Wien (OTS) – Ein neues Medikament mit dem Wirkstoff Lecanemab wurde
am 15.4.2025
in der EU zugelassen. In Österreich ist der Wirkstoff bereits
verfügbar. Laut Herstellerangaben kann Lecanemab den Verlauf der
Alzheimer-Demenz verlangsamen, stellt jedoch keine Heilung der
Krankheit dar. Lecanemab kann die Verschlechterung kognitiver
Fähigkeiten um rund 30 Prozent verlangsamen, ist jedoch nur für
Patient*innen mit Alzheimer im Frühstadium indiziert, bei denen eine
genetische Hochrisikovariante sowie weitere medizinische Kriterien
ausgeschlossen wurden. Das Risiko von Nebenwirkungen (
Hirnschwellungen, Hirnblutungen) erfordert engmaschige klinische und
MRT-Kontrollen, die für die Patient*innen mit erheblichem zeitlichem
Aufwand verbunden sind. Für den Wiener Gesundheitsverbund (WIGEV),
der Österreichische Alzheimergesellschaft (ÖAG), der Österreichische
Gesellschaft für Neurologie (ÖGN) und der Österreichische
Gesellschaft für Allgemein- und Familienmedizin (ÖGAM)) ist das ein
erster Schritt führt zu Hausärzt*in
Hausärzt*innen sind die erste Anlaufstelle für Menschen, die
abklären möchten, ob das neue Alzheimer-Medikament Teil Ihrer
Behandlung sein kann. Nach der Erstuntersuchung erfolgt zur weiteren
Abklärung die Überweisung an Neurolog*innen oder Psychiater*innen,
die weiterführende Untersuchungen durchführen, um eine Eignung für
diese Therapie zu bestimmen. Ein MRT soll kleine Gehirnblutungen
ausschließen, da diese einen möglichen Risikofaktor für die Therapie
mit Lecanemab darstellen. Erst dann ist ein Besuch in einer
spezialisierten Gedächtnisambulanz im Krankenhaus sinnvoll, um
weitere spezifische Untersuchungen durchzuführen und die Therapiewahl
mit den behandelnden Ärzt*innen zu besprechen.
„Wir sorgen dafür, dass unsere Patient*innen eine Behandlung
erhalten, die perfekt auf ihre Bedürfnisse und ihre Krankengeschichte
zugeschnitten wird. Gerade bei Demenzerkrankungen ist daher eine
exakte Diagnostik von enormer Bedeutung“, erklärt Michael Binder,
Medizinischer Direktor vom Wiener Gesundheitsverbund.
„Menschen mit Demenz erhalten derzeit medikamentöse und nicht-
medikamentöse Behandlungen. Die Medikamente, die derzeit am Markt
sind, behandeln Erkrankungssymptome, indem sie die Verfügbarkeit
bestimmter Neurotransmitter erhöhen und so die kognitive Funktion
vorübergehend stabilisieren. Zusätzlich zur medikamentösen Therapie
kann durch Gedächtnistraining, Ergotherapie, Bewegungstherapie und
ähnlichen Maßnahmen die geistige Leistungsfähigkeit verbessert,
Verhaltensstörungen gemildert und das allgemeine Wohlbefinden
gesteigert werden. Ziel ist, dass erkrankte Menschen ihren Alltag gut
bewältigen können“, so Elisabeth Stögmann, Präsidentin der
Österreichischen Alzheimergesellschaft.
Etwa 150.000 Österreicher*innen leiden an einer dementiellen
Erkrankung, bis 2050 wird sich diese Zahl auf etwa 260.000
verdoppeln. Die Alzheimerdemenz ist mit etwa 60-70 Prozent die
häufigste Form einer Demenz. Bis zu 40 Prozent der Demenzerkrankungen
können durch Präventionsmaßnahmen verhindert werden. Dazu gehören
regelmäßige körperliche Aktivität, kognitive Aktivierung wie Lesen
oder Musizieren, soziale Interaktion und die Vermeidung von
Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht und unbehandelter
Bluthochdruck und Diabetes.
Eine Empfehlung zum diagnostischen Vorgehen findet sich im
Diagnosepfad der Österreichischen Arzheimer Gesellschaft (ÖAG) – Link
Zwtl.: Wirkungen und Nebenwirkungen
Lecanemab ist für Patient*innen geeignet, die an einer frühen
Form einer Alzheimer-Erkrankung leiden, bei denen eine genetische
Hochrisikovariante ausgeschlossen wurde, und die keine
blutverdünnenden Medikamente einnehmen. Weitere Faktoren, die eine
Eignung für das Medikament festlegen, müssen im Rahmen einer
umfassenden Diagnostik untersucht werden. Das Medikament kann
relevante Nebenwirkungen wie Gehirnblutungen oder Gehirnödeme
verursachen. Die Patient*innen und ihre Angehörigen müssen deshalb
über die potenziellen Risiken und den Behandlungsverlauf gut
informiert sein. Bei der Entscheidung für eine Therapie mit Lecanemab
ist eine intravenöse Gabe alle zwei Wochen notwendig. Dabei ist in
den ersten 6 Monaten eine sehr engmaschige Überwachung der Patient*in
erforderlich. Für den Therapieerfolg ist eine enge Zusammenarbeit der
verschiedenen medizinischen Disziplinen und Einrichtungen von
Bedeutung.