Alpbach (OTS) – Gestern (Mittwoch, 27. August) organisierte das Team
der ERSTE
Stiftung gemeinsam mit „Alles Clara“, ihrer sozialen Innovation zur
Entlastung pflegender Angehöriger, eine Diskussion im Rahmen der
„Austria in Europe Days“ des European Forum Alpbach über die
„demographische Bombe“ am Arbeitsmarkt : Die Zahl der
pflegebedürftigen Menschen steigt von Jahr zu Jahr, während
gleichzeitig das Gesundheitssystem, die Pflegeeinrichtungen und
betreuende Familien an ihre Grenzen stoßen. Pflegende Angehörige
reduzieren nur zu oft ihre Arbeitszeit oder geben ihre
Erwerbstätigkeit zugunsten der Pflege eines Familienmitglieds auf.
Dies betrifft jährlich über 20.000 Personen, insbesondere Frauen und
führt damit zu schwerwiegenden Folgen für Arbeitsmarkt und
Wirtschaft.
Wo müssen wir ansetzen, um den Fachkräftemangel zu lindern, eine
hochwertige Gesundheit und Pflege zu gewährleisten und Pflegekräfte
besser zu unterstützen? Wie unterstützen wir die pflegenden
Angehörigen, den „größten Pflegedienst Österreichs“. Diese Fragen
wurden im Congress Centrum Alpbach von den rund 100 Gästen sehr
angeregt diskutiert, die Journalistin Damita Pressl übernahm die
Moderation.
In ihrer Eröffnung betonten ERSTE Stiftung CEO Boris Marte und
Aufsichtsratsmitglied Eva Höltl : „Dieses Thema betrifft uns alle
direkt und wird unser Leben verändern. Wir haben den Blickwinkel der
pflegenden Angehörigen gewählt, deren Erwerbsbiographien durch
Pflegeleistung und Informationsdefizit oft brüchig werden. Für sie
haben wir mit Alles Clara ein kostenloses Angebot entwickelt, das sie
im Alltag unterstützt. Es braucht ein Momentum für interdisziplinäre
digitale Formate, von denen alle Betroffenen profitieren.“
Thomas Czypionka , Leiter der Forschungsgruppe für
Gesundheitssysteme und Gesundheitspolitik am Institut für Höhere
Studien – IHS, erläuterte: „Unser Gesundheits- und Sozialsystem ist
besonders komplex. Wir sind mit einer dreifachen Alterung
konfrontiert, nämlich der In-Anspruch-Nehmenden, der Berufstätigen im
Gesundheitswesen und des allgemeinen Potenzials am Arbeitsmarkt.
Digitalisierung kann einerseits Zusatznutzen bieten und andererseits
Mehrkosten verursachen – gerade am Start bei der Implementierung.
Danach kann man sehr viel für die Patienten tun und langfristig die
Arbeitsabläufe erleichtern. Dabei können wir idealerweise auch von
Auswertungen laufend lernen und so die Qualität und Effizienz im
System steigern.“
Ulrike Königsberger-Ludwig , Staatssekretärin im Bundesministerium
für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz,
erklärte: „ Unser gemeinsames Ziel ist es, das öffentliche
Gesundheitssystem zu stärken. Hier müssen die vorhandenen Ressourcen
bestmöglich eingesetzt werden, auch im Hinblick auf die
Nachhaltigkeit. Die Digitalisierung macht auch vor dem
Gesundheitssystem und der Pflege nicht Halt und bietet große Chancen
– etwa, wenn man auf die elektronische Gesundheitsakte (ELGA) blickt,
wo das Leistungsspektrum laufend weiterentwickelt wird – so sind etwa
bereits jetzt Pflegeheime eingebunden. Dennoch steht für mich fest:
Die Digitalisierung kann keine Menschen ersetzen, und darf auch
keinen zurücklassen.“
Arbeitsmarktservice Österreich-Vorstandsmitglied Petra Draxl
erläuterte: „Wir bewegen uns darauf zu, dass 2050 rund 10 Millionen
Menschen in Österreich leben werden, wobei der Anteil der Älteren
steigt. Alle wollen weiterhin Top-Leistungen in Anspruch nehmen
können, während die Kosten steigen und weniger Menschen im
Erwerbsleben Beiträge leisten werden. Ausbildungsplätze werden
laufend ausgebaut, eine Herausforderung ist es die Beschäftigten im
Pflegeberuf zu halten. Für pflegende Angehörige braucht es sicher
bessere Strukturen zur Unterstützung.“
Der Stellvertreter der Geschäftsführung beim Hilfswerk Österreich,
Roland Wallner , führte dazu aus: „Wir haben in der Digitalisierung
der Pflege und der Vernetzung mit dem Gesundheitswesen einige
dringende Baustellen. Der Blick durch die Brille der Betroffenen ist
hier wichtig: Pflegende Angehörige erwarten sich Unterstützung durch
einen funktionierenden Pflegedienst, richtige Information und Hilfe
beim Umgang mit der Bürokratie. Pflegekräfte verbringen zu viel Zeit
mit Bürokratie, statt sich um ihre Patientinnen und Patienten zu
kümmern. Mobile Langzeitpflege soll bis Ende 2028 in ELGA integriert
werden – das ist dringend notwendig, weil dadurch die Sicherheit von
Pflegebedürftigen steigt und Personalressourcen nicht für vermeidbare
Aufgaben vergeudet werden.“
Die Aufzeichnung der Veranstaltung wird in den kommenden Tagen
auf den Websites der ERSTE Stiftung und von Alles Clara
veröffentlicht.
Über Alles Clara: Die Entwicklungsgeschichte der mehrfach
ausgezeichneten App und digitalen Sozialdienstleistung startete
aufgrund von Erfahrungen und Bedürfnisses aus den Zeiten der
Lockdowns während der Covid-Pandemie. In Modellregionen steht „Alles
Clara“ der Bevölkerung im Burgenland, Niederösterreich und Vorarlberg
kostenlos zur Verfügung. Zusätzlich können derzeit bereits über
150.000 Beschäftigte die flexible, niederschwellige und dennoch
persönliche Beratung durch Alles Clara“ über ihre Arbeitgeber nutzen:
AK Niederösterreich, alpla, Asfinag, Caritas St. Pölten, Caritas
Wien, Coca Cola HBC, Diakonie de la Tour, Deloitte, Egger, Energie AG
OÖ, Erste Bank Österreich, ERSTE Stiftung, George Labs, EY, Flughafen
City Wien, FMW, Henkel, Helvetia, IBM, Jank Weiler Operenyi,
LebensGroß, Magenta, Moser Holding, NÖ Landesgesundheitsagentur, ÖBB,
Privatklinik Kettenbrücke, Tiroler Versicherung, Volkshilfe
Oberösterreich, Volkstheater Wien, Wiener Städtische,
Wirtschaftskammer Österreich und der Wirtschaftskammer Tirol sowie
Hospiz Österreich. Alles Clara wird derzeit durch Mittel des
Sozialministeriums, der FFG und des Land Niederösterreich sowie der
ERSTE Stiftung, der Soziale Dienste Burgenland GmbH und dem
Vorarlberger Sozialfonds unterstützt. Mehr Informationen: www.alles-
clara.at