Wien (OTS) – Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen und das Mauthausen
Komitee Österreich
setzen sich seit 2021, nach Bekanntwerden der Bebauungspläne,
gemeinsam mit der Lokalinitiative KZ-Gedenkstätte Mauthausen-
Außenlager Hirtenberg nachdrücklich für den Erhalt der Artefakte und
das Gedenken an die Opfer des Frauen-KZ Hirtenberg ein. Rund 400
Frauen und Mädchen wurden hier festgehalten und mussten Zwangsarbeit
leisten. Es handelt sich um eines von zwei größeren Außenlagern mit
ausschließlich weiblichen Häftlingen und das einzige, an dem noch
historische Überreste im größeren Umfang vorhanden waren– das andere,
Lenzing, wurde nach dem Krieg geschliffen.
Eine Bebauung des ehemaligen KZ-Areals wird unweigerlich zur
Zerstörung seiner materiellen Zeugnisse führen, einen weiteren Ort
des NS-Terrors unkenntlich machen und dem Vergessen überlassen. Daher
appellierten wir, gemeinsam mit der Israelitischen Kultusgemeinde
Wien und der Lokalinitiative, von den Plänen, ausgerechnet an diesem
Ort Gewerbehallen zu errichten, Abstand zu nehmen. Stattdessen sollte
man die Liegenschaft dafür nützen, gemeinsam mit den örtlichen
Gedenkinitiativen und uns einen würdigen Gedenkort zu schaffen. Die
KZ-Gedenkstätte Mauthausen ist in mehrere Initiativen zum Erhalt von
Überresten früherer Außenlager eingebunden, führt derzeit die
großangelegte Neugestaltung der KZ-Gedenkstätte Gusen durch und ist
auch nach wie vor bemüht, in Leobersdorf eine Weiterentwicklung des
Ortes zu unterstützen.
In einer Zeit nach der direkten Zeitzeugenschaft durch
Überlebende gewinnen bauliche Relikte zunehmend an Bedeutung. Wir
sehen es daher als unsere Aufgabe, das Potenzial dieser ohnehin raren
Überreste für die Vermittlung gemeinsam mit lokal engagieren Personen
zu nutzen, wie etwa gegenwärtig in Guntramsdorf, oder zumindest gegen
Verwertungsinteressen zu verteidigen, die ein würdiges Gedenken
verunmöglichen.
Die Verfehlungen, die nach 1945 mit dem Abriss und der Überbauung
vieler KZ-Areale begangen worden sind, sollten nicht wiederholt
werden. Jeder Überrest eines ehemaligen Konzentrationslagers legt
Zeugnis über das dort geschehene Unrecht ab und ist schützens- und
bewahrenswert. Gegenteilige Einschätzungen können wir nicht
nachvollziehen. Dass die Reste des Konzentrationslagers Hirtenberg
„aus derzeitiger Sicht“ nicht ausreichend seien, um sie unter Schutz
zu stellen, sollte kein Freibrief sein, sie und ihre topografischen
Zusammenhänge unwiederbringlich zu vernichten
„Es ist bezeichnend, dass 2025, gerade im Gedenkjahr, in dem wir
an 80 Jahre Befreiung erinnern, ein solcher Rückschritt stattfindet
und das Andenken an die NS-Opfer durch die Bebauung ihres
Leidensortes finanziellen Interessen untergeordnet wird“, so Willi
Mernyi, Vorsitzender des Mauthausen Komitee Österreich.
„Offensichtlich ist hier noch viel Sensibilisierungsarbeit zu
leisten.“
Die KZ-Gedenkstätte Mauthausen wurde nur sehr kurzfristig und
halbherzig am 15. August über eine Begehung am 20. August informiert,
bei der wir erfuhren, dass der Baubeginn unmittelbar, am nächsten
Tag, bevorstand.
Das Vorgehen lässt keinen Zweifel daran, dass man sich der
historischen Verantwortung nicht stellen und weitere Diskussionen
unterbinden will. Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass das Areal des
ehemaligen KZ Hirtenberg verloren ist und in Zukunft keinerlei
gesellschaftliche Relevanz mehr haben wird. Umso wichtiger wird es,
mit Elan und gebündelten Kräften darauf hinzuwirken, dass die Frauen
und Mädchen, die hier Zwangsarbeit leisten mussten, nicht vergessen
werden.
„Es ist eine Schande, dass es möglich ist, im Jahr 2025 die
Überreste eines ehemaligen Konzentrationslagers ohne einen sachlichen
öffentlichen Dialog darüber abzureißen“, erklärt Barbara Glück,
Direktorin der KZ-Gedenkstätte Mauthausen. „Diesen Verlust
historischer Strukturen und möglicher Informationsquellen für die
Forschung wird man nicht wieder rückgängig machen können.“
Der materielle Zeitzeuge ist durch diese Maßnahmen unrettbar
verloren. Was uns aber Hoffnung macht, ist das Engagement der lokalen
Initiativen, mit denen wir gemeinsam andere Formen und Wege finden
werden, an die Opfer des KZ Hirtenberg zu erinnern.