Grüne Wien/Stark, Reiter: Neue Karte zeigt Sitzgelegenheiten – Wien braucht mehr Bankerl

Wien (OTS) – Mehr als ein Drittel aller Wege legen die Wiener:innen
zu Fuß zurück.
Doch vielerorts fehlt es an konsumfreien Sitzgelegenheiten, die das
Gehen angenehmer machen und insbesondere Eltern mit Kinderwägen,
älteren oder mobilitätseingeschränkten Menschen dringend benötigte
Pausen ermöglichen. Eine neue interaktive Karte zu Sitzmöglichkeiten
macht jetzt erstmals sichtbar, wo Wien bereits gut ausgestattet ist –
und wo noch Potenzial für Verbesserungen besteht.
„Expert:innen wie jene des Kuratoriums für Verkehrssicherheit
empfehlen Sitzgelegenheiten alle 100 Meter. Neubau zeigt, dass das
möglich ist: Wir setzen diese Regel nun um – und haben mit neuen
Bäumen zusätzlich beschattete Plätze geschaffen. Die in den letzten
Jahren geschaffenen Sitzmöglichkeiten werden von den Menschen sehr
gut genutzt. Damit leisten wir nicht nur einen Beitrag im Kampf gegen
die Hitze, sondern stärken auch unsere Einkaufsstraßen und die
Flanierqualität,“ betont Bezirksvorsteher Markus Reiter (GRÜNE).

Offene, interaktive Stadtkarte

Die Initiative dazu ging vom 7. Bezirk aus. Neubaus
Mobilitätsbeauftragter Dieter Komendera (GRÜNE) erstellte unter
Beteiligung von NGOs und dem Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV)
eine erste Analyse, die das Potenzial für zusätzliche
Sitzgelegenheiten im öffentlichen Raum sichtbar macht. Die
Interessensvertretungen „Geht-Doch“, die „Radlobby Wien“ und „Walk-
Space“ haben das Projekt übernommen, weiterentwickelt, für ganz Wien
adaptiert und nun der Öffentlichkeit präsentiert – ein starkes
Beispiel für gelungenes zivilgesellschaftliches Engagement. Die Karte
funktioniert mit einem freien Datensatz, den alle Wiener:innen
mitgestalten können. Fehlende oder nicht mehr vorhandene
Sitzmöglichkeiten können eingetragen werden.
„Sitzmöglichkeiten sind keine Nebensache, sondern essenzielle
Infrastruktur für Mobilität. Sie erleichtern den Alltag, ermöglichen
aktive Mobilität für alle und müssen kontinuierlich entlang der Wege
verfügbar sein. Wichtig ist: Sie sind frei zugänglich, ohne
kommerzielle Nutzungspflicht – und schaffen damit einen angenehmen
Aufenthalt im öffentlichen Raum für alle Wiener:innen“, so Dieter
Komendera, Mobilitätsbeauftragter des 7. Bezirks, von den Grünen.

Neubau als Vorbild

Besonders in innerstädtischen Bezirken wie Neubau, wo fast alles
im Umkreis von 800 Metern erreichbar ist, hat der Fußverkehr enormes
Potenzial. Mit dem (seit 2022) geltenden „Masterplan Gehen“ setzt
Neubau auf breitere Gehsteige, Begegnungszonen, Begrünung und sichere
Schulwege – Maßnahmen, die deutlich zeigen, wie Aufenthaltsqualität
im dicht bebauten Stadtraum gelingen kann. Etwas, das sich die
Grünen, für ganz Wien wünschen. „Gerade für ältere Personen ist es in
der sich immer weiter aufheizenden Stadt wichtig, beschattete Orte
für Pausen auf den alltäglichen Wegen zu haben – und zwar, ohne dass
man dafür etwas konsumieren muss“, so Kilian Stark, Mobilitäts- und
Planungssprecher der Wiener Grünen. Derzeit gibt es Straßen, wo
Menschen hunderte Meter ohne Sitzgelegenheit zum Rasten auskommen
müssen. Aber auch im Stadtzentrum gibt es großen Nachholbedarf: Den
ganzen Ring entlang befinden sich abseits der Öffi Stationen derzeit
gerade einmal 57 Sitzgelegenheiten. Das muss sich dringend ändern.
„Der Ring war einmal eine Prachtstraße und sollte in einer Stadt wie
Wien wieder als Flaniermeile bekannt sein. Reservieren wir die
ehemalige ‚Reitallee‘ zwischen den Bäumen für die Fußgänger:innen und
geben wir damit den Menschen den schönsten Ort am Ring zurück“, so
Stark und weiter: „Wir fordern die Stadtregierung dringend auf, das
Zu-Fuß-Gehen in Wien zu verbessern – dazu gehören auch ausreichend
Sitzmöglichkeiten ohne Konsumzwang.“
In Neubau wurden seit 2019 sichtbare Verbesserungen durch konkrete
Umbauten umgesetzt: Insgesamt wurden 129 neue konsumfreie
Sitzmöglichkeiten geschaffen und mehr als 2.900 Meter Straßenraum
umgestaltet. In der Neubaugasse kamen 32 Sitzgelegenheiten hinzu, in
der Bernardgasse wurden 28 Sitzgelegenheiten errichtet und in der
Zieglergasse 27. Ergänzt werden die öffentlichen Sitzbänke durch
Anrainer:inneninitiativen wie Grätzloasen oder Initiativen der
Kaufleute wie der „Wanderbare Schanigarten“.