Wien (OTS) – „Am Schauplatz“-Reporterin Julia Kovarik zeigt in ihrer
Reportage
„Frau Annemarie und der Gemeindebau“ am Donnerstag, dem 4. September
2025, um 21.05 Uhr in ORF 2 und auf ORF ON, warum das Zusammenleben
der Kulturen im Wiener Gemeindebau so schwierig ist:
Frau Annemarie ist 82 Jahre alt und lebt im zwölften Bezirk im
Gemeindebau. Fast täglich geht sie in den Sozialmarkt, um für zwei
ältere Nachbarinnen einzukaufen. Sie ist hilfsbereit und
aufgeschlossen – zumindest dort, wo sie sich zugehörig fühlt.
Migrantinnen und Migranten begegnet Frau Annemarie mit Argwohn. „Der
Großteil spricht kein Deutsch und niemand sagt Bitte und Danke. Alles
für die Ausländer wird gezahlt von meinem Steuergeld!“, ärgert sich
Frau Annemarie.
Im angrenzende Liebknechthof haben Mieter:innen Unterschriften
gesammelt – sie fordern, dass die Tore zu ihrem Gemeindebau
zugesperrt werden und nur mehr Bewohner:innen mit Schlüssel
hineinkommen. Sie fühlen sich von migrantischen Jugendlichen
belästigt, erzählen sie, weil sie laut und frech sind und ihren Müll
nicht wegräumen. Eine ehemalige Hausbesorgerin spricht aus, was sich
hier viele denken: „Wir haben das ganze Land aufgebaut und gespart
und jetzt bekommen es die Fremden. Wir haben kämpfen müssen für
unsere Gemeindebau-Wohnungen.“ Viele Mieter:innen des Liebknechthofs
leben an der Armutsgrenze und müssen jeden Cent umdrehen.
Der Steinbauer-Park gleich gegenüber ist ein beliebter Treffpunkt für
Jugendliche aus der Nachbarschaft. „Wenn die alten Bewohnerinnen aus
dem Gemeindebau mehr Respekt hätten, wären wir auch freundlicher“,
sagen Jugendliche auf einer Parkbank, „stattdessen hören wir immer
Scheiß-Ausländer und Scheiß-Muslime.“
Im Norden der Stadt lebt Frau Brigitte in Wiens größtem
Gemeindebau – der Großfeldsiedlung. Sie verbringt viel Zeit im Hof
mit migrantischen Kindern und Jugendlichen. Dafür wird sie auch oft
angefeindet, erzählt sie. „Für mich sind das keine Tschuschen-Kinder,
sondern Kinder. Jeder verlangt von den Neu-Österreichern, dass sie
sich an uns anpassen, aber niemand zeigt ihnen, wie wir eigentlich
sind“, sagt Frau Brigitte.