Wien (OTS) – Zum 5. Jahrestag des Verschwindenlassens von Maryia
Kalesnikava
fordert Amnesty International Österreich einmal mehr deren sofortige
Freilassung. Die belarusische Oppositionspolitikerin unterstützte bei
den mutmaßlich gefälschten Präsidentschaftswahlen 2020 die
unabhängige Kandidatin Svyatlana Tsikhanouskaya (Swetlana
Tichanowskaja) und wurde am 7. September 2020 festgenommen. Seit fünf
Jahren wird sie unter schrecklichen Bedingungen in Haft gehalten.
Maryia Kalesnikavas Familie bangt um ihr Leben.
„Die Folter und Misshandlung von politischen Gefangenen muss
sofort beendet und alle willkürlich inhaftierten Personen – darunter
Maryia Kalesnikava – umgehend freigelassen werden. Wir sind es den
vielen mutigen Menschen, die damals für ihre Freiheit auf die Straße
gegangen sind, schuldig, dass wir die katastrophale
Menschenrechtslage in Belarus nicht vergessen. Wir fordern daher die
österreichische Bundesregierung auf, die Menschenrechtsverletzungen
in Belarus anzuprangern und ihren Druck auf die belarusische
Regierung zu erhöhen“, sagt Shoura Hashemi, Geschäftsführerin von
Amnesty International Österreich.
Um auf die willkürliche Haft von Maryia Kalesnikava aufmerksam zu
machen, organisiert Amnesty International am 5. September 2025 um
11:00 Uhr eine Protestaktion vor der belarusischen Botschaft in Wien.
Dabei wird es kurze Statements unter anderem von Shoura Hashemi, der
belarusischen Künstlerin Maryna Yakubovich und dem
Universitätsprofessor Kai Ohrem geben.
Zwtl.: Familie fürchtet um Maryias Leben
Wiederkehrend wird Maryia Kalesnikava isoliert, ihr jeglicher
Kontakt zur Außenwelt verwehrt und ihre medizinische Versorgung stark
eingeschränkt. Ihre Anklage und die Haftbedingungen, unter denen
Maryia Kalesnikava festgehalten wird, stellen eindeutig eine
Repressalie für ihre zentrale Rolle bei den friedlichen
Massenprotesten gegen die belarusischen Behörden vor fünf Jahren dar.
Insgesamt wurde sie damals zu elf Jahren Gefängnis verurteilt – und
das nur, weil sie für Menschenrechte kämpfte.
„Wir fürchten um ihr Leben, vor allem weil wir keinen direkten
Kontakt zu ihr haben. Die wenigen Informationen, die wir erhalten,
kommen oft erst Wochen später, und zwar nur durch andere, die aus dem
Gefängnis entlassen wurden. Jeder Tag im Gefängnis ist ein Risiko für
sie“, sagt Maryias Schwester Tatsiana Khomich gegenüber Amnesty
International.
Anfang Februar 2025 erhielt die Familie das letzte Mal eine kurze
Notiz von Maryia. Darin schrieb sie, dass es ihr gut gehe. Doch ob
das der Tatsache entspricht, ist völlig unklar.
„Ich wünsche mir mehr als alles andere, sie wiederzusehen – frei,
lächelnd und voller Lebensfreude. Jetzt sind wir an der Reihe, mutig
zu sein. Ihr Mut muss mit unserem Mut beantwortet werden – dem Mut
derer, die frei sind. Die Europäische Union – und Länder wie
Österreich – müssen sich für Maryia Kalesnikava einsetzen“, so
Tatsiana Khomich weiter.