SOS-Kinderdorf nimmt Stellung zur Falter Recherche

Wien (OTS) – In einem aktuellen Bericht schreibt die Wochenzeitung
Falter von
mehreren Fällen von Fehlverhalten und Gewalt durch pädagogische
Fachkräfte und Führungskräfte am Standort Moosburg in Kärnten in den
Jahren 2008 bis 2020. Sie erhebt dabei außerdem den Vorwurf, dass es
seitens der Verantwortlichen bei SOS-Kinderdorf keine Aufarbeitung,
sondern lediglich „kosmetische Maßnahmen“ gegeben habe.

Das Gegenteil ist der Fall: Nach Bekanntwerden der Vorwürfe im
Jahr 2020 wurde eine umfassende Bearbeitung eingeleitet. Dafür wurde
unter anderem eine unabhängige Begleitung hinzugezogen, um die
Strukturen und Entwicklungen am Standort Moosburg aus einem externen
Blickwinkel zu analysieren. Die damalige Geschäftsführung und
regionale Geschäftsleitung haben dafür Elli Scambor und Hubert Steger
vom Institut für Männer- und Geschlechterforschung mit einer Studie
beauftragt.

Abgeleitet aus der internen Bearbeitung und auch aus Ergebnissen
der Studie wurden umfassende Maßnahmen am Standort gesetzt:

SOS-Kinderdorf hat sich von Führungskräften getrennt und die
Vorwürfe mit Hilfe externer Unterstützung umfassend aufgearbeitet. Am
Standort wurden strukturelle Änderungen vorgenommen. Es wurde eine
neue Leitungsstruktur entwickelt, die mit Jänner 2021 in Kraft
getreten ist. Es wurden außerdem noch passgenauere Betreuungsformen
für die Kinder und Jugendlichen konzipiert. So wurden etwa
Kleingruppen geschaffen, in denen Kinder, die besonders viel
Aufmerksamkeit und Unterstützung brauchen, individuell intensiv
betreut werden. Wir haben auch die Nutzung der vorhandenen
Infrastruktur optimiert: Wohngruppen sind entsprechend der
Bedürfnisse der Bewohner*innen am Standort umgezogen – das
Zusammenleben und -arbeiten wurde verbessert.

Die gesamte Aufarbeitung hat in enger Zusammenarbeit mit unserem
Auftraggeber, der Kinder- und Jugendhilfe des Landes Kärntens,
stattgefunden. Mehrere Monate lang gab es einen Aufnahmestopp im SOS-
Kinderdorf Moosburg. Die Kinder- und Jugendhilfe evaluierte SOS-
Kinderdorf in pädagogischen sowie in wirtschaftlichen Belangen. Im
Dezember 2020 wurde der Aufnahmestopp offiziell wieder aufgehoben.

Die Neuausrichtung des Standortes Moosburg zeigt, dass die
umfangreichen Maßnahmen gegriffen haben. Seit mehr als vier Jahren
arbeitet das Team in Moosburg nun bereits erfolgreich unter neuer
Führung im modernisierten Setting. Die Veränderungen wurden
gemeinschaftlich und unter Einbeziehung der Mitarbeiter*innen vor Ort
umgesetzt.

Außer Frage steht, dass am Standort Moosburg in der Vergangenheit
Fehler passiert sind und der Schutz der Kinder nicht immer lückenlos
gewährleistet werden konnte. Das Leid, das die jungen Menschen in der
Betreuung von SOS-Kinderdorf erfahren haben, macht uns tief betroffen
und wir wollen uns aufrichtig dafür entschuldigen. Jedoch weisen wir
den Vorwurf, dass keine Aufarbeitung stattgefunden habe, entschieden
zurück. Der Fall wurde intern aufgearbeitet und die Ergebnisse und
Lehren in das Kinderschutzprogramm bei SOS-Kinderdorf eingearbeitet.
Einige Betroffene haben bei SOS-Kinderdorf ein Opferschutzverfahren
durchlaufen und Entschädigungszahlungen sowie die Finanzierung von
Therapieeinheiten zuerkannt bekommen. Damit können wir das Vergangene
nicht ungeschehen machen, konnten aber zumindest eine Geste der
Wiedergutmachung setzen.

Wir sind davon überzeugt, dass der überwiegende Teil unserer
Mitarbeiter*innen täglich großartige Arbeit leistet und alles daran
setzt, Kinder bestmöglich zu stärken und zu unterstützen.
Gleichzeitig sind wir uns auch bewusst, dass Fehler und
Kinderschutzverletzungen in einem so sensiblen Arbeitsumfeld nie zu
100% vermeidbar sind.

Was wir deshalb derzeit noch tun: der Aufsichtsrat wird zeitnah
eine externe Evaluierung der Aufarbeitungsprozesse zur Sicherstellung
der institutionellen Verantwortung beauftragen. Dabei werden die
intern gesetzten Maßnahmen, die nach Bekanntwerden der Missstände
entwickelt wurden, evaluiert und es wird geprüft, ob diese gegriffen
haben.

Über die nächsten Schritte darüber und wie Kinderschutz bei SOS-
Kinderdorf aufgebaut ist, werden wir laufend und transparent
informieren.

Alle Betroffenen, denen durch SOS-Kinderdorf Unrecht widerfahren
ist, können sich bei den externen unabhängigen Ombudsstellen melden:
https://www.sos-kinderdorf.at/so-hilft-sos/kinderschutz/ombudsstelle

Über die Whistleblowing-Plattform von SOS-Kinderdorf können
Fehlverhalten oder Missstände gemeldet werden.