Wien (OTS) – „Bürokratie stellt für viele österreichische
Tourismusbetriebe eine
nicht mehr zu schulternde Belastung dar“, betont Susanne Kraus-
Winkler, Bundesspartenobfrau der Tourismus und Freizeitwirtschaft in
der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ). „Im Durchschnitt verbringen
Unternehmen rund neun Stunden pro Woche mit administrativen Aufgaben
– mit steigender Tendenz, je größer der Betrieb ist. Darüber hinaus
verzeichnet die Mehrheit der Unternehmen in den letzten zwei bis drei
Jahren zusätzlich einen deutlichen Anstieg des bürokratischen
Aufwands.“
Die Zukunft des Tourismus, seine Wettbewerbsfähigkeit und
Wertschöpfungskraft standen im Zentrum der WKÖ-Tourismuskonferenz,
die gestern in Alpbach stattfand. Besonders deutlich wurde dabei:
Überbordende Bürokratie bremst Österreichs Tourismusbetriebe.
Die oberste Tourismussprecherin brachte es in Alpbach auf den
Punkt: „Unsere Betriebe brauchen Luft zum Atmen. Gerade im Tourismus
gilt: Jeder überflüssige Zettel ist einer zu viel. Wenn wir
Bürokratie abbauen, schaffen wir Freiräume für Innovation,
Investitionen und neue Arbeitsplätze.“
Hoher Zeit- und Kostenaufwand schwächt Wettbewerbsfähigkeit
Zu den größten Belastungen zählen komplexe und zeitaufwändige
Verwaltungsprozesse sowie umfangreiche, wiederkehrende Informations-,
Berichts- und Wartungspflichten. Eine aktuelle Umfrage unter 1.000
Unternehmen zeigt: Jedes zweite fühlt sich stark durch Bürokratie
belastet. „Um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern und die Branche zu
entlasten, braucht es ein umfassendes Entbürokratisierungspaket“, so
Kraus-Winkler und unterstreicht: „Wir erwarten uns von der
Herbstklausur der Bundesregierung Nägel mit Köpfen. Jetzt ist der
Zeitpunkt, mutig zu entrümpeln und Unternehmerinnen und Unternehmern
mehr Vertrauen statt Misstrauen entgegenzubringen.“
Warum Tourismusbetriebe besonders betroffen sind
„Unsere Branche ist kleinstrukturiert: 80 % der Betriebe sind
Familienunternehmen, 89 % beschäftigen weniger als 10
Mitarbeiter:innen“, erklärt Kraus-Winkler. „Gerade diese Unternehmen
leiden besonders unter den hohen bürokratischen Anforderungen, die
oft mit unverhältnismäßig hohen Kosten und großem Zeitaufwand
verbunden sind.“
Konkrete Entlastungen
–
Evaluierung und Lockerungen bei wiederkehrenden Prüfpflichten (z.
B. Sicherheitsbeleuchtung, Klima- und Lüftungsanlagen)
–
Flexibilisierung des Betriebsanlagenrechts und Erweiterung der
Genehmigungsfreistellung-VO
–
Einfach handhabbares, unbürokratisches Aushilfskräftemodell
–
Ausnahmen bei der Pfandannahmepflicht für kleinflächige
Unternehmen
–
Effektive Umsetzung des „Once Only“-Prinzips
–
Bürokratieabbau und Digitalisierung bei der Rot-Weiß-Rot-Karte
–
Kein „gold plating“ bei EU-Richtlinien
–
Verlängerung der „grace period“ bei Betriebsübergaben von 2 auf 5
Jahre
–
Schnellere Anerkennung von Fachqualifikationen und
Nostrifizierungen
„Mit solchen Maßnahmen könnten sich unsere Betriebe endlich
wieder auf ihr Kerngeschäft konzentrieren – ihren Gästen ein
unvergessliches Erlebnis zu bereiten, anstatt im bürokratischen Sumpf
zu versinken“, so Kraus-Winkler abschließend. (PWK327/ES)