben sich in den vergangenen zehn Jahren (2015 – 2024)
mehr als 16.600 Bäuerinnen mit Eifer gewidmet. Gemeinsam wurden
Themen wie „Vom Küken zum Ei“, „Vom Korn zum Brot“, „Vom Gras zur
Milch“, „Vom Apfel zum Saft“ oder „Über Kartoffel, Erdäpfel und
Grundbirnen“ sowie „Kürbis: Vom Kern zu Öl und Suppe“ mit
altersgerecht pädagogisch aufbereiteten Materialien in fast 18.000
Klassen an rund 328.000 Kinder vermittelt. „Landwirtschaft mit allen
Sinnen“ bezieht die Kinder aktiv in die Materie mit ein, zeigt ihnen
aber auch, wie sie beim Einkauf heimische Qualitätsprodukte erkennen,
wie Lebensmittel richtig gelagert werden und Bioabfall gering
gehalten wird. Als Höhepunkt der Unterrichtseinheit wird gemeinsam
mit der Bäuerin eine Jause zubereitet und verkostet. “Die Aktionstage
kommen auf beiden Seiten sehr gut an, wie die steigenden Zahlen der
teilnehmenden Klassen und Bäuerinnen zeigen“, freut sich Neumann-
Hartberger über den Erfolg. Dieses Jahr gehen die Bäuerinnen mit
einem neuen Thema in die Schulen: „Vom Samenkorn zur Karotte“.
Um allen Kindern in Österreich den authentischen Einblick in die
Landwirtschaft zu ermöglichen und sie mit dem nötigen Bewusstsein für
regionale Lebensmittel und ein gesundes, nachhaltiges Konsumverhalten
auszustatten, müsse jedem Kind im Verlauf seiner Pflichtschulzeit
mindestens einmal der Besuch eines zertifizierten „Schule am
Bauernhof“-Betriebes und ein Workshop mit einer Seminarbäuerin oder
einem Seminarbauern ermöglicht werden, bekräftigen die Bäuerinnen
Österreich ihre langjährige Forderung.
Totschnig: Wertschätzung ist die Grundlage für eine nachhaltige
Landwirtschaft
„Zehn Jahre Aktionstage der Bäuerinnen – das ist ein Jubiläum,
auf das wir stolz sein können. Diese Initiative zeigt eindrucksvoll,
wie Landwirtschaft lebendig vermittelt werden kann: praxisnah,
kindgerecht und voller Herzblut. Unsere Bäuerinnen und Bauern bringen
den Kindern direkt ins Klassenzimmer, woher unsere Lebensmittel
kommen – vom Feld, vom Stall, aus dem Garten. Damit schenken sie
ihnen nicht nur Wissen, sondern auch Wertschätzung. Und genau diese
Wertschätzung ist die Grundlage für eine nachhaltige Landwirtschaft
und eine gute Zukunft für die nächste Generation.“
Pernkopf: Frühe Bewusstseinsbildung für Wert von Lebensmitteln
und Landwirtschaft
„Die Schülerinnen und Schüler bekommen durch die Schulaktionstage
einen direkten Einblick in die Landwirtschaft. Heuer sind es allein
in Niederösterreich über 12.000 Schülerinnen und Schüler – so viele
wie noch nie. Sie sehen, wo unsere Lebensmittel wirklich herkommen,
und lernen die Menschen kennen, die dahinterstehen. Diese Begegnungen
schaffen Verständnis und Wertschätzung. Wer schon als Kind erfährt,
wie viel Arbeit und Verantwortung in einem Stück Brot oder einem Glas
Milch stecken, geht auch als Erwachsener bewusster mit Lebensmitteln
und unserer Landwirtschaft um“, so LH-Stellvertreter Stephan
Pernkopf.
Wagner: Neue Formate für altersgerechte spannende
Wissensvermittlung
„Als Landwirtschaftskammer Niederösterreich möchten wir Kinder
und Jugendliche frühzeitig für Landwirtschaft, Ernährung und
Regionalität begeistern. Mit unseren neuen Magazinen ‘Landwirtschaft
Kids‘ und ‘Junior‘ bieten wir ein neues Format einer spannenden,
altersgerechten Wissensvermittlung – von Bauernhofgeschichten über
landwirtschaftliche Fakten bis hin zu interaktiven Lernspielen. Die
Magazine eignen sich auch zum Einsatz in der Schule oder bei Besuchen
von Kindergruppen am Bauernhof. Damit unterstützen wir die Lehrkräfte
dabei, Landwirtschaft im Unterricht greifbar zu machen“, so Andrea
Wagner, Vizepräsidentin der Landwirtschaftskammer Niederösterreich,
und sagt weiter: „Ergänzt durch unsere digitale Plattform und
Programme wie ‘Schule am Bauernhof‘ machen wir Landwirtschaft
erlebbar. So stärken wir das Bewusstsein für regionale Lebensmittel,
fördern bewusste Konsumentscheidungen und leisten einen wichtigen
Beitrag zur Zukunft unserer bäuerlichen Betriebe.“
Fotos von der Veranstaltung sind unter
www.baeuerinnen.at/pressefotos zu finden.