Test: Alkoholfreier Wein – Luft nach oben

Wien (OTS) – Alkoholfreie Weine – oder präzise ausgedrückt –
entalkoholisierte
Weine befinden sich im Aufwind: Immer mehr Menschen verzichten
bewusst auf Alkohol – besonders Jüngere. Doch wie ist es um die
Qualität alkoholfreier Produkte bestellt? Der Verein für
Konsumenteninformation (VKI) hat in Kooperation mit der
Arbeiterkammer Steiermark erstmals alkoholfreie Weine – Rotweine,
Rosé, Weißweine und einen Perlwein – sowie aromatisierte alkoholfreie
Produkte aus Supermärkten, Onlinehandel und Fachgeschäften unter die
Lupe genommen. 8 von 25 Erzeugnissen wurden mit „gut“ bewertet.
Häufige Kritikpunkte: unklare bzw. unzureichende Kennzeichnung und
ein ausbaufähiger Geschmack. Im Gesamturteil wurden 8 „gut“, 14
„durchschnittlich“ und 3 „weniger zufriedenstellend“ vergeben. Die
Details zum Test gibt es in der September-Ausgabe von KONSUMENT und
online auf www.vki.at/wein-alkoholfrei-2025 .

Laut der internationalen Organisation für Rebe und Wein (OIV) ist
die weltweite Weinproduktion 2024 um fast 5 Prozent zurückgegangen –
in Österreich sogar um 8,8 Prozent. Neben klimatischen Faktoren
verändern sich auch die Konsumgewohnheiten. Vor allem Jüngere trinken
seltener Alkohol, und alkoholfreie Alternativen gewinnen an
Beliebtheit. „Der Trend zu alkoholfreiem Wein ist zwar erfreulich“,
betont VKI-Ernährungswissenschafterin Nina Eichberger. „Bei vielen
getesteten Produkten gibt es allerdings noch Luft nach oben.“

Geschmacklich wenig überzeugend

Alkoholfreier Wein entsteht durch die Entalkoholisierung
herkömmlicher Weine. Trotz technischer Fortschritte gehen dabei
Aromen verloren, die durch Zusatzstoffe wie weineigene Aromen,
Traubensaft oder Kohlensäure wieder ausgeglichen werden.
Geschmacklich erinnern dann auch viele der Produkte eher an
Traubensaft als an Wein. Die Expertenverkostung ergab folgende
Bewertung: 1 „gut“, 14 „durchschnittlich“, 8 „weniger
zufriedenstellend“ und 2 „nicht zufriedenstellend“. Die schlechteste
Bewertung erhielt von den alkoholfreien Weinen der Chardonnay von La
Baume. Die Expert:innen beschrieben ihn unter anderem als „dumpf“,
„muffig“ und „weinfremd“. Hier waren sich Laien und Expert:innen
einig. Ebenso beim Geschmackssieger, Oleada Fizzy-Blanc, der einzige
Perlwein im Test.

Unklarheiten bei Kennzeichnung

„Acht der getesteten Produkte wirken auf den ersten Blick wie
alkoholfreier Wein. Tatsächlich sind es jedoch aromatisierte
alkoholfreie Getränke. Begriffe wie Rosé, Pinot Noir, Chardonnay oder
Sangiovese, die allesamt an Wein erinnern, tragen ebenfalls zur
Verwirrung bei und haben in diesem Zusammenhang Täuschungspotenzial
für Konsument:innen“, so Nina Eichberger. Sie enthalten teils auch
Zusätze wie weinuntypische Aromastoffe, Fruchtsaft oder
Kräuterauszüge, die laut Weingesetz in alkoholfreiem Wein nicht
erlaubt wären.

„Oft muss man schon genauer hinschauen, um zu erkennen, welches
Produkt man vor sich hat. Das liegt auch daran, dass die gesetzlich
vorgeschriebene Sachbezeichnung häufig nur auf der Rückseite oder
klein in der Zutatenliste steht“, kritisiert Nina Eichberger. „Zudem
fehlen bei manchen Produkten wesentliche Informationen wie Zutaten
oder Nährwerte. Eine klare und transparente Kennzeichnung auf der
Vorderseite sowie umfassende Produktinformationen direkt auf dem
Etikett wären daher wünschenswert.“

Als positiv hebt die Ernährungswissenschafterin neben dem nicht
bzw. kaum vorhandenen Alkohol den geringen Kaloriengehalt von
alkoholfreiem Wein hervor. Dieser lag beim Test im Schnitt bei rund
22 Kalorien pro 125 Milliliter. Das sind deutlich weniger Kalorien
als herkömmlicher Wein. Mikrobiologisch waren ebenfalls alle Produkte
in Ordnung.

SERVICE: Die ausführlichen Testergebnisse gibt es ab 28.08.2025
in der September-Ausgabe der Zeitschrift KONSUMENT und auf
www.vki.at/wein-alkoholfrei-2025 .

Der VKI führt derzeit eine Umfrage zu alkoholfreien Alternativen
zu Wein, Sekt und anderen alkoholischen Getränken durch. Über
folgenden Link können Interessierte daran teilnehmen:
www.vki.at/umfrage/alkoholfreie-drinks .